4 Millionen Entschädigung

05. Februar 2015 11:25; Akt: 05.02.2015 11:46 Print

Richter weist Klage gegen Swissair-Chefs ab

Das Handelsgericht Zürich hat eine Klage gegen 20 frühere Swissair-Manager abgewiesen. Mit dem Kauf der Air Littoral hätten die Manager ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt.

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Im Oktober 2001 wurde die Swissair gegroundet. Und noch immer ist der Zusammenbruch der Schweizer Airline ein Fall für die Justiz. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Auch fast 14 Jahre nach dem Grounding beschäftigt der Zusammenbruch der Swissair noch immer die Justiz. Der Liquidator der SAir Group wollte die ehemalige Führungsriege der Swissair wegen der Beteiligung an der Fluggesellschaft Air Littoral zur Verantwortung ziehen. Ohne Erfolg: Das Handelsgericht wies seine Klage ab.

Im September 1998 wurde die Akquisition besiegelt: Die Swissair zahlte 124 Millionen Franken für die französische Regionalfluggesellschaft Air Littoral. Die Führungsriege der Swissair wollte sie als Zulieferer am Drehkreuz Zürich nutzen.

Klage wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht

Für Karl Wüthrich, den heutigen Liquidator der SAir Group AG, ist klar, dass die Konzernspitze damit ihre Sorgfaltspflicht verletzte. Die Air Littoral sei ein «wertloses Sanierungsobjekt» gewesen. Die Führungsriege habe mit diesem Kauf die damalige Swissair geschädigt.

Er verklagte 18 Verwaltungsräte und zwei Konzernleitungsmitglieder wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht, weil sie den Kauf nicht sorgfältig geprüft hätten. Das Zürcher Handelsgericht teilt seine Ansicht aber nicht, wie aus dem Urteil hervorgeht, über das am Donnerstag auch der «Blick» berichtet.

«Nicht ohne Risiko», aber vertretbar

Der Kauf sei zwar «eher teuer» und «nicht ohne Risiko» gewesen, schreibt das Gericht in seinem 100-seitigen Urteil. Es bezeichnet die Akquisition aber als vertretbar und plausibel. Der Ausbau der Position im französischen Markt habe grundsätzlich dem eingeschlagenen Weg der Swissair entsprochen.

Den Beklagten könne somit keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen werden, weshalb die Klage abzuweisen sei. Die ehemalige Swissair-Konzernspitze erhält nun je rund 200'000 Franken aus der Staatskasse, als Entschädigung für den Anwalt.

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Wüthrich, der Liquidator der SAir Group AG, kann das Urteil noch ans Bundesgericht weiterziehen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kein ersatz am 05.02.2015 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlust

    Die ganze obere Etage der Swissair ist unantastbar und ist für das Grounding nicht verantwortlich. Ich frage mich dann, für was sie überhaupt eine Verantwortung trugen? Dass ihre Taschen immer gut gefüllt waren? So ein Deasater wie der Verlust der Swissair hat hat mich in meinem Leben am meisten betroffen gemacht!

  • Papagei am 05.02.2015 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Handelsgericht abschaffen

    Glaubt wirklich jemand dass das Handelsgericht "Recht" spricht. Das ganze Konstrukt ist nur zu Gunsten der Firmen bzw. gewisser Berufsgruppen. Am Besten abschaffen und an die normalen Geriche delegieren.

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  • Hope am 05.02.2015 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaube lieber an die Märchen der Gebrüder Grimm

    Hat wirklich jemand das Gefühl, dass irgend eine Person am Swissair-Debakel schuldig gesprochen wird. Das selbe gilt auch beim Untergang des Erb-Imperiums. Im Gegenteil sie erhalten noch eine saftige Abfindung! Den Märchen der Gebrüder Grimm, vertäue ich eher!

Die neusten Leser-Kommentare

  • winglet55 am 05.02.2015 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Dummheit, Ignoranz, Überheblichkeit und Selbstüberschätzung sind halt leider kein strafrechtlich relevantes Delikt. Aber offensichtlich lohnenswert!

    • annamaria am 05.02.2015 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      na ja,

      na ja, gleichwr Meinung, wk ist die Gerechtigkeit.Glaube leider schon lange nicht mehr daran.Schade ist dass ich meinem Enkel etwas anderes beibringen muss, sokkte wenigstens bei den kleinen noch die Chance bestehen an die Gerechtigkeit zu glauben.

    • Chris V am 05.02.2015 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Alles klar

      Alles klar, war alles nur Juristenfutter und jetzt werden die Verantworlichen noch belohnt für den Grössenwahn seinerzeit. Wer hätte das anders erwartet?

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  • Enteiser am 05.02.2015 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher

    Das wahr schon vor Jahren absehbar. Dachte jemand das der ehemalige Verwaltungsrat oder irgend ein Manager zur Rechenschaft gezogen wird? Wir sind in der Schweiz, hier hackt keine Krähe einer anderen das Auge aus.

    • annamaria am 05.02.2015 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      enteiser

      wie Recht haben sie x mal schon mit solchen Sachen konfrontiert.

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  • Thomy am 05.02.2015 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Sollten nicht zu hart ins Gericht gehen

    mit der ehemaligen Swissair-Chefetage. Schliesslich braucht es solche idealistischen Hobbywirtschaftskapitäne, welche in der Freizeit Frondienst leisten. Sehr wahrscheinlich war es eh die Putzfrau, welche beim Abstauben der ComputerTastatur, zufällig auf "Kaufen" gedrückt hat. Da müsste man mal ansetzen und das Raumpflegepersonal besser schulen..

    • Steff am 05.02.2015 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Yeesss!

      Du siehst das genau richtig, die sollen mal auf die echten verantwortlichen los! Es wird bestimmt heissen, die putzfrau hätte nur ihren job gemacht. Sie haben meinen tag gerettet!:)

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  • Susi am 05.02.2015 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Löhne

    Die hohen Mangerlöhne seien durch die hohe Verantwortung gut zu heissen - wurde mir mal gesagt. Hm? Oder weil das obere Kader clever genug ist, sich abzusichern, egal, wie unfähig sie sind? Das ist ein Schlag in's Gesicht für jeden Mitarbeiter der Swissair, welche damals von heute auf morgen den Job verloren haben. Die kriegten keine Abfindung, und waren auch nicht schuld am Grounding.

  • Studiosus am 05.02.2015 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat, dem wird gegeben

    Da werden aus Steuergeldern sage und schreibe 4 Millionen denen gegeben, die die Öffentlichkeit schon mehrere Milliarden gekostet haben. Und es sind weder Ausländer, noch hat es etwas mit der EU zu tun. 20 Personen haben die Allgemeinheit mehr als alle Sozialhilfebezieher der Schweiz zusammen gekostet! Man sehe sich einmal die Verhältnisse an!!!