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Managerlöhne
05. Oktober 2009 16:54; Akt: 05.10.2009 16:56 Print
Schweizer Firmen wollen keine Transparenz
von Elisabeth Rizzi - Amerikanische Konzerne wollen von sich aus mehr Transparenz bei den Managerlöhnen. AT&T, Cisco Systems, Hewlett-Packard, die Nasdaq und weitere haben eine freiwillige Absichtserklärung unterzeichnet. Die Schweizer Wirtschaft sieht jedoch keinen Anlass, dem Beispiel zu folgen.
Amerikanische Grosskonzerne beugen sich dem wachsenden Druck der Gesellschaft: Nicht nur in Banken, sondern auch in der Industrie sollen Managerlöhne transparenter werden. AT&T, Cisco Systems, Hewlett-Packard, Tyco International und weitere Giganten haben Ende September ein Prinzipienpapier der unabhängigen Forschungsgruppe «Conference Board» unterzeichnet.
Thomas Minder, Initiant der Abzockerinitiative hält nichts von Selbstregulierung.(Bild: Keystone)
Konkret soll eine klare Verbindung zwischen Bezahlung und Leistung bestehen. Umstrittene Vergütungsmethoden wie etwa exzessive Abfindungen sollen eliminiert werden. Ebenso wird eine glaubhafte Kontrolle der Managerbezahlung durch die Vergütungsausschüsse der Verwaltungsräte gefordert. Zuletzt sollen die Vergütungspraktiken transparent sein und den Aktionären gegenüber klar kommuniziert werden.
Schweizer Unternehmen lassen aktuell solche Initiativen vermissen. Dies obwohl laut der Ethos-Studie «Vergütungen 2008 der Führungsinstanzen» gemessen an den internationalen Standards die Vergütungstransparenz unbefriedigend ist. So bleiben die Gehälter trotz der Rückgänge 2008 hoch (Ex-Präsident der Swiss Re, Peter Forstmoser, verdiente mit 3,3 Millionen Franken sogar ein Prozent mehr als im Vorjahr) und berücksichtigen gemäss der Stiftung Ethos zu wenig anspruchsvolle Leistungskriterien. Antrittsprämien und Abfindungen würden immer noch gezahlt.
Zurückhaltende Reaktion
Schweizer Wirtschaftsexperten reagieren trotzdem zurückhaltend auf die US-Bemühungen. «Die Materie Managementgehälter ist äusserst komplex. Man muss die Regulierungsvorschläge sehr genau analysieren», sagt Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Deshalb könne er das US-Papier nicht per se als gut oder schlecht beurteilen. In der Schweiz bestünden zudem gesetzliche Bestimmungen und die Regeln des Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance, der seit 2002 in Kraft ist. Das Selbstregulierungswerk wurde 2007 um Empfehlungen zur Entschädigung ergänzt. Seither sind etwa Abgangsentschädigungen und goldene Fallschirme «grundsätzlich» verpönt. Und «der Entschädigungsausschuss achtet darauf, dass das System keine unbeabsichtigten Anreize setzt und keine Komponenten enthält, die gezielt zweckmässig beeinflusst werden können».
Auf den Swiss Code of best Practice stützt sich auch der Versicherer Zurich Financial Services. «Leistungsorientierte Aktien und Aktienoptionen werden nur definitiv zugeteilt, wenn bestimmte Leistungsziele erreicht werden. Je ein Drittel dieser Aktien steht für eine definitive Zuteilung in den drei Folgejahren nach dem Zeitpunkt der bedingten Zuteilung zur Verfügung», erklärt zudem Mediensprecherin Sylvia Gäumann. Mit anderen Worten: Aktien gibt es nur, wenn die Geschäftsperformance langfristig positiv war.
Auch bei ABB und der ZKB sieht man keinen weiteren Handlungsbedarf. Selbst Novartis mit Spitzenverdiener und Doppelmandatsträger Daniel Vasella (Lohnsteigerung 2008: 20 Prozent) sieht sich bezüglich der Managerentlöhnung gut positioniert. «Das grundlegende Prinzip der leistungsorientierten Entlöhnung stellt sicher, dass der variable Vergütungsanteil tatsächlich erreichte Leistung widerspiegelt. Vergütungspläne mit einer mehrjährigen Leistungsbemessungsgrundlage unterstreichen die Entlöhnung für nachhaltige Wertschaffung», erklärt Sprecher Satoshi Sugimoto. Auch würden die Aktionäre ausführlich über das Vergütungssystem bei Novartis informiert.
Aktionäre sollen entscheiden
Thomas Minder, dem Initiant der Abzocker-Initiative genügen solche Voten nicht. «Es gibt keine andere Lösung, als die Aktionäre über die Vergütungspraxis entscheiden zu lassen», sagt der Trybol-Chef. Dabei käme es nicht auf die Höhe der Vergütungen an, sondern auf das Einverständnis der Kapitalgeber (auch zu hochriskantem Verhalten). «Korrigieren sie Auswüchse nicht, sind sie selbst blöd.» Im englischen Sprachraum ist dieses Verhalten unter dem Begriff Say on Pay bekannt. Ethos haut in die gleiche Kerbe: Zum zweiten Mal stellt die Stiftung an der Generalversammlung den Say-on-Pay-Aktionärsantrag für Novartis. Zum ersten Mal werden Holcim, Swiss Re und Zurich damit konfrontiert.
«Tatsache ist, dass Selbstregulierungserklärungen auf Papier nicht funktionieren», zieht Minder das Fazit. Er hält deshalb genauso wenig vom Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance als auch vom Prinzipienwerk des Conference Board in Amerika. «Letztlich wird die Managerentlöhnung erst dann gut sein, wenn die Öffentlichkeit nicht mehr darüber diskutiert. Denn dann ist das System akzeptiert und alle zufrieden.»




























