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18. August 2013 14:06; Akt: 18.08.2013 14:06 Print

Schloter konnte wochenlang nicht schlafen

Vor seinem Tod litt Swisscom-Chef Carsten Schloter offenbar unter schweren Schlafstörungen. Vertraute sprechen von einem klassischen Burnout.

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Carsten Schloter wurde am 7. Dezember 1963 in Bayern (D) geboren. Am 23. Juli 2013 wurde er tot an seinem Wohnort in Villars-sur-Glâne im Kanton Freiburg aufgefunden. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Den Grossteil seiner Jugend verbrachte Schloter in Frankreich: In Saint-Germain-en-Laye besuchte er die Eliteschule Lycée International und in Paris studierte er Betriebswirtschaft. Seine berufliche Karriere startete Schloter mit 22 Jahren als Systementwickler und danach in weiteren Funktionen bei Mercedes-Benz Frankreich in Paris. Anfang der 1990er Jahre stieg er ins Telekomgeschäft ein: 1992 bis 1994 war Schloter Mitglied der Geschäftsleitung der debitel France SA; danach arbeitete er bei Debitel Deutschland und wurde 1999 Mitglied der Geschäftsleitung der Debitel AG. Im April 2000 kam Carsten Schloter in die Schweiz, war Leiter Public Com und Leiter Mobil Com von Swisscom und wurde Chef von Swisscom Mobile. Im Januar 2006 übernahm er von Jens Alder (r.) als CEO die Führung des Swisscom-Konzerns. Einer der grössten Würfe von Schloter bei der Swisscom war die Lancierung von Natel infinity im Juni 2012. Damit können Kunden unbegrenzt in alle Netze telefonieren, SMS schreiben und im Internet surfen. Neben seiner Arbeit war Schloter auch Mitglied des Vorstands der asut (Association Suisse des Télécommunications) und Mitglied des Vorstands der Swiss-American Chamber of Commerce. Privat war Schloter Vater dreier Kinder. Von seiner Frau lebte er getrennt. Sein grösstes Hobby war der Sport: Schloter fuhr Snowboard, Ski und Mountainbike und joggte. Er absolvierte mehrfach die Tortour, das mit 32 Stunden härteste Velorennen der Schweiz.

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Wurden die Alarmzeichen übersehen? Offenbar konnte der verstorbene Swisscom-CEO vor seinem Tod während Wochen nicht mehr schlafen. Wie die «Schweiz am Sonntag» unter Berufung auf Vertraute Schloters berichtet, wussten seine Mitarbeiter in der Swisscom-Geschäftsleitung Bescheid.

Die Kollegen sollen sich besorgt gezeigt und Schloter gefragt haben, ob er die Situation noch im Griff habe – was dieser bejahte. Der Verwaltungsrat und die Personalabteilung wurden gemäss dem Bericht nicht über die Probleme des CEOs unterrichtet. Ein Vertrauter sagt gegenüber der Zeitung weiter, Schloter habe unter einem klassischen Burnout gelitten. Die Probleme hätten sich im Frühling zugespitzt. Trotzdem habe sich Schloter nicht in medizinische Behandlung begeben.

Der Swisscom-Chef nahm sich am 23. Juli das Leben. Er wurde leblos in seinem Haus in der Westschweiz aufgefunden.

(jbu)