Vor Sotschi

20. Januar 2014 13:46; Akt: 20.01.2014 18:57 Print

Russische Bank wirbt in Davos mit Nazi-Spruch

«Heute Sotschi. Morgen die Welt»: Diese Schlagzeile prangt auf einem Plakat der Sberbank in Davos. Der Spruch erinnert stark an eine Zeile eines Nazi-Lieds.

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Plakat in Davos: Marketing-Fettnapf. (Bild: Lioudmila Clot)

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Die Sberbank will in Davos die ganz wichtigen potenziellen Kunden auf sich aufmerksam machen. Das dürfte der Bank gelungen sein. Doch nicht unbedingt aus den Gründen, die das russische Institut sich gewünscht hat. «Sochi today. The world tomorrow», prangt auf den Plakaten, die in Davos auf dem Postgebäude gerade vor dem Bahnhof Davos-Platz an der Promenade im Zentrum hängen. Übersetzt: «Heute Sotschi. Morgen die Welt».

Die Botschaft erinnert stark an eine Liedzeile des Nazi-Lyrikers Hans Baumann. «Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt», heisst es in dem Lied mit dem makabren Titel «Es zittern die morschen Knochen» aus dem Jahr 1932. Das Lied wurde zum Pflichtlied des Reichsarbeitsdienstes, und auch die Hitlerjugend und zahlreiche andere Organisationen des Dritten Reichs bedienten sich des Textes häufig. Von der Sberbank heisst es, der Slogan sei in keiner Weise so gemeint. Eigentlich gehe es noch weiter: «We see the bigger picture» Damit wolle man zeigen, dass sowohl Sochi als auch die Olympischen Spiele insgesamt Aufmerksamkeit verdienen.

Nicht allein in der Nazi-Falle

Dass den Werbern der russischen Bank bewusst war, in welches Fettnäpfchen sie treten, ist ohnehin unwahrscheinlich. Und allein sind sie mit dem Fauxpas auch nicht. So warb etwa die Therme Vals im Jahr 2012 in einem Schreiben mit dem Slogan «Kraft durch Freude». Unter diesem Motto hatten die Nationalsozialisten die Freizeitgestaltung der Bevölkerung organisiert.

Ein Spruch, der immer wieder Werber in die Bredouille bringt: Jedem das Seine. Diese Worte standen über dem Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. Dessen waren sich unter anderem Burger King, der Mineralölkonzern Esso oder der deutsche Detailhändler Rewe nicht bewusst. Sie alle mussten Kampagnen stoppen, die mit dem Spruch warben.

(laf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nuria am 20.01.2014 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Du meine Güte!!

    Es ist wahrlich traurig was im 2ten Weltkrieg passiert ist, doch unsere Generation hat keine Ahnung von diesem Lied!

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  • Ruedi M. am 20.01.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    locker sehen

    Wahrscheinlich haben die nazis auch diesen Spruch sowieso irgendwo geklaut oder in etwas abgeänderter Form präsentiert. Die Sprüche "Arbeit macht frei" und "Jedem das seine" haben auch nicht hitler und seine leute erfunden. Es kommt immer ein wenig drauf an in welchem Zusammenhang solche Sprüche fallen und wie man sie interpretiert.

  • Worte Sind am 20.01.2014 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gleich Worte 

    Jedem das seine. Haben sicher nicht die nazis erfunden. Nur weil es an einem Konzentrationslager geschrieben war ist es jetzt Tabu? Und das scheinbar auf der ganzen Welt. Wenn ich posts zu einem Thema hier nicht verstehe oder so, Dan schreibe ich meistens auch, jedem das seine. Und Wehr bitte stört sich an so einer Werbung, das die gleich gestoppt werden muss. Das ganze hat überhaupt kein Zusammenhang, diese Leute haben scheinbar ein grosses Trauma, und sollten sich lieber mal Hilfe besorgen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bangkoker am 21.01.2014 02:46 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist vorbei

    Können die mit dem Nazi-Vergleich nicht mal aufhören? Die jetzigen Generationen haben zum grössten Teil nichts mehr mit Hitler zu tun, also lasst und in Ruhe mit dieser Vergleicherei.

  • Luminoso am 20.01.2014 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann es auch übertreiben...

    Na ja - also bei dem Spruch in diesem Zusammenhang habe ich eher an typischen "Banker-Grössenwahn" gedacht als an eine Verbindung zum Nationalsozialismus - kommt mir irgendwie "zwanghaft und konstruiert" vor, in der heutigen Zeit, mal von den Nazis verwendete und missbrauchte Begriffe und Sprüche pauschal "zu verbannen" (zumal noch aus dem Zusammenhang gerissen) bzw. bei Verwendung gleich an eine nationalsozialistische Gesinnung zu denken - was einen verantwortungsvollen Umgang insbesondere von Werbeagenturen nicht ausschliesst!

  • Robert Jäggi am 20.01.2014 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bond

    Hat eher was mit James Bond zu tun...

  • Jens Weiss am 20.01.2014 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Man kann auch etwas hineininterpretieren. Nur weil mal ein Nazi sowas ähnliches schrieb solls für immer verboten sein? So ein Quatsch!

  • Asmodeus am 20.01.2014 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Es wird alles übertrieben und von so weit her geholt. Also bitte.....