Dank Pausen

13. September 2012 21:37; Akt: 14.09.2012 10:55 Print

Raucher arbeiten besserRaucher arbeiten besser

von Elisabeth Rizzi - Nun ist es wissenschaftlich bewiesen: Raucher sind trotz – oder gerade wegen – ihrer Zigaretten-Pausen produktiver als ihre nichtrauchenden Arbeitskollegen.

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Raucher machen öfter kürzere Pausen beim Arbeiten. Deshalb tolerieren sie höhere Belastungen. (Bild: Keystone)

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Haben Sie auch schon über Ihre faulen Raucher-Kollegen gewettert, die dauernd draussen vor dem Aschenbecher herumlungern, statt zu arbeiten? Das war vielleicht ein Fehler. Eine neue Studie - nein, nicht der Tabakindustrie, sondern der Universität Zürich - zeigt nämlich, dass Raucher am Arbeitsplatz produktiver sind als ihre vermeintlich fleissigen Nichtraucher-Kollegen.

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Laut der Ökonomin Chloé Michel wächst zum einen die Lohntüte der Raucher schneller. Zum anderen werden sie auch eher befördert. Die Wissenschaftlerin untersuchte über mehrere Jahre die Daten von Rauchern und Nichtrauchern in Grossbritannien. Raucher, die zwei bis drei zusätzliche Pausen machten, schnitten dabei am besten ab.

«Kurzpausen fördern Produktivität»

Für Norbert Semmer, Professor für Arbeitspsychologie an der Uni Bern, ist das Ergebnis weder überraschend, noch ein ausschliesslich britisches Phänomen. «Es ist schwierig, den Arbeitgebern das zu vermitteln. Aber vor allem Kurzpausen fördern die Produktivität», sagt er. Das sei wissenschaftlich gut nachgewiesen.

Der Grund: Die Müdigkeit beim Arbeiten steigt nicht-linear an. Wer sie frühzeitig mit Erholungsmassnahmen bekämpft, profitiert deshalb mehr. «Schon wenige Minuten pro Stunde sind nützlich», so Semmer. Denn wer seinen Beanspruchungs- und Erholungszyklus ständig ausgleiche, könne eine höhere Arbeitsbelastung tolerieren, ohne Schaden zu nehmen.

Das will Semmer allerdings nicht als Ansporn zum Rauchen verstanden wissen. Denn zum Glimmstängel zu greifen, sei für die Gesundheit nicht gut. So melden sich Raucher im Durchschnitt fast doppelt so viele Tage (6,16) pro Jahr krank wie Nichtraucher (3,86). Zudem zeigte sich in Michels Untersuchung, dass der positive Produktivitätseffekt verfliegt, wenn Kettenraucher wegen ihrer Sucht dauernd von ihrer Arbeit abgelenkt werden.

Für Semmer ist darum klar: «Man müsste eine allgemeine Arbeitskultur einführen, die Pausen akzeptiert – auch bei Nichtrauchern.» Dazu zählten Kurzpausen genauso wie Powernaps. Das durchzubringen, sei jedoch schwierig. «Viele, auch Führungskräfte, können sich schlicht nicht vorstellen, dass Nichtarbeiten die Produktivität steigert», beobachtet der Experte. Nicht selten sind in Krisenzeiten deshalb Pausen die ersten Opfer.

Chefs als Vorbilder

Immerhin scheint ein Umdenken stattzufinden. Während man sich bei der Lungenliga nicht für dieses Themengebiet zuständig fühlt, plant der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse nach dem Scheitern seiner Ferien-Initiative eine Pausen-Offensive. Denn das Arbeitsgesetz sieht heute bei Arbeitstagen zwischen sieben und neun Stunden bloss eine halbe Stunde Pause zwingend vor.

«Derzeit laufen bei uns Abklärungen, wie man mehr Pausen im Arbeitsalltag sinnvoll im Gesetz verankern kann», so Präsident Martin Flügel. Das Problem sei allerdings, dass Pausen stark von den konkreten Arbeitsabläufen abhängen und somit weitaus komplizierter zu definieren seien als Ferien.

So bleibt denn vorderhand der Semmer'sche Vorschlag, der am schnellsten umsetzbare: «Die Chefs müssen ganz einfach selbst vorleben, dass man für gute Leistungen nicht pausenlos arbeiten muss.» Der Professor macht es seinen Mitarbeitenden vor – und hält täglich einen Powernap in seinem Institut.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich arbeite in der Schweiz in einem Grosskonzern. Im Detailhandel. Solche "Mehr-Pausen", mache ich auch aufgrund der Zigaretten... Als Raucher, wird man schon oft, ziemlich "genervt" angeschaut... "typisch, wie viele Pausen DIE machen". Mein Chef ist mit meiner Arbeitsqualität und -quantität jedoch sehr zufrieden... Daher finde ich diese "Mehrpausen" sehr sinnvoll, da sie wirklich neuen Elan, für die Arbeit mitsichbringen! - mit oder ohne Zigarette! Super, wenn dies irgendwann mal, so funktionieren könnte... – Kina

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  • riomare am 14.09.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    ja endlich mal----

    habe schon lange auf so eine studie gewartet;-) ich bin auch raucher und gehe regelmässig eins rauchen und ja meine Bosse sind sehr zufrieden mit meiner arbeitsleistung. und ja bei uns im Team sind die Raucher die die produktiver sind. wir sehen es jeden tag anhand einer liste der einzelnen mitarbeiter:-)

  • Christian Zahnd am 14.09.2012 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ausstempeln

    da wir zum Rauchen Ausstempeln sagt auch niemand was gegen uns Raucher! Komischerweise müssen quatschende Nichtraucher und 20min WC Hocker nicht Ausstempeln!!

  • ZH01 am 14.09.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    NR keine Pausen zugut? Witz!

    Ich denke auch, dass es allen gut tun würde zwischendurch mal 5-10 Minuten raus zu gehen (auch ohne zu rauchen). Oft höre ich von Nichtrauchern, dass es gemein sei das Raucher Pausen machen und Nichtraucher nicht. Das stimmt aber nicht. Meistens verzichten Nichtraucher explizit auf Pausen, damit sie entweder früher gehen können (obwohl das unlogisch und nicht erlaubt ist) oder weil sie mit der Pausenzeit nichts anzufangen wissen. Na dann, selber Schuld! Jeder Arbeitnehmer hat ein Anrecht auf Pausen. Man muss ja als NR nicht beim Aschenbecher stehen:)

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