Notenbank SNB

14. September 2017 09:40; Akt: 14.09.2017 12:19 Print

SNB ändert Wortwahl zum Thema Wechselkurse

Wo steht die Schweizer Wirtschaft? Und wo die Geldpolitik? Die Nationalbank meldet den Stand an ihrer periodischen Lagebeurteilung.

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Hält den Referenzzins für den Dreimonats-Libor zwischen minus 1,25 und minus 0,25 Prozent: Nationalbankpräsident Thomas Jordan. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Sie passt allerdings ihre Wortwahl zum Franken vorsichtig an. Die Währungshüter halten ihn neu für «hoch bewertet», wie sie es während der Zeit des Mindestkurses getan haben. Zuvor war von einem «deutlich überbewerteten» Franken die Rede gewesen.

Wie erwartet hält die Notenbank am Negativzins fest. Banken müssen für Sichteinlagen bei der SNB damit weiterhin -0,75 Prozent Negativzinsen bezahlen. Ebenfalls unverändert belässt die Nationalbank den Leitzins. Das Zielband für den Drei-Monats-Libor beträgt weiterhin -0,25 bis -1,25 Prozent.

Insgesamt trage die Wechselkursentwicklung zu einem gewissen Abbau der deutlichen Überbewertung des Frankens bei, teilte die SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom Donnerstag mit. Die Situation am Devisenmarkt bleibe fragil, weshalb die SNB bei Bedarf weiter am Devisenmarkt eingreifen werde.

Zwei-Säulen-Politik weiter notwendig

Die Zwei-Säulen-Politik ist nach Ansicht der Notenbank unverändert notwendig, um Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern.

Die Entscheide wurden in dieser Form erwartet. Praktisch alle Experten gingen von einer unveränderten Geldpolitik der SNB aus, obwohl der Schweizer Franken gegenüber dem Euro in letzter Zeit an Wert verloren hatte.

Seit der letzten Lagebeurteilung von Mitte Juni hat sich der Franken gegenüber dem Euro abgeschwächt. Notierte der Euro-Franken-Kurs damals bei knapp 1,09, steht er aktuell bei knapp 1,15. Zum Dollar hingegen gewann der Franken seit Mitte Juni etwas an Wert.

EZB gibt Takt vor

Experten werten es zwar als ein wichtiges Signal, dass die SNB den Franken nun als «hoch bewertetet» ansieht. Nach ihrer Ansicht lässt die veränderte Wortwahl jedoch nicht auf eine bevorstehende Änderung der Schweizer Geldpolitik schliessen. «Die SNB bleibt vorsichtig, indem sie die Situation am Devisenmarkt als nach wie vor fragil bezeichnet», sagt UBS-Analyst Alessandro Bee. Er erwarte vorerst keine Änderung der Schweizer Geldpolitik.

«Der SNB sind nach wie vor die Hände gebunden», sagt Daniel Hartmann von der Bantleon Bank. Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft habe im zweiten Quartal bei mageren 0,4 Prozent gelegen. «Eine erneute Aufwertung des Frankens wäre daher Gift für die Schweizer Konjunktur, der dann sogar die Stagnation drohen würde», sagt Hartmann.

Die Experten gehen unverändert davon aus, dass die SNB erst nach der Europäischen Zentralbank (EZB) agieren kann. Die EZB werde frühestens Ende 2018 die erste Leitzinserhöhung vornehmen. Die erste Schritt der SNB dürfte daher ebenfalls nicht vor Ende 2018 erfolgen, wahrscheinlich sogar erst Anfang 2019.

BIP-Prognose gesenkt

Die SNB sieht die Schweizer Wirtschaft auf einem moderaten Erholungskurs. Diese profitiere von einer günstigen internationalen Konjunkturentwicklung. In der BIP-Schätzung des Quartals komme diese Erholung allerdings nicht zum Ausdruck.

Wegen der schwachen Konjunktur in der ersten Jahreshälfte hat die Nationalbank die Wachstumsprognose für 2017 auf 1 Prozent gesenkt. Im Juni war die SNB noch von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) rund 1,5 Prozent ausgegangen.

Wegen der Wechselkursentwicklung hat sich die Inflationsprognose leicht nach oben geschoben. Die SNB erhöhte die Schätzung der Teuerung für das laufende und das nächste Jahr von 0,3 auf 0,4 Prozent. Für 2019 erwarten die Währungshüter eine Inflation von 1,1 statt 1,0 Prozent.

(rub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kain Spam am 14.09.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zum x-ten mal

    Nicht der CHF ist stark sondern der EUR butterweich. Der Ball würde also im Spielfeld der EZB liegen, die kann aber aus politischer Rücksichtname nicht handeln.

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  • Peter am 14.09.2017 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    32 Milliarden Zins fehlen im BVG

    Die BVG Gelder machen ca. 800 Milliarden Franken aus. Bei einer Negativen Verzinsung im Vergleich zu der vorherigen 4 % macht das 32 Milliarden entgangene Zinseinnahmen pro Jahr aus. Nicht die Altersreform 2020 ist hier nicht finanzierbar sondern die Machenschaften der Nationalbank!

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  • Cris am 14.09.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Gratis Geld leihen oder selber herstelle

    Gerade jetzt, wo sich Banken sowieso das Geld gratis von der SNB leihen können (Leitzins = Null), macht es für sie überhaupt keinen Unterschied ob sie das Geld selber herstellen oder nicht. Schmerzloser könnte eine Vollgeld-Einführung für die Banken gar nicht sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rosi am 15.09.2017 05:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nur jammern.....

    bringt gar nichts, man könnte meinen die SNB wirtschaftet nur im EU raum. die sind weltweit tätig und erhalten orbitanten zins, der wird wie bei anderen banken in der teppichetage verteilt. mich wundert und beisst es nicht solange ich hier zinsen zwischen 6% und 14% erhalte. die frage stellt sich nur, was machen diese banken richtig und die andern falsch. aber ja die verdienen für ihre leistungen auch enorm plus boni.

  • Malo am 14.09.2017 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wucherzinsen auf Privatkredite

    Die Nationalbank sollte Banken strafen die Wucherzinsen für Privatkredite verlangen. So würde auch wieder Geld in den Umlauf kommen. Sonst wird weiterhin gespart.

  • german schnyder am 14.09.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    0 zins wann fertig

    anstatt eine eigene geldpolitik zu betreiben, macht die nationalbank das gleiche wie Euro land und die EU und USA. von selbstständigkeit keine spur. dabei wäre jetzt zeit eine leichte zins erhöhung zu beschliessen auch wenn Euroland und die USA das nicht wollen. aber das würde auch endlich andere nationalbanken aufrütteln, und pensionskassen und sparer müssten sich nicht immer mit weniger Zins aufregen..

    • dh am 14.09.2017 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @german schnyder

      da haben sie leider nicht ganz recht. Wenn die CH im Alleingang eine Zinserhöhung durchführen würde, wäre der CHF so attraktiv, dass dieser in die Höhe schiessen würde. Folge: Die CH wird zu teuer, es wird kaum mehr exportiert. So funktioniert es halt in der Wirtschaft, alle sind miteinander vernetzt...

    • Rosi am 21.09.2017 04:30 Report Diesen Beitrag melden

      Wen wundert es...

      tja vielleicht mal googeln wem die SNB wirklich gehört, dann versteht man auch besser was für leute in der teppichetage sitzen und nach wem die handeln.

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  • Rosmarie Wüthrich am 14.09.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    schöne Aussichten

    Diese Wechselkurse sind fast unverständlich zu begreifen. Euro stark oder Franken stark, jenachdem wer was schreibt, ob als Ein- oder Verkäufer. Ich weiss nur, dass Gold (wird in Dollar) gerechnet eigentlich hätte billiger werden sollen, da der Franken stärker geworden ist, dies aber nicht geschehen ist, sondern sogar um fast 15% gestiegen ist. BIP sinkt, Inflation steigt...was kommt als nächstes?

  • Prognöseli am 14.09.2017 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nach den Wahlen in DU wird die

    EZB die Zinsen erneut senken! Die negativ Zinsen werden noch über Jahre beibehalten werden, und der EUro wird erneut abschmieren.