Schweizer Krankenkassen

27. September 2011 16:53; Akt: 27.09.2011 16:59 Print

Prämienschere geht weiter auseinander

von Elisabeth Rizzi - Ab 2012 wird der Risikoausgleich verfeinert. Eigentlich sollten die Prämienunterschiede der Krankenkassen dann kleiner werden. Doch das ist vorerst eine Fehlanzeige.

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Künftig sollen auch Ausgleichszahlungen zwischen den Kassen für Spitalaufenthalte von Versicherten fliessen. (Bild: Keystone)

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In der Schweiz bezahlen alle Erwachsenen pro Kasse und Region dieselbe Grundversicherungsprämie. Ältere Personen und Frauen verursachen allerdings im Durchschnitt höhere Gesundheitskosten als Junge und Männer. Damit die Versicherer mit vielen Frauen und Alten nicht benachteiligt werden, wurde der so genannte Risikoausgleich geschaffen.
Kassen mit tendenziell jüngeren Versicherten zahlen an Kassen mit einem höheren Durchschnittsalter der Versicherten.

Bisher hat das System mit den Ausgleichszahlungen zu wenig gut funktioniert. Der Anreiz war für die Krankenkassen grösser, kostengünstige Personen für sich zu gewinnen, als in Qualität und Kosteneffizienz der medizinischen Leistungen zu investieren. Um die Jagd nach den so genannt «guten Risiken» weniger attraktiv zu machen, wird per 2012 der Risikoausgleich um ein weitere Kriterium verfeinert. Neu wird auch ein Spital- oder Pflegeheimaufenthalt im Vorjahr von mindestens drei Tagen für die Berechnung von Ausgleichszahlungen herangezogen.

Mehr Ausgleichszahlungen

Weil mehr Ausgleichszahlungen fliessen, wäre zu erwarten, dass die Prämienunterschiede zwischen den Kassen abnehmen. Doch laut einer Analyse des Online-Vergleichsdienstes Comparis ist das zumindest per 2012 noch nicht der Fall. Basierend auf den provisorischen Prämien für 2012 schätzt Comparis, dass die Prämienunterschiede zwischen den billigsten und teuersten Kassen pro Prämienregion im Durchschnitt bei 48 Prozent liegen. In den vergangenen Jahren betrug der Unterschied jeweils zwischen 46 und 48 Prozent. In 17 Kantonen soll die Differenz sogar noch zunehmen.

«Man müsste bis 2013 warten»

Für Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Basel ist klar, weshalb die Unterschiede nicht kleiner werden. «Von den Gesundheitsausgaben im stationären Sektor gehen nur bis 45 Prozent zulasten der Prämien. Den Hauptanteil bezahlen die Kantone.» Ausserdem würden bei der Prämienberechnung noch andere Faktoren eine Rolle spielen; etwa die Reserven einer Kasse. «Zudem», so Felder weiter, «ist die Prämienberechnung immer prognostisch. Um wirklich zu wissen, wie gross die Auswirkungen des Risikoausgleichs sind, müsste man bis 2013 warten.»

Branchenkenner Felix Schneuwly nennt noch einen weiteren Aspekt. «Die Versicherer und das Bundesamt für Gesundheit als Aufsichtsstelle sind wohl nach den zu tiefen Prämien in den letzten Jahren vorsichtiger geworden mit allzu knapp kalkulierten Prämien», vermutet er. Und letztlich spiele noch immer der Markt. «Nicht die Ausgleichszahlungen und auch nicht die tiefen Verwaltungskosten entscheiden über die Prämienhöhe, sondern die Kosten für medizinische Leistungen und das Marktrisiko der Versicherer. Für sie ist die Prämienkalkulation eine ständige Gratwanderung zwischen zu hohen Prämien, mit denen sie Kunden verlieren und der Gefahr einer Unterdeckung und später nötigen Prämienerhöhungen», so Schneuwly.

Diverse Gesundheitsökonomen halten den Risikoausgleich allerdings ohnehin für ein Dilemma ohne Lösung und propagieren stattdessen die Abschaffung der heute geltenden Kopfprämie. Gemäss ihnen sollten die Kassen nach Alter abgestufte Prämien verlangen. Alte würden somit höhere Grundversicherungsprämien bezahlen als Junge.