«Ich mache Ihre Steuern»

12. März 2014 23:13; Akt: 12.03.2014 23:17 Print

Plötzlich ist jeder ein Steuerexperte

von L. Hanselmann - Ab 40 Franken füllen selbsternannte Steuerberater derzeit jedem die Steuererklärung aus – sogar in einer Schneiderei oder in einer Fahrschule. Ist das auch seriös?

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Hand aufs Herz: Schieben Sie das Ausfüllen der Steuererklärung auch vor sich her? Zehntausende lassen jedes Jahr die Frist, in den meisten Kantonen bis Ende März, verstreichen. Je nach Gemeinde müssen bis zu zehn Prozent gemahnt werden – trotz der Plakate, mit denen einzelne Steuerämter für das rechtzeitige Einreichen der Steuererklärung werben.

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Vielen ist das jährliche Zahlenbeigen so lästig, dass sie ihre Finanzen in fremde Hände legen. «Immer mehr lassen sich helfen», titelte diese Woche die «Neue Luzerner Zeitung». Zahlen gibt es zwar keine. Doch die Flut an Annoncen von selbst ernannten Steuerberatern spricht eine klare Sprache.

Sie wissen, wo sie ihre Kunden abholen können. «Wir nehmen Ihnen diese Last ab. Geniessen Sie die Freiheit» oder «Überlassen Sie mir Ihre Steuererklärung und kümmern Sie sich um die schönen Dinge des Lebens», heisst es in den Inseraten. Hunderte davon finden sich seit Februar im Internet, in Zeitungen und auf Anschlagbrettern. In Zürich wirbt sogar eine Schneiderei mit Steuerservices.

«Auch nicht qualifizierte Anbieter»

Wie seriös die Anbieter sind, ist schwer einzuschätzen: Steuerberater darf sich jeder nennen. «Es hat derzeit viele Inserate, auch von nicht qualifizierten Anbietern», sagt Daniela Schneeberger, Präsidentin von Treuhand Suisse. Eine Hexerei ist es für diese nicht: Steuererklärungen können in immer mehr Kantonen online ausgefüllt werden – im Kanton Zürich über ZH Private Tax Light sogar auf dem iPhone oder Tablet. Das geht schnell und vereinfacht auch den Steuerberatern das Geschäft.

Schon ab 40 Franken bieten sie ihre Dienste an. Die Billigsten sieht man nie: Man schickt ihnen alle Unterlagen und erhält die Steuererklärung ausgefüllt zurück. Davon rät Olivier Zihlmann, Geschäftsbereichsleiter beim Vermögenszentrum, dringend ab: «Steuern sind eine Frage des Vertrauens. Ich würde sehen wollen, wer meine Steuererklärung ausfüllt, und die Unterlagen mit ihm besprechen.»

«Mehr Fehler bei Nichtprofis»

Das bestätigt Schneeberger: «Wenn man jemandem seine finanzielle Situation offen legt, geht man immer ein gewisses Risiko ein.» Jemand kann so zum Beispiel herausfinden, wer wie viel Geld besitzt. Dass Kriminelle dies gezielt ausnutzen, hat sie aber noch nie gehört.

Viel grösser ist das Risiko, dass einem ein wenig kompetenter Steuerberater etwas falsch ausfüllt. «Bei Nichtprofis ist die Fehlerquelle sicher grösser», so Zihlmann. Da der Steuerpflichtige selbst unterschreiben muss, haftet er am Ende für nicht korrekte Angaben – oder zahlt sogar drauf, weil Abzüge vergessen gegangen sind. Zihlmann rät deshalb, sich genau zu informieren. Bei günstigen Angeboten sei Vorsicht angebracht (siehe Box).

«Brauche nur eine halbe Stunde»

Halil Kurt wehrt sich. Der Zürcher ist eigentlich Fahrlehrer, füllt jetzt aber für 69 Franken auch Steuererklärungen aus. «Ich bin nur fair. Für eine normale Steuererklärung brauche ich höchstens eine halbe Stunde. Da kann ich doch nicht mehrere Hundert Franken verlangen, wie es gewisse Treuhänder tun», sagt der studierte Ökonom.

Die meisten könnten ihre Steuererklärungen ohnehin selbst ausfüllen, sofern ihre finanziellen Verhältnisse nicht allzu komplex sind. Gerade mit den Onlinehilfen, die einen exakt anleiten und Beträge automatisch übertragen. «Man kann damit vieles gar nicht mehr falsch machen», sagt Roger Keller von der Finanzdirektion des Kantons Zürich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner E. am 13.03.2014 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Dünkt mich etwas billig

    Ich lass das schon seit immer von einem Profi machen. Der ist zwar deutlich teurer, aber dafür habe ich zusätzlich eine komplette Prüfung sämtlicher Rechnungen durch ihn. Meine ist aber zugegeben auch nicht ganz so einfach manchmal. Bei den Preisen hier würde ich mich auf das Resultat nicht verlassen, ehrlich gesagt. Letztendlich muss es jeder selber wissen. Ich habe keine Lust mich damit zu beschäftigen, also überlass ich das jemandem, der sich damit besser auskennt.

  • die Frau des Beamten am 13.03.2014 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerfachmann

    mein Mann arbeitet bei der Steuerbehörde /Staat. In jedem Kanton ist das ausfüllen der Steuererklärung wieder anders. Diese vom Kt Bern ist viel einfacher, übersichtlicher als diese vom Kt Solothurn. Es spielt natürlich auch eine Rolle wie komplex die auszufüllende Steuererklärung ist, aber es lohnt sich auf jeden Fall Interesse zu zeigen, ob auch alle Abzüge angegeben wurden die man darf. Viele haben nämlich keine Ahnung was Sie alles abziehen können...und das verteuert die Steuern für den Betroffenen um ein schönes Sümmchen....aber mein Mann ist ja ein guter und schreibt die vergessenen Abzüge von sich aus noch auf die Steuererklärung die er gerade kontrolliert (mit der entsprechender Meldung an die Person natürlich). Bei älteren Personen ist das manchmal der Fall.

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  • Roland K. am 13.03.2014 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt darauf an

    Einfache Steuererklärungen sind wirklich keine grosse Sache - da sage ich als Treuhänder sogar meinen Kunden, sie sollen es doch selbst versuchen. Wobei 300 CHF für eine einfache Steuererklärung nur bei den grossen Firmen bezahlt werden - denn die wollen eigentlich gar keine solche "Kleinkunden". Mit nachsichtiger Steuerplanung kann jedoch sehr viel Geld gespart werden - und ob ein Nicht-Fachmann über das entsprechende Wissen verfügt wage ich zu bezweifeln.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 13.03.2014 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann es sich lohnt...

    Was bei der ganzen Diskussion hier vergessen geht, ist dass nicht mit dem Ausfüllen der Steuererklärung gespart wird sondern mit einer Steuerplanung über mehrere Jahre. Dies betrifft aber primär Steuerpflichtige mit Sonderfaktoren wie einem eigenen Geschäft, sanierungsbedürftigen Liegenschaften, grossen Beitragslücken in der Pensionskasse, etc. In solchen Fällen lohnt es sich sogar grössere Beträge für die Beratung auszugeben, da der Nichtfachmann schlicht und einfach nicht up-to-date ist.

  • hajos am 13.03.2014 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuererklärung ausfüllen

    Das wird heute in der Schule und in den Berufsschulen gelernt? Nur schade dass dem nicht so ist, da es sich nicht um etwas lebensnotwendiges handelt. Was wird denn heute gelehrt? Es gibt einem schon zu denken, denn auch das wäre erlernbar, allerdings nicht auf dem Handy oder auf Facebook!

  • Birnboym am 13.03.2014 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Amtl. bewiesenes Analphabetentum

    Wer eine einfache Steuererklärung nicht selber ausfüllen kann, muss schon beinahe ein Analphabet sein. Wenn man solche Aufgaben immer abschiebt, wird man immer unfähiger. Beim Ausfüllen lernt man ja auch etwas über den eigenen Status kennen. Klar, dass bei komplizierteren Fällen ein Fachberater das Geld wert ist. Ich selbst brauche jeweils einige Tage, weil ich Anlagen im Ausland bei verschiedenen Banken und Fonds habe, in Fremdwährung etc. Diese Angaben lassen sich nicht einmal automatisch mit dem Steuerprogramm erfassen. Das ist ja diesbezüglich auf Banausen mit 'Sparheft' eingerichtet.

  • Thomas am 13.03.2014 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach

    Das ist ja heute einfach im Digitalen Zeitalter.Vom letzten Jahr übernehmen,neue Zahlen einsetzen, ausdrucken und fertig. Früher war das noch stundenlange nervige Dokumenten Schreiberei. Heute macht es schon fast Spass. Nur das Zahlen nervt immer noch!

  • Nora T. am 13.03.2014 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schnell gemacht

    Die Steuererklärung vom letzten Jahr ist ja noch auf dem Rechner gespeichert. Jetzt nur schnell ein paar Zahlen ändern, ein paar Dokumente ausdrucken bzw. kopieren und fertig. Dauert keine 30 Minuten.