Hass auf Veloverleih

03. Oktober 2017 08:45; Akt: 03.10.2017 17:07 Print

Schweizer sehen O-Bike als «chinesische Invasion»

von Raphael Knecht - Die Velos von O-Bike werden immer wieder Ziel von Vandalismus. Laut Experten läuft für die Firma aus Singapur noch viel mehr schief.

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200 O-Bikes wurden seit diesem Sommer in Zürich und Winterthur beschädigt. Warum die Schweizer so stark auf O-Bike reagieren, kann Julian Strassfeld, Sprecher des Unternehmens, nicht sagen. Für Experten Christian Fichter, Forschungsleiter der Kalaidos Fachhochschule, ist der Fall klar. Laut dem Wirtschaftspsychologen lief beim Schweizer Marktstart von O-Bike so ziemlich alles falsch. Das Unternehmen erhielt von Anfang an schlechte Presse und es besteht Verdacht auf Datenhandel. Dass O-Bike mit seinem Geschäft den öffentlichen Raum besetzt, sorgt ebenfalls für Unmut bei der Bevölkerung. «Schliesslich ist es auch einfach ein schlechtes Angebot», so Fichter. Die Velos seien für die Schweiz nicht geeignet, weil sie keine Gangschaltung hätten und so nicht bergtauglich seien. Ein wichtiger Faktor sei, dass O-Bike für viele Schweizer eine Art «chinesische Invasion» darstelle, erklärt Wirtschaftspsychologe Fichter. Laut O-Bike-Sprecher Strassfeld zeigt die öffentliche Diskussion, dass Vandalismus nicht toleriert wird. Die Vorfälle könnten das Unternehmen auch nicht davon abbringen, die Expansion in weitere Schweizer Städte in Betracht zu ziehen. «Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass die Velos nicht noch mehr vandalisiert werden», sagt derweil Wirtschaftspsychologe Fichter. Er glaube nicht, dass sich O-Bike in der Schweiz halten werde. Falls doch, würde sich die momentan spürbare Aversion der Schweizer allerdings legen. Konfrontiert mit Fichters pessimistischer Prognose sagt Sprecher Strassfeld: «Letztlich wird der Markt darüber entscheiden, welches Modell sich durchsetzt.»

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Seit O-Bike im Juli mit seinem mobilen Veloverleih in der Schweiz gestartet ist, steigt der Unmut gegen die Firma aus Singapur. Bei der Stadt Zürich gingen Reklamationen wegen blockierten Abstellplätzen ein, und jüngst kam es sogar zu Vandalismus gegen die grau-gelben Mietvelos.

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Auf die Frage von 20 Minuten, warum die Schweizer so heftig auf O-Bike reagieren, weiss Julian Strassfeld, Sprecher des Unternehmens, keine Antwort. Für Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule ist der Fall jedoch klar – er sei «ehrlich gesagt überrascht, dass die Velos nicht noch mehr vandalisiert werden».

«Einfach ein schlechtes Angebot»

Laut dem Wirtschaftspsychologen lief beim Schweizer Marktstart von O-Bike so ziemlich alles falsch. Das Unternehmen erhielt von Anfang an schlechte Presse. Zudem steht der Verdacht auf Datenhandel im Raum.

Dass O-Bike mit seinem Geschäft den öffentlichen Raum besetzt (siehe Box), sorgt ebenfalls für Unmut in der Bevölkerung. «Unterm Strich ist es einfach ein schlechtes Angebot», so Fichter. Die Velos seien für die Schweiz nicht geeignet, weil sie keine Gangschaltung hätten und so nicht bergtauglich seien.

Ein Sonderfall in der Sharing-Economy

Dass O-Bike etwas falsch machen muss, zeigt sich auch daran, dass Sharing-Economy-Angebote in der Schweiz in der Regel eher schneller akzeptiert werden als in anderen Ländern. Etwa Uber oder Airbnb würden in der Schweiz als ergänzendes und günstiges Angebot wahrgenommen, sagt Katarina Stanoevska-Slabeva, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen. «Die Sharing-Economy entspricht dem Geist der Schweizer Bevölkerung», so Stanoevska-Slabeva.

Obwohl der Schweizer Markt für O-Bike also grundsätzlich geeignet wäre, stellt das Unternehmen für viele Schweizer eine Art «chinesische Invasion» dar, wie es Fichter formuliert. Das Unternehmen werde als fremde und anonyme Firma wahrgenommen. Weil Konsumenten normalerweise die Tendenz hätten, Anbieter zu bevorzugen, die ihnen nahe seien, sei die Ablehnung von O-Bike eine wenig überraschende Konsequenz. Die Angst vor dem «grossen Unheimlichen aus dem Ausland» habe ausserdem tendenziell zugenommen.

O-Bike will Angebot ausweiten

Von den negativen Reaktionen lässt sich O-Bike-Sprecher Strassfeld nicht beirren: Die Vorfälle würden das Unternehmen nicht davon abbringen, sein Angebot auf weitere Schweizer Städte auszuweiten. Der Prozess sei allerdings zeitintensiv, da die Behörden sehr lange bräuchten, um zu entscheiden, ob O-Bike eine Bewilligung erhalte. In Luzern etwa läuft der Austausch schon seit mehreren Wochen – ohne klaren Entscheid.

Wirtschaftspsychologe Fichter glaubt unterdessen nicht, dass sich O-Bike in der Schweiz halten wird. Konfrontiert mit der pessimistischen Prognose, erwidert Sprecher Strassfeld: «Letztlich wird der Markt darüber entscheiden, welches Modell sich durchsetzt.» O-Bike fülle mit dem Angebot eine Marktlücke und sei «guter Dinge», da die Firma bereits eine aktive Community in der Schweiz und auch weltweit aufweisen könne.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 03.10.2017 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich dachte wir seien zivilisiert

    Irgendwie fremdschäme ich mich gerade ein wenig. Bei aller abneigung diesen O-Bikes gegenüber würde es mir nie in den Sinn kommen die zu beschädigen. Schämt euch!

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  • Alario am 03.10.2017 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Chinesische Bikes Nein aber...

    ... hauptsache alle 2 Jahre ein neues I-Phone/Samsung. Aber möglichst billig. Hypokrisie pur...

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  • 1 Tap am 03.10.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    LuL

    Wieso eine chinesische Firma?? Ich bin es satt. Gesendet von meinem iPhone :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 09.10.2017 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wie ist das jetzt?

    Wenn ich das Bike in einwandfreiem Zustand abstelle und einer schmeisst es danach in den See: Bin ich dann als letzter registrierter Benützer haftbar?

  • PROLLTRASH am 04.10.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sharing retards!

    im billigsten land das fahrrad kaufen. im teuersten vermieten. 2 fahrten und das geld ist drin. auch wenn diese sharing sachen alle scheinheilig und sinnlos sind... geldtechnisch gesehen idt es genial.

  • maja naef am 04.10.2017 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dem Stadtrat

    Wer öffentlichen Raum nutzt um Geschäfte zu machen muss dafür bezahlen. Jeder Wirt, der Stühle oder Tische zu weit auf das Trottoir stellt wird gebüsst. Nur weil die SP und die Grünen das Volk auf die Velos bringen will werden Gesetze missachtet. Dieser Stadtrat sollte abgesetzt werden.

  • Miki Jac am 04.10.2017 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Dänemark zum Beispiel

    Velo zu fahren ist sehr normal und populär in Dänemark . Ich verstehe nicht warum soll O-Bike ein Problem in Zürich sein. Es ist gut für die Gesundheit und die Umwelt.

  • Dä Täll am 04.10.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Leute sind einfach blind

    Es werden nicht mehr O-Bikes als andere Fahrräder zerstört. Nur macht man als Privater eben kein Tamtam draus. Aber so bekomme die O-Biker schön noch mehr gratis Werbung und verdienen auf Kosten anderer ihr Geld. Möchte mal die Kommentare der Beführworter sehe, wenn es um zB. einen Maronistand geht, der ohne Bewilligung und ohne für den Platz zu Bezahlen einfach mal da und mal dort steht.