Patrik Gisel

04. März 2018 01:51; Akt: 04.03.2018 05:13 Print

Raiffeisen-Chef wusste von Vincenz' Geschäften

Während Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in Untersuchungshaft sitzt, distanziert sich sein Nachfolger von ihm.

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Patrik Gisel sagte am Freitag, er sei «erschüttert» über die Geheimgeschäfte seines Vorgängers, Pierin Vincenz. Dokumente, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, zeigen nun aber: Der aktuelle Raiffeisen-Chef Gisel war über einen Teil von Vincenz’ Doppeldeals im Bild – und intervenierte nicht.

Zweimal gab es Alarmsignale, das erste Mal bereits 2009: Der Kreditkartendienstleister Aduno, an dem Raiffeisen beteiligt ist, hatte die Zahlterminal-Firma Commtrain übernommen. Vincenz und Partner hatten heimlich für 1,5 Millionen Franken die Aktienmehrheit an Commtrain gekauft – und verdienten so am Verkauf mit. Der Kaufpreis betrug rund 7 Millionen. Als Gerüchte um den Deal aufkamen, schrieb der Aktienrechtler Peter Forstmoser zuhanden von Raiffeisen ein Gutachten. Er hielt fest, Vincenz habe zwar nicht das Gesetz gebrochen, sei aber auf beiden Seiten des Verhandlungstisches gesessen. Raiffeisen gibt zu: «Wir halten fest, dass Patrik Gisel 2009 Kenntnis von der Existenz dieser Gutachten hatte.»

Der zweite Alarm: Der Finanzblog «Inside Paradeplatz» enthüllte im Sommer 2016 Vincenz’ verdeckte Commtrain-Zahlungen. Pascal Niquille, Chef der Zuger Kantonalbank und damals Vizepräsident von Aduno, untersuchte die Vorwürfe, sprach sich mit Gisel ab und hatte dabei auch Einsicht in das Forstmoser-Gutachten.

Raiffeisen handelte erst nach der Verhaftung

An einer Sitzung des Aduno-Verwaltungsrats am 5. Dezember 2016 empfahl Niquille dem Gremium ausdrücklich, keine weiteren Abklärungen vorzunehmen. Er und seine Gesprächspartner, darunter Patrik Gisel, hätten weitere Abklärungen als unnötig und die Angelegenheit damit als «erledigt» erachtet. Dies, obwohl Niquille und Gisel bewusst war, dass verschiedene Aspekte der Transaktion nicht geklärt worden waren – auch weil sich die dazu nötigen Personen und Dokumente nicht in ihrem Einflussbereich befanden.

Erst ein Jahr später, als Ermittlungen der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht in der Sache bekannt wurden, setzte Aduno unabhängige Anwälte ein. Diese empfahlen, Vincenz anzuzeigen. Raiffeisen handelte erst nach dessen Verhaftung.

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 04.03.2018 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... genug aber doch mehr mehr mehr !!

    Es ist schon unglaublich! Sie verdienen unverschämt und wollen noch und noch und noch mehr!!! :-(((

  • giorgio1954 am 04.03.2018 05:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Gilt offenbar auch hier. So wie es aussieht, sehen wir nur die Spitze des Eisbergs. Unglaublich, das Verhalten der Management Crew.

  • RBiz am 04.03.2018 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung

    war doch zu erwarten. Säuhäfeli, Säudeckeli.

Die neusten Leser-Kommentare

  • gloria derungs am 06.03.2018 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es kommt noch schlimmer, wetten?

    ich sags immer wieder, das sind alles nur verbrecher. wer von einer straftat weiss, muss das der polizei melden. gisel ist schuldig, auch wenn wie immer bla bla bla die unschuldsvermutung gilt. er muss weg und auch hart bestraft werden: jeden tag 10x die ethikverpflichtung der bank durchlesen.

  • Hunrod am 04.03.2018 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz

    Wer gegen das Gesetz verstößt gehört bestraft. Da nützt hoffentlich auch das viele Geld nichts.

  • Waterpolo1s am 04.03.2018 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... genug aber doch mehr mehr mehr !!

    Es ist schon unglaublich! Sie verdienen unverschämt und wollen noch und noch und noch mehr!!! :-(((

  • RBiz am 04.03.2018 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung

    war doch zu erwarten. Säuhäfeli, Säudeckeli.

  • Guy Fawkes am 04.03.2018 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterirdisch

    Wenn das so ist, dann war das Verhalten von Gisel am Freitag das Allerletzte. Vincenz alles anhängen und dabei selber Dreck am Stecken haben und über alles informiert gewesen sein...sofort weg, aber unbedingt ohne Entschädigung und goldenen Fallschirm!