Standort-Daten

18. März 2017 15:18; Akt: 18.03.2017 15:46 Print

SBB wollen App-Kundendaten für Werbung nutzen

Die SBB machen die neue Ortungsfunktion ihrer Fahrplan-App zu Geld. Sie werten die Standort-Daten der Passagiere aus, um zielgruppenspezifische Werbebanner einzublenden.

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«Das Gesetz wird durch die SBB jederzeit eingehalten»: Die SBB sehen beim Sammeln der Daten keine Probleme. (Bild: Keystone/Manuel Lopez)

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Die SBB wollen künftig Kundendaten der Fahrplan-App auswerten, um «zielgruppenspezifische Werbung» zu schalten. Das Speichern von Ticketdaten wie Abfahrts- und Zielort sowie die Klasse könnten aus Datenschutzgründen heikel sein.

Noch dieses Jahr soll die geplante Erweiterung umgesetzt werden, wie SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Er bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Schweiz am Wochenende».

Da der Standort durch die App laufend lokalisiert wird, kann künftig die standortspezifische Werbung bei einer Fahrt durch die Schweiz angepasst werden. Gemäss «Schweiz am Wochenende» könnte also ein Erstklasspassagier bei der Einfahrt in Luzern eine Empfehlung für ein Konzert im Kultur- und Kongresszentrum KKL erhalten, während Zweitklasspassagieren ein Besuch im Verkehrshaus vorgeschlagen wird.

Knackpunkt beim Datenschutz ist, dass die Werbefunktion und das Sammeln der Daten automatisch bei Annahme der AGBs eingeschaltet wird. Das sehen die SBB jedoch nicht weiter als problematisch. «Das Gesetz wird durch die SBB jederzeit eingehalten, darüber wacht auch der eidgenössische Datenschutzbeauftragte», so Pallecchi. Auch bei der für dieses Jahre geplanten Erweiterung seien die SBB in Kontakt mit dem Datenschützer.

Erhalten von Werbung laut SBB freiwillig

Ausserdem sei das Erhalten von Werbung freiwillig. Der Kunde habe die Möglichkeit, die Werbung in der App jederzeit abzustellen. Die SBB halten auch nichts vom Begriff «personalisierte Werbung.» Es handle sich lediglich um zielgruppenspezifische Werbung, da die Daten jederzeit anonymisiert seien, sagte Pallecchi.

Schon heute werden Fahrplanabfragen auf der SBB-Website und im kostenlosen Wifi der SBB erhoben und dazu «zielgruppenspezifische» Werbung geschaltet. Rund 12 Millionen Mal pro Woche können so Kundinnen und Kunden mit Werbung erreicht werden, rechnen die SBB. Die meisten – fünf Millionen – erreicht die Werbung via die Mobile-App. Dort erhoffen sich die SBB nun neue Marktchancen durch die personalisierte Werbung.

Im Internet weibeln die SBB in einem Youtube-Video bereits heute um Werbekunden. Auf ihrer Marketingwebsite schreiben sie: «Mit einer Platzierung in SBB Mobile erreichen Sie Ihre Kunden gezielt unterwegs.»

Nur neue Version betroffen

Die SBB haben eine neu gestaltete Version der SBB-Mobile-App im November des vergangenen Jahres lanciert. Die Fahrdaten würden nur auf der neuen Version erhoben, ältere Versionen der App sind gemäss den SBB nicht betroffen. Zuletzt wurden die SBB vom Datenschutzbeauftragten vor einem Jahr gerügt, weil sie Kontrolldaten im Zusammenhang mit dem Swiss Pass gespeichert hatten. Nach einer Kontrolle waren anfänglich Uhrzeit, Zugnummer und Ausweisnummer während neunzig Tagen in der sogenannten Kontrolldatenbank gespeichert worden. Die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) mussten die Praxis stoppen und die Daten löschen.

Mithilfe solcher Daten hätten VöV und SBB Bewegungsprofile von Personen erstellen können, hatte der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) damals öffentlich kritisiert.

(bee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daten Schutz am 18.03.2017 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht toll!

    Zuerst Swisscom, nun die SBB. Wer folgt als nächstes? Leute, wehret den Anfängen. Programme / Apps nicht nutzen, AGB etc. ablehnen, eingeschriebener Brief, was auch immer!

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  • Sam Winchester am 18.03.2017 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Die SBB sollte lieber mal die Ticketpreise senken als sich Gedanken zu machen über neue Projekte.

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  • Doni am 18.03.2017 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elitäre Denkweise

    Soso, das KKL ist also den feinen Herren aus der ersten Klasse vorenthalten. Sag mal geht's noch?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland K. am 21.03.2017 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schlanke Lösung

    Lesezeichen auf den Web-Fahrplan setzen, Banner im Werbeblocker eintragen (nur beim 1. Besuch). Voilà, ich kann rasch und entspannt Verbindungen abfragen, ohne der SBB mein Adressbuch, meinen Standort und alles andere zu schenken.

  • Paul Trend am 20.03.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Fahrplan Widget, wo?

    SBB, seht lieber zu das das Fahrplan-Widget wieder in der aktuellen App verfügbar ist! Ist mir völlig schleierhaft, warum so ein nützliches Teil rausgeflogen ist. Daher verweigere ich den Update.

  • ÖV-unverständiger am 20.03.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, Nein, Nein,...

    Ein öffentlichen Dienstleister wird nun zum Werbebetrieb... Ich versteh diese öffentlichen Betriebe nicht, könnt Ihr denn nicht mit dem Geld der Steuerzahler leben? "Quersubventionierung" ist ja das eine, aber irgendwo ist doch mal fertig Kompetenzen, Aufgaben und Prioritäten?

  • Roli am 20.03.2017 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Datenkraken

    Jeder will ja all diese "gratis" Apps und liest nicht einmal die Nutzerbestimmungen und Zugriffsrechte. Ich meide alle Geräte, die mit Apps funktionieren, mein PC habe ich auf Linux umgestellt. Bye Microsoft, Google und co. Ihr bekommt auch so noch genug Daten von mir, aber ich muss es euch ja nicht leicht machen.

  • Sandra am 20.03.2017 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kund'freundlich wäre mit B'preise runter

    Eine Sauerein, überall nur Geldmacherei, die SBB sollen doch mal endlich mit ihren Horror-Billettpreisen runter, das wäre etwas für die Kunden.