Wettbewerbsfähigkeit

30. September 2015 08:02; Akt: 30.09.2015 08:02 Print

Schweiz ist Weltklasse – aber der Thron wackelt

Dank Innovation, Bildung und Finanzmarkt: Zum siebten Mal in Serie setzt eine WEF-Studie die Schweiz auf Platz eins, die Position wackelt aber.

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Die Schweiz ist dank Innovationskraft und Bildung das wettbewerbsfähigste Land der Welt: Pharma-Standort Basel. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die Schweiz ist vom Weltwirtschaftsforum (WEF) das siebte Jahr in Folge zum wettbewerbsfähigsten Land erklärt worden. Die Autoren der Studie warnen jedoch, diese Position sei in Gefahr.

In einem sich wandelnden Umfeld habe die Schweizer Wirtschaft bislang zwar eine bemerkenswerte Widerstandskraft gezeigt, heisst es im «Globalen Wettbewerbsindex 2015», den das WEF in der Nacht auf Mittwoch in Genf veröffentlichte. Insgesamt wurden 140 Länder nach 12 einheitlichen Kriterien bewertet.

Hier ist die Schweiz Weltspitze:

  • Innovation von Produkten und Produktionsabläufen
  • hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung
  • enges Zusammenwirken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
  • flexibler Arbeitsmarkt
  • Bildungssystem
  • Infrastruktur
  • entwickelte Finanzmärkte
Die WEF-Studie sieht in der Schweiz folgende Probleme:

  • staatliche Bürokratie
  • restriktive Reglementierung des Arbeitsmarktes
  • Komplexität bei den Steuern
  • Zugang zu Krediten
  • Mangel an Fachkräften
Verschlechterung droht

Das WEF warnt sogleich, «die jüngsten Entwicklungen bergen das Risiko einer Verschlechterung, und sie lassen nur wenig Handlungsspielraum.» Als Risiken nennen die Studienautoren eine nur langsame Konjunkturerholung bei den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz, die Frankenstärke, die bei Null liegende Teuerung und die Negativzinsen.

Explizit wird auf die Unsicherheit über die Schweizer Immigrationspolitik nach Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative hingewiesen. Diese könne dazu führen, dass der für die Dynamik der Wirtschaft nötige Zugriff auf das weltweite Reservoir an Fachkräften beschränkt werde. Das WEF rät der Schweiz, ihre Wettbewerbsvorteile zu stärken, um die im Vergleich höheren Kosten zu rechtfertigen.

Stabile Top 10

Gegenüber dem letzten Jahr haben sich die Top 10 der Studie leicht verändert, Neuzugänge gab es aber nicht:

  • 1. Schweiz
  • 2. Singapur
  • 3. USA
  • 4. Deutschland
  • 5. Niederlande
  • 6. Japan
  • 7. Hongkong
  • 8. Finnland
  • 9. Schweden
  • 10. Grossbritannien
Erneut gibt es grosse Unterschiede zwischen Ländern der Eurozone: Frankreich, Österreich und Irland stehen auf den Plätzen 22, 23 und 24. Spanien folgt auf Rang 33 und liegt damit hinter Thailand. Italien schafft nur Platz 43, nach Kasachstan. Griechenland findet sich wie schon 2014 auf Platz 81 und damit weit hinter Ländern wie Vietnam (56) oder Kolumbien (61).

Sorgen um Schwellenländer

Am meisten Sorgen bereiten den WEF-Ökonomen die Schwellenländer, die stagnieren oder gar zurückgeworfen werden. Während sich Indien gleich um 16 Ränge auf Platz 55 verbessert, wurden Länder wie die Türkei (Rang 51) und Brasilien (75) schlechter bewertet. Brasilien fällt um 18 Ränge zurück.

China hält sich trotz seines abnehmenden Wachstums auf Platz 28. Allerdings sehen die WEF-Experten Warnsignale. China müsse «ein Modell entwickeln, mit dem sich Produktivität durch Innovation sowie die Nachfrage durch den einheimischen Konsum steigern lassen.»

Russland steigt um 8 Stufen auf Platz 45. Die Regierung in Moskau habe bürokratische Hürden reduziert, um die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern und den Binnenmarkt zu stärken. Der Ausblick sei aber – auch infolge der Sanktionen des Westens – pessimistisch. Das WEF verweist auf eine steigende Inflation, unsichere Staatsfinanzen, sinkende inländische Kaufkraft sowie fragile Rohstoffpreise.

WEF-Gründer Klaus Schwab prognostiziert in der Studie, um bei der vierten industriellen Revolution konkurrenzfähig zu bleiben, müssten mehr denn je die Produktivitätsfaktoren wie Kompetenzen und Innovation gestärkt werden.

(ofi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Micha Maier am 30.09.2015 01:54 Report Diesen Beitrag melden

    Und weiter so

    Und das obwohl die USA versucht haben unsere Banken durchs Klo zu spülen, obwohl sie in Delaware dasselbe dulden. Dass staatliche Bürokratie ein Problem darstellt ist gut erkannt, diese wächst zurzeit zu stark, eine Deregulierung würde wohl in diversen Bereichen Sinn machen. Die restlichen aufgezählten Punkte begründen hingegen den Erfolg der Schweiz an sich, nämlich das stabile soziale Gefüge. Soll so bleiben, in dem Sinne weiter so, weiter verbessern und optimieren. Für die Menschen, für die Wirtschaft, für die Umwelt, für das Land, für den Frieden. Ich liebe dieses Land einfach.

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  • Altbernstein am 30.09.2015 01:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk

    Da muss die Schweiz sich mal selbst stolz auf die Schulter klopfen. Gute Arbeit, Schweiz!

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  • Petra am 30.09.2015 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Über teuerte Schweiz

    Die Schweiz ist viel zu teuer! Ab nächstem Jahr steigen die Krankenkassen schon wieder! Aber immer wieder Spenden schicken. Wo bleiben die armen Leute in der Schweiz? Schaut zuerst einmal auf die Schweizer!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patricia allenbach am 01.10.2015 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MEI

    Innovation Dank ausländischen Firmen und Mitarbeiter die durch Steuer dumping angelockt wurde.

  • tinu am 01.10.2015 02:08 Report Diesen Beitrag melden

    Dafür

    ...ist das Volk sehr unzufrieden mit seinen Politikern. Das sollte berücksichtigt werden, denn das schlägt auf die Arbeitsmoral und somit auf die Produktivität. Zuwanderung brauchen wir bei der stetigen Automatisierung nicht. Es ist ja auch der Staat, welcher in erster Linie Arbeitsplätze schafft...

  • human am 30.09.2015 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt die Wirtschaft!

    Wirtschaft, Wirtschaft immer nur Wirtschaft, wir Schweizer sind moderne Sklaven der Wirtschaft! wir widmen unser Dasein dem Wirtschaftswachstum, koste es was es wolle.. warum müssen wir immer Erster sein? Warum nicht mal etwas entschleunigen? 6 Wochen Urlaub wie DE einführen oder die 36 h Woche von FR, die leben trotzdem noch..

  • Workoholik am 30.09.2015 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Bützer, Hut ab

    Die Schweiz ist top, da können alle Schweizer mit Recht sehr Stolz drauf sein! Möchte hier aber mal ammerken, dass die excellente Wettbewerbsfähigkeit zum Teil aufgrund der vielen Ausländischen Arbeitskräfte, auf die sonst immer so bitter böse geschimpft wird, erreicht worden ist!! Wären da nicht hunderttausende zusätzliche Arbeitskräfte, die Ihr know how und ihre Power hier einsetzen, hätte sich die Wirtschaft nicht zu dem entwickeln können, was Sie heute ist!! Die beste der Welt... congartulation!!

  • BWL-er am 30.09.2015 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    SVP schaft die Schweiz ab

    Setzt die SVP die Abschottung der Schweiz durch, dann geht die Schweiz direkt von Platz 1 senkrecht abwärts ins Nirvana.

    • tinu am 01.10.2015 02:04 Report Diesen Beitrag melden

      Es scheint

      ...als hättest Du als BWL'er einen sehr eingeschränkten Blickwinkel. Lebensqualität lässt sich nicht nur mit BWL bewerkstelligen. Da gehören noch ganz andere Dinge dazu, die Du nicht hören willst vermute ich.

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