Trotz mehr Unfällen

29. November 2012 10:37; Akt: 29.11.2012 10:48 Print

SECO will das Schutzalter von Lehrlingen senken

Die Anzahl der Betriebsunfälle sinkt - nicht aber bei Lehrlingen. Während die SUVA über die Gründe rätselt, lanciert das SECO den Vorschlag, Jugendliche früher in die Lehre zu schicken.

storybild

Die Zahl der Betriebsunfälle bei Lehrlingen ist gestiegen. Trotzdem will das SECO das Jugendschutzalter senken. (Bild: Ein Müllers-Lehrling bei der Arbeit). (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Anzahl Arbeitsunfälle bei Lehrlingen ist gestiegen, wie eine Statistik der SUVA zeigt. Während Experten über die Gründe rätseln, beschäftigt sich auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mit der «Risikogruppe» der Lehrlinge - und überrascht mit der Forderung, das Jugendschutzalter für gefährliche Arbeiten während der Lehre zu senken, wie «Le Matin» am Mittwoch schreibt.

«Wir sehen uns im Moment mit einem Kompabilitätsproblem zwischen Bildungssystem und Arbeitsmarkt konfrontiert», begründet Pascal Richoz, Mitglied der SECO-Geschäftsleitung, den Vorschlag. Der Grund: Die HarmoS-Reform habe dazu geführt, dass Jugendliche früher die Schule beenden. Die Aufhebung der bisherigen Grenze soll gemäss Richoz diese Diskrepanz lösen.

Die Entscheidungsgrundlage für eine Senkung fehlt

Luca Cirigliano, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, kritisiert den Vorschlag scharf. Denn die heute geltenden Schutzbestimmungen wurden nie analysiert, Daten, die die Auswirkung der laufenden Entwicklungen festhalten, nie gesammelt. «Es existieren keine gesicherten Materialien über die Risikogruppe der Lehrlinge. Damit besteht absolut keine Entscheidungsgrundlage über eine allfällige Senkung des Schutzalters», so Cirigliano.

Höchste Priorität habe deshalb vorerst das Sammeln von Zahlenmaterial, bevor das Schutzalter erneut gesenkt werde und die Anzahl der Arbeitsunfälle einfach weiterhin steige. Ausserdem müsse auch die fehlende Zahlengrundlage bezüglich der kantonalen Kontrollen der Schutzbestimmungen erhoben werden. «Angesichts der Zahlen liegt nämlich der Verdacht nahe, dass in den Kantonen viel zu wenig kontrolliert wird, was die Sicherheit der Lehrlinge betrifft», so Cirigliano.

«Eine Grenze zu setzen, ist noch kein Schutz»

Richoz räumt ein, dass in der laufenden Diskussion um das Schutzalter der Lehrlinge Klärungsbedarf besteht. «Kommt eine Zustimmung zustande, braucht es eine genaue branchenspezifische Analyse, damit die Akteure die Möglichkeit haben, das Risiko einer Grenzsenkung einzuschätzen», so Richoz. Weitere Abklärung seien deshalb nötig. Welche Massnahmen aber zum Schutz der Lehrlinge getroffen werden, ist noch unklar. «Eine Grenze zu setzen ist noch kein Schutz.»

(dwi)

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren