Bubenstreich

05. Februar 2010 12:34; Akt: 05.02.2010 12:52 Print

Die SBB verstehen keinen SpassDie SBB verstehen keinen Spass

von Annette Hirschberg - Drei Jugendliche haben aus Jux bei einer Kontrolle ihre gültigen Abonnemente untereinander getauscht. Die Kontrolleurin fand dies gar nicht lustig: Sie büsste die drei wegen Missbrauch und bringt die SBB damit in Verlegenheit.

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Wem gehört welches Ticket? (Bild: Keystone)

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Einen kleinen Streich wollten der 15-jährige Mischa und seine zwei Kollegen spielen. Doch was als Spass gedacht war, wurde dank den SBB plötzlich bitterer Ernst. Wie immer nach dem Training fuhren die drei an jenem Abend im Dezember mit dem Zug von Biel nach Hause. Als sie die Kontrolleurin sahen, juckt es sie in den Fingern, die Frau auf ihre Genauigkeit zu testen. Anstatt das eigene GA zu zeigen, tauschen die Freunde ihre gültigen Abonnemente untereinander aus.

Die Kontrolleurin wird wütend

«Wir gingen eigentlich davon aus, dass die Zugbegleiterin das entdecken würde. Mein Kollege Malick ist nämlich dunkler Hautfarbe», sagt Nachwuchsfussballer Mischa. Und tatsächlich: Die Zugbegleiterin bemerkt den Tausch. Sofort nimmt jeder der drei wieder sein eigenes Abonnement in die Hand. Die Teenager glauben, die Sache sei damit erledigt.

Doch die Zugbegleiterin sieht dies anders. «Sie fühlte sich von uns hintergangen und flippte so richtig aus», erzählt Mischa. «Sie erklärte uns in aggressivem Ton, dass wir einen Missbrauch begangen hätten und dafür büssen müssten.» Die Jugendlichen versuchen mit der Kontrolleurin zu diskutieren. «Wir sagten, wir wollten nur die Genauigkeit ihrer Kontrolle testen und dass wir alle ein gültiges Billett auf uns tragen. Frech waren wir aber nie», betont der 15-Jährige.

Nicht immer wurde der Tausch bemerkt

Doch jede Erwiderung scheint die Zugbegleiterin noch wütender zu machen. «Am Schluss musste jeder von uns ein Formular wegen Fahrens ohne gültigen Fahrausweis ausfüllen», sagt Mischa. Er versteht die Welt nicht mehr. Nicht zum ersten Mal haben die Jungs die Abonnemente untereinander getauscht. «Kein Kontrolleur zuvor hat je irgendetwas deswegen gesagt», so Mischa. Und: Oft sei der Tausch gar nicht bemerkt worden. Klar, dass dies die Jungs anstachelte, das Zugpersonal immer wieder zu testen. «Wir hatten nichts Böses im Sinn, es sollte nur ein Gag sein», betont Mischa.

Doch die SBB verstehen offenbar keinen Spass. Rund einen Monat nach dem Vorfall erhalten Mischas Eltern die gesalzene Rechnung für den Bubenstreich: 100 Franken Missbrauchsgebühr, 30 Franken Bearbeitungsgebühr und 4.80 für das Zugbillett. Mischas Mutter Claudia R.* ist empört über die Forderung: «Schliesslich trugen alle drei ein gültiges Abonnement auf sich, für das wir gutes Geld bezahlt haben.»

«Lehrblätz für junge Zugfahrer»

Telefonisch wendet sie sich ans Inkasso-Zentrum der SBB. «Ich schilderte den Fall ausführlich einer Sachbearbeiterin und forderte sie auf, die Rechnung zu stornieren», so Claudia R. Doch im Inkasso-Zenturm der SBB bleibt man hart. Das sei ein Missbrauch und als Lehrblätz müssten die jungen Zugfahrer jetzt diese Busse bezahlen, beschied die Sachbearbeiterin der Mutter.

Claudia R.* will dies nicht auf sich sitzen lassen. Per Einschreiben wendet sie sich an die SBB und informiert 20 Minuten Online. Nun kommt Bewegung in die Sache. Seitens der SBB wird die Zugbegleiterin befragt und der Fall aufgerollt. Rund zwei Wochen nach der Anfrage von 20 Minuten Online lässt die SBB verlauten, die Jugendlichen hätten das Zugpersonal wissentlich getäuscht, indem sie die persönlichen Abonnemente untereinander tauschten.

Weil das Zugpersonal die Abonnemente aber nicht einzog, habe es aber keinen Eintrag in die Ereignisdatenbank für sicherheitsrelevante Informationen gegeben. «Aus Mangel an Beweisen können die Jugendlichen nicht verzeigt werden», sagt SBB-Mediensprecher Reto Kormann gegenüber 20 Minuten Online. Die SBB verzichtet darum bei allen drei Jugendlichen auf die Missbrauchsgebühr von 100 Franken, hält aber an der Bearbeitungsgebühr von 30 Franken fest.

Frage der Verhältnismässigkeit

Ob die Familien die 30 Franken bezahlen müssen, ist noch offen. 20 Minuten Online hat auch die Ombudsstelle öffentlicher Verkehr eingeschaltet. «Es handelt sich hier tatsächlich um einen teuren Spass und es stellt sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit», schreibt Cornelia Füeg, Ombudsfrau öffentlicher Verkehr, in einer ersten Stellungnahme. Sie klärt die Sache nun ab und hat das Inkasso sistieren lassen, bis der Fall erledigt ist.

*Name der Redaktion bekannt

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  • Ott Rainer am 08.10.2011 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die SBB braucht Kunden, umgekehrt nicht

    Ich fahre nicht mehr mit der SBB, denn innerhalb von zwei Jahren wurde ich dreimal mit je 80 Franken gebüsst, Einmal Halbtax vergessen, nur gültiges Billet, aber keinen Ausweis, ein anderes Mal Haltestelle verpennt, usw. Zwei Jahre habe ich keinerlei Rechnungen bekommen, dann aber eine Zahlungaufforderung über 530 Franken mit einer Betreibungsankündigung. Ich musste diesen Betrag bezahlen, habe nun trotz Rechtsvorschlag einen Eintrag im Betreibungsauszug. Die SBB braucht Kunden, aber ich brauche die SBB nicht mehr. Autofahren ist billiger

  • Reinhard Jung am 29.07.2010 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Aufpreis 1.Klasse

    Wenn man vergisst einen bezahlten Aufpreis abzustempeln, wird man auch gebusst. Weil einem Unterstellt wird, das man betrügen wollte. Das war eine klare Aussage vom Kontrolleur als auch von der Inkassostelle. Ziemlich unverschämt!

  • Markus Affolter am 16.04.2010 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist der Schaden?

    ich denke, solange die Streiche keinen Schaden erwirken, solange kann auch kein Missbrauch deklariert werden. Die zwei Jungs haben Flausen im Kopf, wie wir damals auch hatten (ich bin Jg. 1960). Zu Schaden kam aber nie jemand und das scheint mir hier absolut auch der Fall. Das frustrierte, humorlose SBB-Personal soll doch lieber die an die Kandare nehme die in den Zügen Dreck und Schaden anrichten. Es ist wirklich ekelerregend überhaupt auf den Sitzplätzen zu reisen.

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