Falsches Signal

24. April 2018 18:20; Akt: 24.04.2018 21:31 Print

Raiffeisen-Lohnsprung sorgt für Kopfschütteln

von Dominic Benz - Trotz Turbulenzen belohnt sich die Bank mit höheren Salären – und räumt ein unglückliches Timing ein.

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Die Raiffeisenbank kommuniziert höhere Löhne für das Management. Der Verwaltungsrat der Raiffeisen Schweiz hat im Geschäftsjahr 2017 eine Gesamtentschädigung von 2,41 Millionen Franken bezogen. Das sind 43,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Experten stösst die Kommunikation eines Lohnsprungs auf Unverständnis – steckt Raiffeisen doch in einer Krise. «Das Timing ist denkbar ungünstig und völlig unsensibel», sagt Bernhard Bauhofer, Experte für Unternehmensreputation und Gründer von Sparring Partners. Neben der Affäre Vincenz kratzt auch eine peinliche Panne am Image der Bank: 114 Kunden haben von ihrer Raiffeisenbank falsche Kontoauszüge erhalten. Der Fehler liegt beim Dienstleister Trendcommerce. «Raiffeisen Schweiz hat Strafanzeige eingereicht, da es sich beim Vorfall um eine Verletzung des Bankkundengeheimnisses handelt», teilt die Bank mit. Die Bank kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Pierin Vincenz wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Der ehemalige Chef der Raiffeisen ist seit Ende Februar in Gewahrsam. Der Churer war von 1996 bis 2015 bei der Raiffeisen tätig. Am 2. März wurde die Untersuchungshaft gegen Vincenz verhängt. Während der Haft des ehemaligen Raiffeisen-CEO hat sich Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm vorzeitig verabschiedet. Johannes Rüegg-Stürm sass ab 2008 im Verwaltungsrat. Seit 2011 präsidierte er den Verwaltungsrat im 50-Prozent-Pensum – bis zum sofortigen Rücktritt am 8. März. Offenbar soll er über die Geschäfte seines Vorgängers im Bilde gewesen sein: Patrik Gisel, CEO Raiffeisen Gruppe. (2. März 2018)

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Die Raiffeisenbank steckt in der Krise. Nicht nur die Affäre rund um den Ex-CEO Pierin Vincenz ramponiert das Image der Raiffeisenbank. Hinzu gekommen ist ein peinlicher Patzer: Vor ein paar Tagen verschickte das Institut falsche Kontoauszüge an über hundert Kunden.

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Die Turbulenzen halten die Bank nicht davon ab, höhere Löhne zu kommunizieren. Während der Verwaltungsrat im letzten Jahr über vierzig Prozent mehr kassierte, bezog der aktuelle Raiffeisen-Chef Patrik Gisel einen Lohn in der Höhe von 1'813‘187 Franken. 2016 betrug sein Salär 1'773'811 Franken. Den Lohnsprung rechtfertigt die Bank mit zwei zusätzlichen Verwaltungsratsmitgliedern, gestiegenem Aufwand und der höheren Komplexität als systemrelevante Bank.

«Völlig unsensibel»

Experten sind sich aber einig: Angesichts der Krise ist die Kommunikation der Lohnerhöhung ein Fehler. «Das Timing ist denkbar ungünstig und völlig unsensibel», sagt auf Anfrage Bernhard Bauhofer, Experte für Unternehmensreputation und Gründer von Sparring Partners. Auch wenn die Geschäftszahlen gut seien – die Bank berücksichtige zu wenig, was rundherum passiere. «Dem Management geht es offenbar nicht um das Wohl der Kunden und Genossenschafter, sondern um die eigenen Belange», so Bauhofer.

Er betont die Wichtigkeit einer guten Kommunikation in Krisenzeiten. «Da braucht es viel Sensibilität.» Es gehe um die Wiederherstellung des Vertrauens. Blosse Lippenbekenntnisse reichten nicht. Bei der Raiffeisen brauche es daher einen Kulturwandel und kritische Geister im Verwaltungsrat. «Ansonsten ist die nächste Krise vorprogrammiert», so Bauhofer.

«In der Tat ein unglücklicher Zeitpunkt»

Ein Reputations-Experte, der anonym bleiben will, geht mit der Raiffeisen ebenfalls hart ins Gericht. «Die Lohnerhöhung ist ein komplett falsches Signal», sagt er. Das stosse auf völliges Unverständnis. Man könne nicht nur den Geschäftsgang berücksichtigen, sondern müsse das gesamte Bild von aussen betrachten. Und da gehörten der Fall Vincenz oder falsch versendete Kontoauszüge dazu. Der Verwaltungsrat hätte beim Lohn ein Zeichen setzen können. Doch das habe man verpasst, so der Experte. «Die Lohnrunde ist ein erster Patzer des interimistisch eingesetzten Präsidenten Pascal Gantenbein.»

Die Raiffeisenbank selber gibt sich einsichtig. «Das ist in der Tat ein unglücklicher Zeitpunkt. Dass die Publikation der Entschädigungen im aktuellen Umfeld auf Unverständnis stösst, ist nachvollziehbar», sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten. Allerdings habe man die Anpassung der Vergütung bereits 2016 beschlossen. Die Saläre des Verwaltungsrats publiziere man jeweils im Rahmen des Geschäftsberichts.

Wütende Kunden

Mittlerweile melden sich wütende Kunden wegen des Lohnsprungs und der falschen Kontoauszüge bei der Raiffeisen. «Es gibt Reaktionen von Kundinnen und Kunden», bestätigt die Sprecherin. Auf einzelne Rückmeldungen wolle man aber nicht eingehen. «Die sind vertraulich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pitsch am 24.04.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Robin Hood

    Bei mir löst das kein Kopfschütteln aus. Seit Jahren sehe ich ein umgekehrtes Robin Hood Prinzip. Man nimmts den armen und gibts den reichen. Das ist num mal der heutige Kapitalismus.

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  • MuRo am 24.04.2018 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besser

    Als jede andere Grossbank

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  • Markuss 1855 am 24.04.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Vollgeld

    Ein Grund mehr die Vollgeld initiative anzunehmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • LLLL am 28.04.2018 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts mehr

    Zum Glück habe ich nichts mehr mit dieser Bank zu tun. Schon vor Jahren alles gekündigt. Fahre mit meiner Regionalbank am besten und bin ausserordentlich zufrieden. Habe einen grossen Teil meines bescheidenen Vermögens für 2% angelegt. Grossbanken sind bei mir sowieso ein schwarzes Tuch.

  • Rolf Oehen am 27.04.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Feiglinge und schwach!

    Schon wieder eine Swiss(air)-Schmach widerlichster Ruchlosigkeit! Notabene nach demselben Strickmuster: Unnütze, schwache u. dann noch feige Verwaltungsräte, welche, wenns Schiff in Schieflage gerät noch schnell den letzten Bonus abkassieren, um dann woanders wieder anzuheuern... Wirtschaftskapitäne? Schon eher Pleiten-Kapitäne à la Francesco Schettino aus Neapel, welcher auf dieselbe feige Tour bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vor der Insel Giglio das Schiff an die Wand fuhr und davon schlich...

    • PeteW am 28.04.2018 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Oehen

      Was schreiben Sie da nur! Der Raiffeisen geht es blendend und die Raiffeisen hat keine Krise. Ja Hr Vinzenz hat eine, ist aber seit geraumer Zeit nicht mehr bei uns.

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  • Maya Meier am 26.04.2018 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist euch bewusst...

    ...dass ein Verwaltungsrat ca. 4-5 Tage investieren muss, um an der Verwaltungsratssitzung teilzunehmen und dass er/sie dafür das Geld bekommt? Allenfalls lesen sie sich noch ein, ein paar Tage vorher. Thats it! Da rechtfertigt für mich die hohe Verantwortung die sie tragen nicht!

  • Beat am 25.04.2018 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Raiffeisen ist trotz allem immer noch Top. Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein....

  • Willy N am 25.04.2018 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute Konti gekündigt

    Habe heute meine sämtlichen Konti gekündigt. So geht es nicht.

    • Renter am 26.04.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      Wohin ?

      Und welches Finanzinstitut, welches absolut sauber ist, können Sie mir mit gutem Gewissen empfehlen? Bin dankbar für ihren Typ, damit ich auch wechseln kann.

    • Poltergeist am 28.04.2018 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Willy N

      Habe ich auch gemacht. Ist nun alles bei der DeutschenBank. Die haben moch Ethik und Verstand!

    • Neumann am 10.05.2018 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Renter

      Empfehle Ihre Matraze. Oder meine geht auch.

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