Konjunktur

02. Februar 2012 11:51; Akt: 02.02.2012 11:51 Print

Schweizer Wirtschaft wurstelt sich durchSchweizer Wirtschaft wurstelt sich durch

von Balz Bruppacher - Die Chancen sind intakt, dass die Schweizer Wirtschaft auch die jüngsten Turbulenzen auf den Weltmärkten ohne Absturz überlebt. Eine Hauptsorge bleibt der starke Franken.

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Die Aussenhandelszahlen für Dezember und das ganze Jahr 2011 passen ins Bild, das eine Reihe von Konjunkturindikatoren in den letzten Tagen vermittelt hat: Die Entwicklung zeigt trotz Schwankungen nach unten, ist aber keineswegs katastrophal. Unter dem Strich blieb dank stagnierenden Importen in der Handelsbilanz sogar ein neuer Rekordüberschuss von 24 Milliarden Franken.

Die Exporte nahmen letztes Jahr trotz des teuren Frankens um 2,1 Prozent auf 197,6 Milliarden Franken zu. Das sind allerdings immer noch 9 Milliarden weniger als im Rekordjahr 2008. Zwei weitere Aspekte trüben das insgesamt passable Resultat: Erstens ist die leichte Exportzunahme fast ausschliesslich der Uhrenindustrie zu verdanken. Sie steigerte die Ausfuhren um «phänomenale» – so das Prädikat der Eidgenössischen Zollverwaltung - 19,2 Prozent auf den historischen Höchststand von 19,3 Milliarden Franken. Und zweitens kamen die insgesamt gut gehaltenen Exporte nur dank erheblichen Preiskonzessionen zustande. Die Ausfuhrpreise nahmen um 5,5 Prozent ab – so stark wie nie zuvor.

Auch der Blick auf die Dezember-Zahlen wirft die Frage vom halbvollen oder halbleeren Glas auf. Die Exporte stagnierten im Vorjahresvergleich. Allerdings kam der Exportpreisrückgang erstmals seit Anfang 2011 zum Stillstand. Wird berücksichtigt, dass der Dezember 2011 zwei Arbeitstage weniger hatte als im Vorjahr, resultiert sogar eine deutliche Zunahme der Ausfuhren um 9,2 Prozent.

Lokomotiven Deutschland und China schwächeln

Weniger zuversichtlich stimmt die geografische Verteilung der Dezember-Exporte. So wiesen die nominellen Ausfuhren nach Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner der Schweiz, ein leichtes Minus auf. Im ganzen Jahr 2011 steuerte Deutschland noch die Hälfte zum Exportplus bei. Zum dritten aufeinanderfolgenden Mal blieben im Dezember die Ausfuhren in den Wachstumsmarkt China hinter dem Vorjahr zurück. In den ersten fünf Monaten des letzten Jahres hatte das China-Geschäft noch mit Wachstumsraten zwischen 38 und 65 Prozent geboomt. Sollten Deutschland und China ihre Lokomotiv-Funktion verlieren, wird es schwierig für die Schweizer Exportwirtschaft. Auf einen Auftragseinbruch in der Industrie deuten die jüngsten Zahlen des Einkaufsmanagerindex hin.

SNB vor Test am Devisenmarkt?

Die Entwicklung der Weltkonjunktur galt bisher als Hauptrisiko für die Schweizer Konjunkturaussichten. Die meisten Prognosen rechnen für das ganze Jahr 2012 noch mit einem minimen Wachstum, trotz leicht rezessiver Entwicklung in den ersten beiden Quartalen. Hinzu kommen in den letzten Tagen aber neue Sorgen über den Wechselkurs. Der Euro rutschte diese Woche bedrohlich nahe an den von der Nationalbank deklarierten Mindestkurs von 1,20 Franken. Im Devisenhandel mehren sich Stimmen, die von einem bevorstehenden Test der Verteidigungsbereitschaft der Nationalbank sprechen.

Die SNB-Direktoren Thomas Jordan und Jean-Pierre Danthine liessen zwar keinen Zweifel daran, dass die Nationalbank auch nach dem Rücktritt von Philipp Hildebrand den Mindestkurs mit allen Mitteln durchsetzen wird. In Marktkreisen wird die anhaltende Ungewissheit über die Hildebrand-Nachfolge dennoch als Unsicherheitsfaktor gewertet. Über eine Anhebung des Mindestkurses wird jedenfalls nicht mehr spekuliert.

Schwaches Weihnachtsgeschäft

Gemischte Signale kommen schliesslich von der Binnenkonjunktur. Das Weihnachtsgeschäft ist gemäss der diese Woche veröffentlichten Detailhandelsstatistik weniger gut ausgefallen, als dies erste Umfragen erwarten liessen. Das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel befürchtet für 2012 eine leicht rückläufige Entwicklung des Detailhandels, unter anderem wegen des anhaltenden Einkaufstourismus im Ausland. Anderseits zeigt der jüngste UBS-Konsumindikator für den Dezember einen leichten Anstieg. Die Ökonomen der Grossbank halten es für möglich, dass die Talsohle erreicht ist.

Der private Konsum dürfte auch dieses Jahr durch die Zuwanderung gestärkt werden. Diese Auffassung teilen auch die Ökonomen der Zürcher Kantonalbank. Sie verweisen zudem auf den relativ stabilen Arbeitsmarkt und sagen voraus, dass der private Konsum als mit Abstand wichtigste Komponente des Bruttoinlandprodukts 2012 um 0,8 Prozent wachsen wird.

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  • Peter Mayer am 02.02.2012 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Flaute aber die Gewerkschaften träumen

    Es herrscht ziemliche Flaute in vielen KMUs. Während die Gewerkschaften grössenwahnsinnig von 6 Wochen Ferien und noch mehr Lohn träumen.

  • Jacky M. am 02.02.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweizer Wirtschaft

    "wurstelt" wohl kaum. Die Schweizer Wirtschaft hat sich nur immer wieder und schneller an die Bedingungen angepasst. In Deutschland und Frankreich ist sowas schwieriger, da gehen sie dann schnell mal auf die Strasse. Die Auswirkungen sehen wir ja. Wenn unsere Gewerkschaften so stark wären, wie in diesen beiden Ländern, hätten wir die selben Probleme. Aber der Schweizer passt sich (noch) den Bedingungen an und hat darum (noch) die besseren Chancen.

    • Frage am 02.02.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      Was sehen "wir" denn da?

      @ Jacky: In Deutschland wurden in den letzten 5 Jahren 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen und die Auslastung der Industrie ist nach wie vor sehr hoch. In den vergangenen 5 Jahren gab es weder grosse Streiks noch sind dort die Menschen auf die Strasse gegangen. Im Übrigen: Was hat dies mit der Anpassung "des Schweizers" zu tun? Welche Auswirkungen sehen "wir"?

    • BenBen am 02.02.2012 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Keine grossen Streiks ?

      Die Bahn streikt doch alle zwei Tage mal wieder. 2.5 Millionen neue Arbeitsplätze ? Super, dann gleicht sich das mit 4 Millionen neuen Arbeitslosen super aus. Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.

    einklappen einklappen
  • Hans Birchler am 02.02.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zwergenaufstand für nichts.

    Lasst doch endlich den starken Franken sein. Es geht ja auch so vorwärts. (Gott sei dank sind wir nicht in der EU.)

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