Xing-Umfrage

10. Mai 2017 05:44; Akt: 10.05.2017 09:53 Print

Schweizer wollen wissen, was die Kollegen verdienen

Welchen Lohn kassiert der Chef, welches Salär hat der Arbeitskollege? 70 Prozent der Bevölkerung sind für transparente Löhne. Sie erhoffen sich mehr Fairness.

HR-Experte und Buchautor Jörg Buchmann im Videostatement.
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In Firmen ist das Thema Lohn allgegenwärtig: Wie viel verdient der nachlässige Kollege aus dem Projektteam, welchen Betrag kassiert der Abteilungsleiter, der immer um 17 Uhr abrauscht? Klar ist: Gehälter bewegen die Gemüter. Den eigenen Lohn behalten die meisten dann aber doch lieber für sich. Und wer eine individuelle Lohnerhöhung erhält, hängt das meist nicht an die grosse Glocke. Der Grund: Die Arbeitskollegen könnten mit Neid reagieren.

Umfrage
Wissen Sie, wie viel Ihre Arbeitskollegen verdienen?
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Insgesamt 3233 Teilnehmer

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Obwohl der eigene Lohn in der Schweiz ein Tabuthema ist, sprechen sich mehr als zwei Drittel für Lohntransparenz aus. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Karrierenetzwerks Xing. 71 Prozent der Befragten befürworten eine Veröffentlichung aller Einkommen, um Transparenz im Unternehmen zu erzeugen. Dabei zeigt sich, dass rund ein Drittel stark dafür ist. Unter den 29 Prozent Kritikern sind nur rund 7 Prozent entschieden dagegen. Die Erhebung bei 1000 Personen aus der Deutschschweiz wurde im April durch die Meinungsforscher von Marketagent durchgeführt.

«Bewerber werden zum Lügen gezwungen»

«Transparenz ist ein gutes Mittel, um Diskriminierung zu bekämpfen. Das gilt im Speziellen für den Lohn», sagt HR-Experte und Buchautor Jörg Buckmann zu 20 Minuten. Er spielt insbesondere auf den Bewerbungsprozess an: Hier würden viele Betriebe mit der Frage nach dem aktuellen Lohn einen unwürdigen Lohnpoker spielen. Die Folge: «Der Bewerber wird zum Mitpokern oder sogar zum Lügen gezwungen», so Buckmann, der die Bekanntgabe des vorgesehenen Lohnbandes insbesondere in den Stellenausschreibungen befürwortet.

Wie die Xing-Erhebung weiter zeigt, glauben zwei Drittel der Befragten, mit der Lohntransparenz würde die Lohnfairness steigen. Zudem geht jeder Zweite davon aus, von diesem Umstand persönlich profitieren zu können. Insbesondere Frauen (61 Prozent) erhoffen sich von der Transparenz mehr Lohnfairness, während die Mehrheit der Männer (58 Prozent) nicht damit rechnet, persönlich zu profitieren.

Lohnsystem beruht auf Funktionsbewertung

Firmen mit total offener Salärstruktur gibt es in der Schweiz nur ganz wenige. Eine davon ist die Alternative Bank Schweiz, die die Transparenz bereits bei ihrer Gründung 1990 eingeführt hat. Die rund hundert Angestellten erfahren einmal im Jahr über eine im Intranet veröffentlichte Liste, was die Kollegen verdienen. Diskussionen deswegen gebe es keine, sagt Banksprecher Bruno Bisang. «Unser Lohnsystem beruht auf einer Funktionsbewertung. Somit erhalten Frauen und Männer in der gleichen Funktion den gleichen Lohn.» Zudem betont die Bank, bei Neueinstellungen positive Rückmeldungen für das System zu erhalten.

Volle Lohntransparenz in der Firma ist laut Buckmann eine Frage der Unternehmenskultur. Bei vielen Traditionsfirmen würden die Mitarbeiter durch ein solches Vorgehen vor den Kopf gestossen. Bei völlig unverkrampften Jungunternehmen aus dem Digitalbereich sei eine Offenlegung hingegen weniger problematisch und passe zum Spirit. «Vermutlich sind hier auch die Lohnunterschiede kleiner», so Buckmann.

Wer mehr verdient, ist skeptisch

Die Xing-Umfrage zeigt, dass Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 110'000 Franken einer Lohntransparenz noch mit 55 Prozent zustimmen. Zum Vergleich: Befragte mit einem Jahreseinkommen von weniger als 70'000 Franken sprechen sich 79 Prozent für eine Veröffentlichung der Einkommen aus.

Laut Buckmann könnte sich eine vollständige Lohntransparenz aber auch negativ auf ein Unternehmen auswirken: «Das Risiko, dass bei einer Einführung die Lohndiskussionen zu- statt abnehmen, ist gross.» Gegen eine Offenlegung der Löhne spricht laut Buckmann auch, dass der Lohn vielerorts mit dem Jahresgespräch verknüpft ist und damit Rückschlüsse auf die Bewertung möglich wären.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 10.05.2017 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    da es sich hierbei...

    ...um eine xing-umfrage handelt, kann man überhaupt nicht von repräsentativ sprechen und die verallgemeinerung auf "schweizer" und "bevölkerung" ist ein witz der versucht aus etwas unseriösem etwas seriöses zu machen. solche umfragen sind höchstens werbung für den veranstalter der umfrage, wie hier xing, aber realitätsbezug gibt es dann leider keinen, da man nur einen winzigen teil einer ganz bestimmten gruppe befragt...

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  • Bogo am 10.05.2017 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn wird...

    ..wohl immer ein Tabuthema sein. Jeden interessierts natürlich aber niemamd will darüber reden.

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  • Walter am 10.05.2017 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor den Kopf gestoßen

    Leider hab ich vor kurzem erfahren, dass mein 15 Jahre jüngere Arbeitskollege nur 200 Fr. Brutto weniger verdient als ich. Ich fühle mich vor den Kopf gestoßen. Zumal er ständig grobe Fehler macht und praktisch keine Erfahrung hat , ist auch erst ein Jahr bei uns. Ich hingegen bin über 9 Jahre im Betrieb, hab nie nach mehr Lohn gerufen. Hab aber manchmal Lohnerhöhung gekriegt. Und jetzt das.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gregor Fröhlich am 11.05.2017 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz nicht nur beim Lohn

    Die Offenlegung des Lohnes, ist ein kleiner Bestandteil der Transparenz zum befreiten Unternehmen. Die Ttansparenz von allen Informationen in einem Unternehmen ist eine Voraussetzung für die Unternehmen von morgen. Wer da nicht mit macht, wird es schwierig haben, zukünftig Mitarbeiter für sich gewinnen zu können.

  • Quantenspringer am 11.05.2017 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Fairer Lohn?

    Nach dem ersten Jahr als Geschäftsführer habe ich Alle Löhne drm Leistungsniveau angepasst. Für einige meiner Mitarbeiter, die bislang unterbezahlt waren, hatte das teils grosse Lohnsprünge nach oben zur Folge. Leider ist es nicht ganz so einfach, die Löhne der 'nicht Performer' zu kürzen. Ich wurde früher selber sehr tief gehalten und musste ein halbes, teils sehr träges Team mit zu zerren. Ich habe mir immer gesagt: 'ich mache das mal änders'. Ich habe das relativ Offen (ohne beträge) kommuniziert und stelle fest, dass auch dadurch die Leistungsbereitschaft generell zunimmt.

  • M.G. am 11.05.2017 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage der Mentalität

    In Schweden gilt seit 1766 das Öffentichkeitsgesetz nach dem alle behördlichen Dokumente zugänglich sein müssen, auch die welche die Privatspäre der Bürger tangieren. Unter gibt man den Namen und die Adresse einer Person ein und schon sieht man was diese Person so alles in ihrer Steuererklärung deklarieren musste hzw der Staat dort dokumentierte. Weil die Arbeitgeber wissen das jeder Schwede nachvollziehen kann was salärtechnisch in seiner Firma vergeht gibt es dort weniger Ungerechtigkeiten. In der Schweiz wäre so etwas unmöglich umzusetzen, das gäbe einen Aufstand.

  • millie am 10.05.2017 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mille

    mh.... wenn es um den mindest Lohn geht, dann müsste ich ja auch mehr verdienen, sonst mach ich nichts und hab brutto 4 mille?!?

  • Sklaverino am 10.05.2017 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Chefe

    verdient knapp fast ne halbe Million, das zu wissen macht mich irgendwie nicht glücklicher.