Persönliche Daten

24. Oktober 2017 05:42; Akt: 24.10.2017 15:12 Print

Schweizer vertrauen eher den Banken als dem Staat

von Raphael Knecht - Schweizer sind eher bereit, persönliche Daten der Bank zu geben als dem Staat. Banken geniessen gleich viel Vertrauen wie der Freundeskreis.

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In der Schweiz sind die Menschen tendenziell eher bereit, ihre persönlichen Daten an Banken weiterzugeben als an die Behörden. Im Rahmen einer Umfrage sagte ein Drittel der rund 2000 in der Schweiz Befragten, es störe sie nicht, einer Bank ihre Daten inklusive persönlicher Anschrift und biometrischer Informationen preiszugeben. Beim Staat war es nur ein Viertel. Das Meinungsforschungsinstitut Populus führte die Umfrage im Auftrag von Visa durch.

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Ebenfalls ein Drittel der Schweizer Teilnehmer würden ihre vollständigen Daten an Freunde weitergeben. Somit geniessen Banken ein ähnliches Vertrauen wie der persönliche Freundeskreis. Bei Familienmitgliedern sind etwa die Hälfte bereit, Daten zu teilen.

«Grundsätzlich könnte man vertrauen»

«Bei der Preisgabe von personenbezogenen Daten spielt es für den Schweizer Konsumenten eine grosse Rolle, wer anfragt», sagt Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, zu 20 Minuten. Eine der grössten Befürchtungen sei, dass mit den Daten gehandelt wird. Deswegen gibt es etwa gegen die SBB Widerstand, weil sie mit ihrer App Daten sammelt. «Dabei könnte man seriösen Unternehmen grundsätzlich vertrauen», so Sigg.

Dass Unternehmen wie Banken in den Augen der Konsumenten etwas besser dastehen als die Behörden, weiss Ursula Uttinger, Präsidentin des Datenschutzforums Schweiz: «Es gibt in der Schweiz bei sehr vielen Personen ein nahezu unerschöpfliches Vertrauen für Banken.»

Staat schürt Misstrauen

Im Gegensatz zu den Banken macht sich der Staat in Sachen Datenschutz tendenziell unbeliebt. Das bereits bestehende Misstrauen wird laut Uttinger auch durch die Totalrevision des Büpf geschürt. Dabei handelt es sich um das Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs. Das neue Büpf ermögliche es dem Bundesrat, Schweizer besser zu überwachen und Daten jedes Bürgers auf Vorrat zu speichern, bemängelte das Komitee des gescheiterten Referendums «Stop Büpf».

«Dass die Finanzbranche etwas mehr Vertrauen in Sachen Datenschutz geniesst, dürfte insbesondere mit dem Bankgeheimnis zusammenhängen», sagt Francis Meier, Sprecher des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb), auf Anfrage von 20 Minuten. Aber auch für den Staat gebe es aufgrund erhebliche Einschränkungen, wenn es darum geht, welche Daten die Behörden bearbeiten dürfen. «Manche der Befragten sind sich dessen wohl nicht bewusst», so Meier. Andere wiederum seien vielleicht misstrauisch, weil ihnen die Fichenaffäre noch in Erinnerung ist.

Während im Zusammenhang mit dem Staat der Datenschutz stark thematisiert werde, sei vielen Menschen in der Schweiz gar nicht bewusst, wie viele Daten auch von Banken gesammelt werden, so Uttinger vom Datenschutzforum Schweiz. Schliesslich gebe man bei jeder Transaktion eine grosse Menge an Informationen preis.

Sicherheit dank Biometrie

Wenn es um den Schutz der geteilten Daten geht, vertrauen die Schweizer Teilnehmer der Populus-Studie vor allem biometrischen Technologien. Diese werden von 85 Prozent als sichere Authentifizierungsmethode beurteilt. Im Gegensatz dazu liegt das Vertrauen in nicht biometrische Daten bei knapp 70 Prozent.

Fingerabdruck und Iris-Scan schneiden bei den Befragten besonders gut ab. Dafür traut weniger als die Hälfte der Teilnehmer der Gesichtserkennung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 24.10.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der kleine Unterschied

    Im Vergleich zum Staat haben Banken mit der Datensicherheit a) mehr Erfahrung und b) dürfen sie sich bei weitem nicht alles leisten, was der Staat neuerdings macht. Wenn ein Massenüberwachung-Gesetz dem Volk mit dem Argument « Terrorbekämpfung » verkauft wird, 2 Tage nach Einführung aber für alles andere verwendet wird, ist das nunmal nicht sehr vertrauenswürdig. Zudem ist Väterchen Staat stets der letzte, wenn es darum geht Verantwortung zu übernehmen, wenn die heiklen Daten z.B durch Hacker-Angriffe entwendet und missbraucht werden. Somit werden CH-Bürger doppelt ausgeliefert.

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  • Chuck Nortis am 24.10.2017 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Beamtenfreund

    Kein Wunder. Beim Staat gibt es so viele Sesselfurtzer die nichts suf die Reihe kriegen. Beispiel: Der Staat versucht nun sicher seit 10 Jahren E-Voting zu erfinden. Und für so eine Glanzleistung bezahle ich noch Steuern. Bei den Banken gibt es Online Banking seit 15 Jahren...

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  • Systemfeind am 24.10.2017 05:55 Report Diesen Beitrag melden

    Sagt wer nochmals? Popolaus?

    Äh. Nein. Kann nicht sein. Oder warum haben die Schweizer das NDG angenommen? Da muss unendlich Vertrauen gegenüber dem Staat bestehen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schneeflocke am 25.10.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total daneben

    Also kürzlich hat ein Politologe im Schweizer Fernsehen tatsächlich den Satz rausgelassen, dass es auf der ganzen Welt keine Volk gibt, das so mit ihren Politikern verwachsen sei und so grenzenloses Vertrauen habe wie die Schweizer. Ich dachte ich hör nicht richtig. Wer solche Aussagen macht, hat den Bezug zur Realität verloren.

  • wooz am 25.10.2017 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weder noch

    Vertrauen und Banken in einem Satz, da muss ich wirklich herzlich lachen.

  • Henry am 25.10.2017 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Mit unseren Politikern stimmt was nicht.

    Schweizer vertrauen eher den Banken als dem Staat. Wenn das so ist, dann stimmt aber etwas nicht mit unseren Politikern, und die merken das nicht einmal.

  • Klaus am 25.10.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder.

    Eigentlich sollte das unserer Regierung massiv zu denken geben das man kein Vertrauen mehr in sie hat. Aber wenn man sieht das praktisch alle nur noch Lobby Angestellte sind und sich keinen deut um die Bedürfnisse der Bevölkerung kümmern dann müssen sie sich nicht darüber wundern. Das man allerdings den Banken trauen kann glaube ich jedoch auch nicht.

  • Roland K. am 25.10.2017 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung vor der Migrosbank!

    400 Fr. Saldierungsgebühr verlangte uns die Migrosbank bei einer normalen Beendigung einer kleinen Hypothek! Banken sind zu mächtig und nicht fair!