Internet-Business

12. Februar 2013 11:04; Akt: 12.02.2013 12:24 Print

Porno-Branche ist geschickter als Hollywood

von Valeska Blank - Statt Piraterie und Filesharing zu bekämpfen, beschreitet die Porno-Industrie neue Wege. Die Erotik-Branche schlägt sich viel besser als Hollywood – zeigt die Studie einer ETH-Forscherin.

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Video, Kabel-TV, Internet: Die Porno-Branche hat sich immer wieder neu erfunden – und einen Weg gefunden, Geld zu verdienen. (Bild: colourbox)

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Die Film- und Musikindustrie kämpft seit Jahren gegen Piraterie – und jammert lautstark über die Verluste, die sie wegen illegaler Raubkopien erleidet. Während die grossen Fische im Geschäft unermüdlich versuchen, gegen File-Sharing-Seiten und deren User rechtlich ins Feld zu ziehen, hat eine Branche längst umgedacht: die Pornoindustrie.

Anstatt sich am Kampf gegen das Unvermeidliche aufzureiben, hat die schon mehrfach totgesagte Branche neue Wege entdeckt, mit ihrem Produkt trotz Gratisangeboten im Netz Geld zu verdienen. Die auf Urheberrecht spezialisierte Forscherin Kate Darling, die derzeit an der ETH an ihrer Doktorarbeit schreibt, hat das Phänomen untersucht – und ist zu einem erstaunlichen Schluss gelangt: Die Anbieter von «Erwachsenenfilmen» stemmen die Herausforderungen des Internets um einiges besser als ihre Kollegen in Hollywood.

Der Grund: Die Pornoindustrie geht besser mit den Möglichkeiten um, die das Internet bietet. «Anstatt sich auf Biegen und Brechen gegen die rasanten technologischen Entwicklungen im Netz zu wehren, stellt sie sich ihnen.» Das habe die Branche mehr als einmal bewiesen: Egal, ob Videokassetten, Kabelfernsehen oder eben jetzt das Internet – «die Branche hat sich einfach immer wieder an neue Medienformate angepasst», so Darling.

Geschäftsmodell untergraben

Die «Apokalypse», wie es die Forscherin formuliert, sei für die Pornobranche im Jahr 2005 mit der Gründung von Youtube.com eingetreten. Tube-Seiten, die die Technologie und das Prinzip von Youtube kopierten, sind daraufhin wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Internetuser begannen, pornografische Inhalte hochzuladen und damit illegal zu verbreiten. «Das untergrub das traditionelle Geschäftsmodell der Branche auf einen Schlag», so Darling.

Doch anstatt mit Heerscharen von Anwälten gegen die Tube-Seiten vorzugehen, erkannte die Erotikindustrie neue Möglichkeiten. So hat das «Playboy»-Magazin die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Fotos nicht verboten, sondern lediglich darauf bestanden, dass sie mit dem Bunny-Logo gekennzeichnet werden. «Ein besseres Gratis-Marketing gibt es nicht», so die Forscherin.

Mit dem blossen Verbreiten von Logos ist es knapp acht Jahre danach nicht mehr getan. Wie Darlings Studien ergeben haben, hat die Pornobranche nicht geschlafen. Statt ihre Kunden zu bekämpfen, würden sie unterstützt, sagt die ETH-Forscherin: «Online-Anbieter gehörten zu den Ersten, die ihre Webseiten mobile-tauglich gemacht haben», sagt sie. Auch bei Online-Technologien wie sicheren Bezahlmodellen oder Streaming-Angeboten in HD seien diese Unternehmen führend gewesen.

Bequemlichkeit und Privatsphäre

Die neuesten Entwicklungen gehen in Richtung Interaktivität und Service: Live-Kameras, Online-Games, Live-Chats, virtuelle Strip-Clubs. Für all diese nicht kopierbaren Angebote sind die User laut Darling bereit, Geld zu zahlen. Ein weiteres grosses Bedürfnis, das die Pornoindustrie erkannt habe, sei die Nachfrage nach Bequemlichkeit und Privatsphäre. Darum hat sie sich sogar schon Cloud-Computing-Technologien zunutze gemacht.

Experten schätzen, dass 20 bis 30 Prozent des Traffics im Internet auf Pornoseiten generiert werden. Laut Darling handelt es sich um ein Geschäft von immensem Ausmass.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • brat am 12.02.2013 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die Studie ist lachhaft

    Ich hoffe die gute Frau nach der Doktorarbeit ihren Titel nicht abgibt. Was sie die beiden Branche vergleichen ist lachhaft. Es gibt keine LIVE FILM oder so etwas ähnliches. Man kann mit billig produzierten Pornos(als Werbung) nicht mit dem Millionen investierten Film vergleichen!

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  • Schon-lange Dabei am 12.02.2013 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Porno als Treiber

    In den letzten 40 Jahren hat die Pornoindustrie wesentlichen Anteil, welche Technik sich am Markt durchsetzt. Porno setzte auf die billigen, aber technisch gegenüber Beta unterlegenen VHS-Kassetten, VHS hat sich durchgesetzt. Später setzte Porn auf DVD und setzte sich gegenüber Nachfolgern der CD durch. Auch bei der Verbreitung des Internet spielte Pornografie eine zentrale Rolle: In den 90ern wollten nicht in erster Linie die Kiddies das Internet, sondern Papi (und Mami). Schliesslich hat die Pornoindustrie auch gezielt zum Ende der Filesharer beigetragen: mit Viren-verseuchten Filmli :)

  • Ein Mensch am 12.02.2013 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsverlust

    Wenn Schauspieler nicht mehr eine Gage von 2-stelligen Millionenbeträgen pro Film kassieren würden, könnte da bereits einiges eingespart werden. Alleine die Kino Eintritte sollten die Ausgaben einigermassen einspielen, verkaufte DVDs/BRs sorgen für einen zusätzlichen Gewinn. Anstatt zu jammern, weil nicht jeder Film ein mehrhundertfaches an Rendite abwirft, sollte gejubelt werden, wenn man schwarze Zahlen schreibt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel am 13.02.2013 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    schlechtes Gewissen?

    Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben wenn ich was gratis herunterlade? Da ich ja für jeden Datenträger den ich kaufe, auch wenn es nur eine Speicherkarte ist welche ich ausschliesslich in der Kamera einsetze, Urheberrechtsgebühren bezahlen muss, habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich Musik oder Filme gratis downloade. Vielen Dank SUISA für diese einfache Bezahlmöglichkeit.

  • Mani am 12.02.2013 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Quadratur des Kreises gelöst?:-)

    Alles Gratis, Missbrauch wird nicht bekämpft, Urheberrechte werden nicht eingeklagt, eigene Produkte werden nicht geschützr? Trotzdem soll man dabei noch Geld verdienen können?! Wow! Diese Frau hat es wohl geschafft, nur mit Lineal und Zirkel, die Quadratur des Kreises zu lösen:-)

  • Schon-lange Dabei am 12.02.2013 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Porno als Treiber

    In den letzten 40 Jahren hat die Pornoindustrie wesentlichen Anteil, welche Technik sich am Markt durchsetzt. Porno setzte auf die billigen, aber technisch gegenüber Beta unterlegenen VHS-Kassetten, VHS hat sich durchgesetzt. Später setzte Porn auf DVD und setzte sich gegenüber Nachfolgern der CD durch. Auch bei der Verbreitung des Internet spielte Pornografie eine zentrale Rolle: In den 90ern wollten nicht in erster Linie die Kiddies das Internet, sondern Papi (und Mami). Schliesslich hat die Pornoindustrie auch gezielt zum Ende der Filesharer beigetragen: mit Viren-verseuchten Filmli :)

  • Chris am 12.02.2013 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht ums Prinzip, Leute!

    Klar kann Hollywood nicht das Online-Geschäftsmodell der Pornoindustrie übernehmen, ihr Helden! Es geht darum, dass die Pornoindustrie wege gesucht (und gefunden) hat, Ihre Inhalte doch noch online zu verkaufen. Statt einfach auf die alten Wege zu beharren, haben sie neue gefunden. Genau das muss Hollywood auch, sonst hört das ganze ja nie auf!

  • Maria Delgado am 12.02.2013 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Content Mafia

    Natürlich kommen hier gleich die Vertreter der Entertainment Industrie und kommentieren "dumme Studie" usw. Das ändert aber nichts daran dass die Musik und Film Industrie das Internet verschlafen hat und nach wie vor uns den Zugang zu Content absichtlich erschwert, blockiert und uns mit Drohungen und Klagen eindeckt. Kein Wunder wollen die Leute nichts mehr bei denen kaufen. Selber schuld.