Auskunft über Salär

30. Dezember 2017 08:07; Akt: 30.12.2017 08:07 Print

Kommt bald auch hier die totale Lohntransparenz?

von Dominic Benz - Deutsche Firmen müssen bald Auskunft über die Gehälter geben. Auch in der Schweiz tut sich etwas.

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Ab Anfang Januar tritt in Deutschland das sogenannte Entgelttransparenzgesetz in Kraft. Dann kann jeder Angestellte bei seinem Arbeitgeber nachfragen, wie viel Lohn der Kollege erhält. Das Auskunftsrecht gilt in Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern.

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Damit will die deutsche Regierung mehr Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen beim Lohn schaffen. Eine Frau kann also mehr Lohn verlangen, wenn sie erfährt, dass sie weniger verdient als ihr männliches Pendant. Notfalls kann sie den Gang vor den Richter wählen, wie die «Welt» schreibt.

«Von Lohntransparenz kann nicht die Rede sein»

In der Schweiz gibt es kein solches Gesetz. Allerdings will man auch hierzulande gegen die Lohndiskriminierung gesetzlich vorgehen. Im Parlament ist derzeit eine Vorlage des Bundesrates hängig. Er will grössere Unternehmen dazu verpflichten, alle vier Jahre die Gehälter zu analysieren. Ein Entscheid sollte nächstes Jahr fallen.

Doch auch wenn die Vorlage durchkommt, können Mitarbeiter dann nicht einfach den Lohn der Kollegen beim Arbeitgeber erfragen. «Von Lohntransparenz kann nicht die Rede sein», sagt Jörg Scholten, Vergütungsexperte bei der Beratungsfirma Kienbaum, zu 20 Minuten. Zwar habe die Schweizer Vorlage den gleichen Ausgangspunkt wie das Gesetz in Deutschland: die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Doch die Herangehensweise sei eine völlig andere.

«Ein solches Gesetz ist ein Papiertiger»

Laut Scholten würde in der Schweiz ein ähnliches Gesetz wie in Deutschland wenig Sinn machen. Zum einen wäre der administrative Aufwand für die Unternehmen enorm. «Ein solches Gesetz ist ein Papiertiger», so der Experte. Zum anderen würde es das eigentliche Problem nicht lösen.

So hat der Unterschied der Gehälter gemäss Scholten wenig mit Lohnungerechtigkeit zu tun. Die Unternehmen würden bereits heute bei gleicher Arbeit für ausgeglichene Löhne zwischen den Geschlechtern sorgen. «Keine Firma kann es sich leisten, Frauen strukturell zu benachteiligen», sagt Scholten.

Scheindiskussion um Lohngerechtigkeit

Für ihn geht es daher nicht um Lohn-, sondern um Chancengerechtigkeit: «Frauen sind weniger im Kader und auf Top-Ebenen vertreten und machen weniger Karriere als Männer.» Auch die Vereinbarkeit von Job und Familie sei für die unterschiedlichen Einkommen verantwortlich. «Diese Probleme lassen sich aber nicht auf gesetzlicher, sondern nur auf gesellschaftlicher Ebene lösen», so Scholten. Unter dem Strich sei die Diskussion um Lohngerechtigkeit eine Scheindiskussion, mit der sich gut politisieren liesse.

In der Schweiz fallen vor allem Start-ups und kleinere Firmen mit innovativen Lohnsystemen auf, die beispielsweise gleiche Löhne für alle Mitarbeiter vorsehen. Davon sind traditionelle Schweizer Unternehmen weit entfernt.

Migros setzt Lohngleichheit systematisch um

So gibt es bei der Migros keine Transparenz beim Lohn. Der Detailhändler betont auf Anfrage aber, dass man den Grundsatz der Lohngleichheit systematisch umsetze. «Dadurch können die Mitarbeitenden davon ausgehen, dass für gleiche oder gleichwertige Arbeit auch entsprechende Löhne gezahlt werden», sagt eine Sprecherin.

Auch bei der Swisscom kann man die Löhne einzelner Kollegen nicht erfragen. «Doch Mitarbeitende können sehen, wie andere Funktionen eingestuft sind und welche Lohnbänder für die Funktionen gelten», teilt das Unternehmen mit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Frei am 30.12.2017 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Die dümmste Idee seit langem. Fördert Neid und unterbindet Besserzahlung für bessere Leistung. Ein Stück näher zum Kommunismus, obwohl der nie funktioniert hat. Aber die Faulen gewinnen scheint es immer.

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  • Bushrocker am 30.12.2017 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Finde ich gut! Da würde man endlich merken das viele faule oder unfähige Mitarbeiter total überbezahlt sind.

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  • Escobar am 30.12.2017 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Politik

    Scheindiskusion passt perfekt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland am 31.12.2017 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing

    Wenn ich die ersten Kommentare lese, wird mir klar, es würde nur noch gemobbt werden. Den jeder hat doch das Gefühl besser zu sein als der andere.

  • Fabian am 31.12.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nordische Model

    Schritt für Schritt nähern wir uns dem nordischen Model vom Norwegen. Als unparteiischer, pro direkte demokratie und grenzenloser transparenzbefürworter freuen mich diese News.

  • Arbeiter am 31.12.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder verhandelt seinen Lohn doch selber

    Wieso wird hier auf Lohntransparenz gepocht? Als Arbeitnehmer verhandle ich meinen Lohn selber und dieser wird so verhandelt das es sich für beide Parteien schlussendlich lohnt.Ein Unternehmen kann Lohnbänder veröffentlichen aber bitte nichtso etwas Privates. Alles schreit nach datenschutz aber hier soll dann wieder der Sozi gedanke wichtiger sein?

  • Mike Meier am 31.12.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wischi Waschi

    Beim Lohn kommt es auf das individuelle Verhandlungsgeschick an. Wer sich schlecht verkauft, bekommt nun mal weniger. Wer das einschraenkt, schraenkt nur die Motivation ein.

  • Morlem am 31.12.2017 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masochistisch

    So eine Lohnklage ist, wie ein Schuss ins eigene Knie. Ab dem Moment, wo ich meinen Arbeitgeber vor den Richter zerre, sollte ich mir Gedanken über mein weiteres Einkommen machen.