Wein

25. Juni 2010 11:04; Akt: 26.06.2010 11:31 Print

Preispegel auf RekordstandPreispegel auf Rekordstand

von Othmar Bamert - Zungenschnalzen bei Investoren: Die Preise für Spitzenweine steigen derzeit in den Himmel. Auch bei Normalkonsumenten erwacht, nach reichlich Günstigwein, die Lust auf edlere Tropfen.

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Bekennender Weinkenner: Der französische Schauspieler Gérard Depardieu degustiert an einer Weinmesse. (Bild: Keystone)

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Die Welt der Weinliebhaber ist zweigeteilt: Die einen trinken den Wein, die anderen behandeln ihn als prestigeträchtige Spekulationsmasse. Und für die Investoren ist es eine Spitzensaison: So legte der «Liv-ex 100 Fine Wine Index», der die Preisentwicklung der 100 meist gesuchten Weine abbildet, dieses Jahr bereits 24 Prozent zu.

Im Fünf-Jahres-Vergleich stieg der Kultwein-Index gar um 300 Prozent, trotz des Tauchers während der Krise. Der noch nicht trinkreife, jedoch von Winzern wie Kritikern mit blumigstem Vorschusslob versehene Bordeaux 2009, gilt als der teuerste Jahrgang aller Zeiten. Dasselbe gilt für andere Edelweine, etwa von Lafite-Rothschild. Preis: bis zu 1000 Franken pro Flasche.

Für Anleger: Die Rendite hat’s in sich – das Risiko auch

Wer investieren will, kann am sogenannten «En Primeur»-Markt teilnehmen. Das heisst: Der jüngste Bordeaux-Jahrgang lagert noch im Fass, wird aber bereits Jahre im Voraus verkauft. Das kann sich lohnen: Laut dem Zürcher Weinhandelshaus Wermuth hat beispielsweise eine Flasche Mouton Rothschild 2000 ihren «En Primeur»-Preis von 300 Franken inzwischen mehr als verdreifacht.

Sein Vermögen in edle Tropfen fliessen zu lassen birgt Risiken. Aktienhändler und Weininvestment-Experte Thorsten Jodaitis vergleicht das «En-Primeur»-Spiel mit Termingeschäft-Spekulationen. Will heissen: Man bezahlt sofort, erhält das Produkt aber erst rund zwei Jahre später. Wenn sich der Wein in der Zwischenzeit schlecht entwickelt, wird er schlecht gelagert oder von den Kritikern wie dem US-Weingott Robert Parker abgekanzelt, verdirbt die Rendite.

Eine weniger riskante Anlage sind die Weinfonds, etwa beim britischen The Wine Investment Fund. Hochriskant ist dagegen, edle Weine über Internet-Auktionsplattformen wie eBay zu kaufen. Laut Weinhändler Jan-Erik Paulson tauchen dort immer wieder Fälschungen auf.

Getrunken wurde weiter, aber günstiger

Der Grund für den gegenwärtigen Rekord-Preispegel liegt nicht nur im guten Weinjahrgang, sondern auch in den unsicheren Jahren an den Finanzmärkten: Dann flüchten die Anleger nämlich in sichere Realwerte wie Gold und Wein. Und Wein hilft bekanntlich auch in getrunkener Form durch die Krise.

Diese Regel beherzigten offenbar die Normalverbraucher. Der Weinabsatz brach in der Krise nicht ein, im Gegenteil. Man trank jedoch günstigeren Wein, und man deckte sich vermehrt beim Discounter ein statt in der Vinothek. Denner konnte so laut Sprecherin Grazia Grassi in den letzten zwei Jahren den Weinumsatz sogar steigern.

Aber auch bei den exklusiveren Händlern floss der Absatz weiter. Allerdings wählte die Kundschaft auch hier mit mehr Bedacht. «Die Leute kaufen weniger teuren Bordeaux, weniger Champagner, dafür mehr mittelpreisige Weine und Prosecco», sagt Jürg Welti von Globus. So tönt es auch bei Mövenpick. Marketingleiter Jens Kaufmann: «Kunden tendierten während der Krise dazu, den etwas günstigeren Wein zu kaufen und dann lieber eine Flasche mehr». Unter dem Strich resultierte für Mövenpick Wein 2009 trotzdem ein Umsatzrückgang von rund 13 Prozent auf knapp 102 Millionen Franken. Nun kehrt die Lust auf edlere Tropfen allmählich zurück. Die bisherige Jahresentwicklung sei «sehr erfreulich», so Kaufmann.

Das Luxussegment blieb nahezu verschont von den Widrigkeiten der Krise. «Wir haben nicht wirklich eine Krise gespürt», sagt Stephan Radloff vom Edelanbieter Baur au Lac Weine in Zürich. Nach dem «Superjahr 2007», so Radloff, konnte der Umsatz 2008 und 2009 praktisch konstant bei gut 22 Millionen Franken gehalten werden. Dies obwohl auch hier die Kundschaft während der Krise die ganz teuren Tropfen mied. 2010 erwartet Radloff eine weitere Umsatzsteigerung, «da auch die Luxusweine wieder gekauft werden.»

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