Abzock-Falle

24. Oktober 2017 10:14; Akt: 24.10.2017 10:30 Print

Rückruf nach Tunesien kostet 499 Franken

von S. Spaeth - Für höchstens eine halbe Minute hat eine Sunrise-Kundin eine Nummer aus Tunesien zurückgerufen. Auf ihrer Rechnung wird hingegen ein Gespräch von 5 Stunden verrechnet.

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Teure Rechnung: Die Sunrise-Kundin hat auf eine Mobilfunknummer in Tunesien zurückgerufen. Die Kundin sagt, sie habe das Gespräch nach 30 Sekunden wieder beendet. Laut Sunrise hat die Verbindung aber tatsächlich über fünf Stunden gedauert, wie Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold sagt. Es handle sich also nicht um spezielle Kosten der ausländischen Ping-Call-Nummer. Es sei der Standardtarif von 1.60 Franken pro Minute verrechnet worden. Viele Schweizer erhalten derzeit mysteriöse Anrufe aus dem Ausland. Die Masche: Ping Calls. Das Ziel der Betrüger aus Afrika ist, einen Rückruf zu erzwingen. Meist kommen die Anrufe aus Tunesien und haben die Vorwahl +216. Dabei handelt es sich um betrügerische Anrufe:«Ein Anruf kostet schnell 50 bis 100 Franken, auch wenn kein Gespräch stattfindet oder man gleich wieder auflegt», sagt Jean-Claude Frick, Telecom-Experte beim Vergleichsportal Comparis. Jan Ramseyer, Projektleiter beim Schweizerischen Konsumentenforum, empfiehlt ebenfalls, nicht zurückzurufen: «Nummern sollten vor einem Rückruf immer kurz online geprüft werden. Zudem können sie auf dem eigenen Handy oder auch über den Mobilfunkanbieter gesperrt werden.» Die Betrüger lassen sich leider kaum erwischen. «Die Chance ist gleich null», sagt Ralf Beyeler von der Vergleichsplattform Verivox. Spuren könnten kaum zurückverfolgt werden. Bei der Swisscom kennt man die Masche. Das Unternehmen empfiehlt, unbekannte ausländische Nummern nicht zurückzurufen. Einen effizienten Handy-Filter, der betrügerische Anrufe abfangen kann, hat die Swisscom nicht. «In Zukunft» soll es aber einen für unerwünschte Werbung geben, teilt die Swisscom mit. Auch Sunrise hinkt in Sachen Filter auf dem Handy hinterher. Man sei aber daran, mögliche Lösungen für Filter zu evaluieren, heisst es beim Telefonanbieter.

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Eine Welle rätselhafter Anrufe aus Tunesien erreicht derzeit Schweizer Handybesitzer. Wer zurückruft, kann schon mal massiv zur Kasse gebeten werden. 20 Minuten ist in den Besitz einer Rechnung von Sunrise-Kundin R. K.* gelangt, bei der ein Ping Call eine bedeutende Rolle spielt. Der 71-jährigen R. K. wurden für einen Rückruf nach Afrika 499 Franken und 20 Rappen verrechnet.

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Haben Sie auch schon betrügerische Anrufe aus Tunesien erhalten?

Auf der Rechnung ist als gewählte Nummer der Anschluss 0021 698 06 15 42 geführt – eine tunesische Mobilfunknummer. Als Anrufdauer weist Sunrise 5 Stunden, 11 Minuten und 55 Sekunden aus. Verrechnet wurde der Tarif für die Ländergruppe 4, der 1.60 Rappen pro Minute beträgt. Zu 20 Minuten sagt die betroffene Kundin: «Der Anruf hat höchstens 30 Sekunden gedauert. Als ich gemerkt habe, dass es sich um ein Callcenter handelt, habe ich aufgelegt.» K. erhält normalerweise eine Rechnung von 90 Franken im Monat – für Mobilfunk, Festnetz und Internet.

«Die Verbindung ist nicht getrennt worden»

Verärgert über die hohe Rechnung für den Monat September, hat sich die Zürcherin an Sunrise gewendet. «Ich war enorm wütend», so K. Das Personal habe versprochen, der Sache auf den Grund zu gehen. Zwei Tage später habe sie den erlösenden Anruf von Sunrise erhalten. «Die Firma teilte mir mit, dass die Rechnung storniert werde.»

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Sunrise, der Kundin die rund 500 Franken für den Anruf nach Tunesien zu erlassen. Die Verbindung habe aber laut den internen Aufzeichnungen tatsächlich über fünf Stunden betragen, sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold. Es handle sich also nicht um spezielle Kosten der ausländischen Ping-Call-Nummer, die eine normale Mobilfunknummer ist. Es sei der Standardtarif (1.60/Min.) verrechnet worden Im Fall von K. sei die Verbindung nicht getrennt worden.

Das kann laut Ziebold ein Software-Fehler beim Handy oder ein anderes Problem auf dem Kundentelefon oder eine Fehlmanipulation sein. «Wir zeigen uns in solchen Fällen kulant, wenn die Angaben des Kunden stimmig sind – beispielsweise, wenn nie sehr lange Gespräche ins entsprechende Land getätigt werden», sagt Ziebold.

Verbindung möglichst lange aufrecht erhalten

Laut Comparis-Telecomexperte Jean-Claude Frick kommt es ab und zu vor, dass sich Kunden wegen Gesprächen beschweren, die sie so gar nicht geführt haben wollen. «Das hängt aber oft auch mit Benutzerfehlern zusammen», so Frick. Besonders störend ist laut dem Experten im konkreten Fall, dass am Anfang ein Ping Call steht mit dem Versuch, einen möglichst langen Rückruf zu provozieren. «Hätte auf der anderen Seite nicht ein Callcenter, sondern ein richtiger Mensch gestanden, hätte dieser nach kurzer Zeit selber aufgelegt», so Frick. Schweizer Mobilfunkkunden sind laut dem Comparis-Experten vor Ping Calls noch immer mangelhaft geschützt, weil bisher die Filterfunktion fehlt.

«Es lohnt sich, jede Rechnung genau zu überprüfen. Es können sich Kosten einschleichen, die man sonst gar nicht bemerkt, sofern die Beträge eher klein sind», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Besonders ärgerlich ist laut SKS, dass die Schweizer Telecomfirmen bei den Werbefiltern nicht vorwärtsmachen. «Es ist mir ein Rätsel, weshalb das so lange dauert», sagt Stalder.

Werbefilter lassen auf sich warten

Swisscom will den schon vor Monaten angekündigten Filter für Mobile-Kunden bis Ende Jahr aufschalten. Bei Sunrise heisst es, man evaluiere eine Filterfunktion. Wann eine Einführung erfolgen könne, hänge aber auch vom Parlament ab. Wer die tunesische Rufnummer 0021 698 06 15 42 derzeit anruft, bekommt lediglich auf Arabisch und in Französisch zu hören, dass der Anschluss nicht in Betrieb sei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kanake am 24.10.2017 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Werbeanrufe, Abzocke etc.

    Bei unbekannten Nummern nicht herangehen und gut ist.

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  • Delta S. am 24.10.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Neu Gier

    Ja auch Neugier kann teuer sein.

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  • Anna am 24.10.2017 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm....

    Ich denke, man muss echt naiv sein, wenn man in der heutigen Zeit, wo dauernd über solche Betrugsmaschen berichtet wird, noch darauf reinfällt. Sorry, aber selbst schuld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beni Renard am 27.10.2017 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso bloss?

    Wieso bloss rufen die Leute bei ihnen unbekannten Nummern zurück? Wozu? Falls jemand etwas will ruft er nochmals an oder spricht auf den AB. Nicht zurückrufen = kein Ärger! Ganz einfach. Ein uralter Grundsatz, trotzdem bleiben viele bedatungsresistent. Unglaublich.

  • Andy Maeder am 26.10.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Drauf ankommen lassen

    Für sowas würde ich es vor Gericht drauf ankommen lassen, wenn die Telefongesellschaft die Rechnung nicht freiwillig storniert. Sobald Swisscom, Sunrise etc. flächendeckend auf den Kosten sitzen bleiben, werden die technischen Probleme, die im Moment die Einführung von Filtern verhindern, plötzlich ganz schnell gelöst sein, jede Wette.

    • G. Strabovski am 26.10.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

      Telefonanbieter muss handeln.

      Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Telefonanbieter sollten dies schon von anfang an nicht weiterverrechen. Da es aber immer noch naive Leute gibt verdienen sich Swisscom und Co. einen schönen Batzen dazu und schweigen. Telefonanbieter haben auch den Auftrag ihre Kunden zu schützen und nicht nur zu kassieren - wir bezahlen ja auch für etwas unsere Abogebühren!

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  • Vernuenftiger am 26.10.2017 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gehört verboten

    Werbeanrufe gehören sowieso verboten. Sie sind zu vergleichen mit dem Versenden von Spam-Mails, was ja auch verboten ist.

  • MW am 26.10.2017 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korruption

    Also bitte, Der Netzanbieter muss doch wissen wem er diese Auszahlungen tätigt. Ausgeschlossen, dass das in der heitigen Zeit nicht zurückverfolgt werden kann.

  • art trade & art space am 26.10.2017 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Telefonterror

    Im Moment ist es wieder ganz schlimm mi diesen Call Centern. Es sind nicht immer erkennbare Telefonnummern. ZB.kommen Anrufe mit ganz normalen inländischen Vorwahlen.062 / 044/ 056/ usw....Hat man ein Geschäft, ist man interessiert schnell zu reagieren, daher speichere ich jeden wirklichen Anruf eines Kunden.Immer wieder gewählte Nummern schreibe ich auf und frage beim Tekefonanbieter an, was oft auch zu nichts führt.Viele Scherizer Nummern werden vergeben, die ausländischen Callcentern gehören.Darum müssen wir es ertragen dass wir täglich mehr sls 10 Mal für nichts belästigt werde.Leider...

    • Kurt S am 26.10.2017 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Nr. Sperren

      Bei Swisscomm kann man die Nr. im Kunden Konto sperren habe fast keine Werbeanrufe mehr

    • Paul Trend am 26.10.2017 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Astersik

      Wer ein Geschäft hat sollte sich eine Astersik SIP Telefonalage instalieren. Die kann alles vom Filtern über blockieren, Aufzeichnen etc. Ist gratis das Installationsimage auf einem kleinen PC installieren et voila. Hab eich seit Jahren am Laufen. Kein Telefonterror mehr seit dem.

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