Bildungsoffensive

07. April 2017 10:11; Akt: 07.04.2017 10:11 Print

Putzkräfte sollen besser Deutsch lernen

Putzfrauen müssen immer kompliziertere Maschinen bedienen. Oft scheitert dies an den Sprachkenntnissen. Helfen sollen nun Deutsch- und Weiterbildungskurse.

Wieso braucht es mehr Bildung im Reinigungsgewerbe? Jürg Brechbühl, Präsident der Paritätischen Kommission, im Interview mit 20 Minuten.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Besen und ein Wischmopp: Das waren lange Jahre fast die einzigen Werkzeuge von Reinigungskräften. Doch diese Zeiten sind vorbei. In Spitälern beispielsweise muss das Putzpersonal oft hohen hygienischen Sicherheitsvorschriften genügen und komplizierte Maschinen bedienen. Das Problem: Viele Angestellte in der Branche sprechen kaum Deutsch und haben daher Mühe, die Vorschriften überhaupt zu verstehen.

Umfrage
Finden Sie es sinnvoll, dass das Putzpersonal besser ausgebildet werden soll?
78 %
15 %
7 %
Insgesamt 1082 Teilnehmer

Mit einer grossen Bildungsoffensive möchte die Reinigungsbranche diese Situation nun verbessern. Unter dem Motto «Reine Profis» präsentierten Vertreter von Arbeitgebern und -nehmern am Donnerstag ein Massnahmenpaket, das die Fähigkeiten des Putzpersonals verbessern soll. Dazu sollen im Rahmen des neuen Gesamtarbeitsvertrags, der voraussichtlich 2018 in Kraft tritt, alle ungelernten Arbeitskräfte zu bezahlten Weiterbildungen motiviert werden.

Kurse à 60 Stunden

Jeder Angestellte soll dabei Kurse einer Dauer von 60 Stunden (80 Lektionen) absolvieren – während der offiziellen Arbeitszeit. Für eine Teilnahme an den Weiterbildungen müssen die potenziellen Kursteilnehmer allerdings erst nachweisen, dass sie die deutsche Sprache auf dem Niveau A2 nach internationalem Referenzrahmen (fortgeschrittene Anfänger) beherrschen. Wer noch sprachliche Lücken aufweist, kann in der Freizeit aber einen dreimonatigen, bezahlten Deutschkurs besuchen, der ihn für die entsprechenden Weiterbildungen fit machen sollte.

Wie wichtig gerade die Deutschkenntnisse sind, betonte im Rahmen der Pressekonferenz in Zürich Reinigungsunternehmer Stefan Honegger: «In unserer Firma beschäftigen wir Menschen aus über 100 Ländern.» Nebst Deutsch seien bei den Angestellten Sprachen wie Albanisch, Portugiesisch, Tamil oder Serbisch und Italienisch sehr verbreitet. Damit diese Vielsprachigkeit nicht zu Problemen führe, sei es auch aus Sicht der Unternehmen sehr lohnend, ihre Angestellten zum Erwerb besserer Deutschkenntnisse zu motivieren.

Mehr Geld fürs Personal

Auch dem Personal bringen die Kurse einen direkten Nutzen. Laut neuem Gesamtarbeitsvertrag steigt der Stundenlohn eines Angestellten um einen Franken, wenn die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen wurde. Im neuen GAV beträgt der Mindestlohn für ungelernte Angestellte 18.80 Franken pro Stunde.

Auch für die Kunden der Reinigungsunternehmen soll sich das neue Weiterbildungsmodell lohnen, ergänzt Jürg Brechbühl, Zentralpräsident des Verbands der Reinigungsunternehmen Allpura (siehe Video): «Viele Reinigungsfachkräfte kommen ungelernt zu uns.» Mit den Weiterbildungen könne man Kunden erst garantieren, dass die Reinigung nach professionellen Standards durchgeführt werde.

Die Gewerkschaft Syna rechnet damit, dass aufgrund der neuen Regelung die Anzahl an Weiterbildungstagen in der Deutschschweiz im Vergleich zu 2016 um etwa 30 Prozent zunehmen wird. Zum genauen Inhalt der Kurse erklärt Rita Schiavi von der Gewerkschaft Unia, dass das Themenspektrum vielfältig sei. «Es reicht von Basiskenntnissen in der Reinigung und Wissen zu nicht alltäglichen Reinigungsmethoden über Spezialwissen wie Reinigung von Sanitäranlagen bis hin zur Arbeitssicherheit.»

(kwo)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 07.04.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal bei den Managern beginnen 

    Es sollten mal lieber unsere super Manager, die teilweise bis gar kein Deutsch sprechen unsere Sprache welche wir in Zürich sprechen lernen. Lauf ich teilweise durch Zürich hab ich das Gefühl irgendwo in London zu sein aber nicht in Zürich.

    einklappen einklappen
  • Peter Panther am 07.04.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz lernt Deutsch

    Es sind nicht nur das Reinigungspersonal, welches besser Deutsch lernen sollte. Tausende Menschen, welche in der Schweiz leben, beherrschen die Sprache nur ansatzweise. Hinzu kommt der Umstand, dass an den Schulen - betrifft alle Bildungsinstitute - mangelhafte Kenntnisse vermittelt werden.

    einklappen einklappen
  • 50Plus am 07.04.2017 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Alles recht und schön, allerdings...

    ...wenn ich ins Ausland gehe um zu arbeiten, dann bemühe ich mich doch selbst um die dort gesprochene Sprache. Ich gehöre einer Generation an, die in der Schule noch nicht zwingend Englisch hatte und genau diese Sprache musste ich mir aneignen, da ich längere Zeit im englischen Sprachraum tätig war. Es stand aber nie zur Debatte, während der Arbeitszeit einen Kurs zu belegen und mir alles finanzieren zu lassen. Ich erledigte das ganze während meiner Freizeit und aus dem eigenen Portemonnaie. Ich verstehe die heutige Welt irgendwie nicht mehr - die kommen doch alle freiwillig hierher, oder?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • SJthecat am 10.04.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht die Putzfrau...

    ...sondern die Leute, die im Job mit Menschen zu tun haben, zB Serviceangestellte. hab schon öfters das falsche bekommen, weil man mich nicht verstanden hatte

  • sylvia am 10.04.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    warum?

    Wieso sollen sie das nicht aus eigenem Antrieb lernen? Wieso sollen das andere bezahlen? Wer in der Schweiz arbeiten will muss halt leider die Sprache lernen wie wir alle es in einem anderen Land mit deren Sprache auch müssten. Will ich einen Job der EDV-Kenntnisse voraussetz bezahlt mir auch niemand einen Kurs un das zu lernen!

  • Martial2 am 10.04.2017 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur deutsch lernen...

    Besser Deutsch verstehen ist Eins...Aber wichtiger ist die Handhabung von solchen Geräte: Man muss diese Leute instruieren, mit Praxis, vorzeigen, demonstrieren. Das bleibt einen besser im Hinterkopf als nur Theorie in deutscher Sprache. Wenn wir fahren lernen, müssen wir die Praxis mit fahren üben und nicht nur die Theoriesäle besuchen!!

  • Heini am 10.04.2017 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprache

    Wäre doch schön,wenn die Reinigungskraft ins Büro kommt, wenn wir studierten noch im Büro sind und wir könnten miteinander, ein paar Worte reden miteinander.Oder?

  • Nick Nievergelt am 10.04.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Also meiner Erfahrung nach ...

    Wenn man so zum Beispiel bei den Engländern hier nachschaut, können die meisten selbst nach Jahren gar kein Deutsch oder Schweizerdeutsch. Sie verbringen ihre Freizeit ausschliesslich mit Ihresgleichen in englischen Pubs unter sich. Kein Mensch hat je von denen verlangt, dass sie Deutsch lernen und die 'bedienen' zum Teil wichtigeres als Putzmaschinen. Von Führungskräften der grossen Firmen ganz zu schweigen. Wenn schon Regeln, dann bitte für alle und nicht nur für die 'Kleinen'