Mehr Ferien, mehr Feiertage

09. Juli 2017 05:56; Akt: 09.07.2017 11:07 Print

Schweizer werden immer arbeitsfauler

Der zunehmende Wohlstand in der Schweiz macht sich bei der Arbeitsdauer bemerkbar. Wir arbeiten immer weniger – genau gesagt 1562 Stunden pro Jahr.

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Deutlich mehr Ferien und mehr Feiertage als noch 1950: Die meisten Schweizerinnen und Schweizer arbeiten im Vergleich zu früher weniger. (12. Mai 2009)

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Wir sehen uns gerne als Büezer. Und auch ennet der Grenzen gilt das Schweizer Volk als arbeitssam und fleissig, so ein Klischee. Dieses Bild mochte in den fünfziger Jahren zutreffen, scheint aber heute längst überholt. Denn seit 1950 ist die Arbeitsdauer in der Schweiz um einen Drittel gesunken. Gemäss einer neuen Studie der Konjunkturforschungssstelle (KOF) der ETH Zürich beträgt die durchschnittliche Jahresarbeitszeit nur noch 1562 Stunden. Im Jahr 1950 schufteten die Schweizer Arbeiter noch 2400 Stunden jährlich wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Arbeiteten die Menschen vor siebzig Jahren noch 49 Stunden pro Woche, sind es heute weniger als 42 Stunden. Der zeitliche Einsatz der Schweizer liegt damit nur wenig höher als in Frankreich mit 1474 Stunden – obwohl dort die gesetzliche Arbeitszeit mit 35 Stunden pro Woche sehr tief ist. Der Grund für die geringe Differenz ist gemäss der «NZZ am Sonntag» der hohe Anteil der Teilzeitarbeit in der Schweiz: Mit 37 Prozent liegt die Quote rund doppelt so hoch wie in Frankreich. Gerade einmal 41% der Frauen arbeiten Vollzeit. Und bei den Männern ist der Anteil auf zuletzt 83% gesunken. Dabei gelten für die Statistiker Personen, welche einen halben Tag pro Woche frei haben, auch als voll erwerbstätig.

Mehr Ferien, mehr Wohlstand

Es wird heutzutage nicht nur weniger gearbeitet, sondern auch häufiger Ferien gemacht. Die freien Tage haben sich gar verdoppelt. Begnügten sich die früheren Generationen mit zwei Wochen Ferien pro Jahr, gönnen wir uns heute im Schnitt 5,2 Wochen. Und 1950 kam nur jeder siebte Angstellte in den Genuss eines freien Samstags.

Die zeitliche Belastung ist zusammenfassend in den vergangenen Jahrzehnten um einen Drittel gesunken. Dies sei der höheren Produktivität zu verdanken, erklärt Studienautor Michael Siegenthaler in der «NZZ am Sonntag»: «Der massive Rückgang der Arbeitszeit dokumentiert den eindrücklichen Anstieg des Wohlstands in unserer Gesellschaft.» Trotz mehr Freizeit allerdings würden viele Menschen klagen, dass sie unter einem chronischen Zeitmangel leiden.

Nicht nur im Vergleich zu früher schneidet das Schweizer Volk fauler ab, sondern auch im internationalen. In vielen Ländern arbeiten die Angestellten im Schnitt mehr Stunden als bei uns, so etwa in Österreich (1608 Stunden), Grossbritannien (1674 Stunden) und insbesondere in den USA mit 1770 Stunden. Auf den tiefsten Wert kommen die Deutschen mit 1371 Stunden pro Jahr. Die Südkoreaner schuften gemäss «NZZ am Sonntag» für ihren Wohlstand gar 2213 Stunden – so viele waren es in der Schweiz letztmals im Jahre 1966.

(foa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • The Truth am 09.07.2017 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kranke Gesellschaft

    Was für ein heuchlericher Artikel. Das Bedürfniss nach mehr Ferien kammt daher, dass immer wie mehr Menschen das gefühl haben man lebe in einer modernen Sklaverei. Heute kannst du als "Büezer" niemals auf einen grünen Zweig kommen. Firmentreue wird nicht mehr belohnt wie früher und zuguterletzt wirst du 5 Jahre vor der Pension gefeuert wenn du ein arbeitbedingtes Gebrechen hast, denn jeder ist austauschbar. Wir haben höchstens vergessen das wir mehr leben sollten und weniger arbeiten.

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  • arbeit nehmer am 09.07.2017 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wochenstunden

    ich denke, die meisten arbeiten deutlich mehr als 42h pro woche.

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  • Hulck am 09.07.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe das anders..

    Es gibt so viel mehr Druck wie früher !!! Es werden überall nur noch das minimum an Angestellten eingestellt, wenn die Leute in den Ferien sind oder krank werden , rudern der Rest im Stress , dann die Angst die Stelle zu verlieren wenn man nicht "mit macht" und Druck Stundenlohn mit spontan erwarteten Minus und Überstunden ..Psychisch halten wir so viel Druck aus, dass dies irgendwo ein Fentil braucht , Ferien oder man leistet sich 80% Job um kein Burnout zu bekommen ... ich bin sicher die Schweizer sind nicht faul !! Und wir müssen die sozial tragen , die nicht arbeiten (das sind oft keineCH)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 09.07.2017 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Faul?

    Das nennt man nicht faul, sondern effektiv und effizient!

  • Henä am 09.07.2017 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Fleiss kein Preis

    Mein Arbeitstag fängt jeden Morgen vor sechs Uhr in der Früh an. Ich arbeite nicht weil ich muss, sondern weil die Arbeit fast die hälfte meines Lebens ausmacht. Sie soll Spass machen. Wenn die Arbeit spass macht, arbeitest Du auch automatisch länger. Das hat nichts mit ausnützen zu tun. Ich habe ein Ziel, erreiche es und werde entsprechend entlöhnt. Eben, ohne Fleiss kein Preis. Und das wichtigste ist Bildung. Vom ersten Tag deines Lebens bis Amen.

  • Andreas Dietrich am 09.07.2017 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik lügt nicht; Statistiker schon

    Ich erinnere mich an Zeiten, als die durchschnittliche 4-Zimmerwohnung im Zentrum Zürichs nur CHF 1600.- gekostet hat. Die war zwar in keiner einzigen Anzeige zu finden, aber egal. Das hat sich erst geändert als echte Statistiker den Wohnungsmarkt untersucht hatten und die Märchenerzähler entlarvt wurden. Laut Seco sinkt die Arbeitslosigkeit in der Schweiz; auch so ein Märchen! Und nun noch das Märchen der Faulheit. Die Studie ist schon deshalb grundfalsch, weil einige Arbeitnehmer/-innen mehr als nur 1 Stelle haben. Hoffentlich werden diese faulen inkompetenten Statistiker nicht gut entlöhnt.

  • Ch.U.R. am 09.07.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Die Motivation viel zu arbeiten nimmt immer mehr ab, weil uns der Staat den grössten Teil vom Lohn gleich wieder ab nimmt und verteilt. Sollte der Vaterschaftsurlaub kommen, dürfen wir schon wieder mehr abdrücken.

  • D. Nukem am 09.07.2017 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch gar nicht

    Immer arbeitsfauler ? Ja ist da noch eine steigerung möglich ?