Kontrollfreaks und Brüller

10. Juli 2018 05:43; Akt: 10.07.2018 05:43 Print

So wehrst du dich gegen schwierige Chefs

Chefs, die einen anschreien oder sich bei jeder Kleinigkeit einmischen: keine schöne Situation für Angestellte. So sprechen sie ihre Vorgesetzten am besten darauf an.

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Elon Musk soll die Tesla-Ingenieure angebrüllt haben, als die Firma kurz davor stand, ein selbst gestecktes Produktionsziel zu erreichen. Matthias Mölleney, HR-Experte und Leiter Center für Personalmanagement an der HWZ, hat Tipps, wie man einen schwierigen Chef auf das Problem anspricht. Wer seinen Chef darauf ansprechen wolle, müsse sich , betont Mölleney: «Wenn ich meinem Vorgesetzten vorwerfe, er behandle mich nicht respektvoll genug, dann bringt es nichts, wenn ich ihn in diesem Gespräch auch respektlos behandle.» Angestellte sollte sich laut Mölleney fragen, ob sie dem Chef nicht auch immer mal wieder über den Fortschritt der Arbeit behält. Hier könnten Mitarbeiter argumentieren, dass sie ihre anderen Aufgaben noch , nicht darauf, was alles schlecht ist. Auch hier gilt: das Gespräch suchen. Bestimmt merkt der Chef auch selbst, dass er etwas präziser sein sollte, wenn die Angestellten. Ein passiv-aggressiver Chef übt Kritik nie direkt aus. Die Mitarbeiter können den Vorgesetzten aber fragen, ob oder wie sie es in Zukunft anders machen sollten. So liegt der Fokus erneut auf der . Wenn ein Chef nicht mit sich diskutieren lässt oder wenn es sogar schädlich sein könnte, komme eventuell ein Gespräch mit dem zu suchen. Ein anderes Thema im Umgang mit Vorgesetzten ist der Chef-Code. Ganz so direkt wie Morgan Freeman im Film «Lucky Number Slevin» sind nicht alle Chefs. Den einen oder anderen Chef-Satz muss man erstmal übersetzen: «Könntest du das übernehmen?» «Du musst das machen.» «Das ist unglücklich gelaufen.» «Jemand hat einen Fehler gemacht.» «Das muss bis dann klappen.» «Es ist fast unmöglich, das bis dann zu schaffen, also mach schneller.» «Kannst du mir das aufs Mail tun?» «Ich bin zu faul, mir das aufzuschreiben.» «Ich weiss, dass du das schaffen kannst.» «Du musst jetzt mehr arbeiten.» «Da müssen wir über die Bücher.» «Jetzt haben wir ein Problem.» «An grossen Aufgaben wächst man.» «Das wird schwierig.» «Das könnte noch besser sein.» «Das ist schlecht.» «Wir wollen vorhandene Synergien nutzen.» «Wir bauen Stellen ab.» «Veränderungen sind eine Chance, besser zu werden.» «Von jetzt an musst du alles anders und besser machen.»

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Tesla-Chef Elon Musk dürfte sich in letzter Zeit bei seinen Mitarbeitern ziemlich unbeliebt gemacht haben. Beim Endspurt zum Produktionsziel von 5000 Exemplaren des Model 3 pro Woche soll der Südafrikaner seine Ingenieure angebrüllt haben, wie «Business Insider» berichtet. Der Milliardär ist zudem dafür bekannt, dass er in Spitzenzeiten in einem Sitzungszimmer bei Tesla übernachtet, statt nach Hause zu gehen. Kurzum: Musk ist ein exzentrischer Chef, der seinen Mitarbeitern manchmal ganz schön auf die Nerven gehen dürfte.

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So wie Musks Angestellten geht es vielen Berufstätigen mit schwierigen Chefs. Ob der Vorgesetzte unhöflich ist, faul wirkt oder Kritik nicht klar ausdrücken kann – laut Matthias Mölleney, HR-Experte und Leiter Center für Personalmanagement an der HWZ, gilt die Devise: «Love it, change it or leave it.» Angestellte sollten also entweder lernen, sich mit dem schwierigen Chef abzufinden, sofern möglich, etwas an der Situation ändern oder allenfalls eine andere Stelle suchen.

Hier die Tipps des Experten zu den konkreten Problem-Situationen:


• Respektloser Umgangston
Der Chef schreit rum, als ob das die Mitarbeiter motivieren würde, mehr zu leisten. Dabei führt es nur zu Druck und Frustration. Wer seinen Chef darauf ansprechen will, muss sich gut vorbereiten, wie Mölleney betont: «Wenn ich meinem Vorgesetzten vorwerfe, er behandle mich nicht respektvoll genug, dann bringt es nichts, wenn ich ihn in diesem Gespräch auch respektlos behandle.» Vorbereitung sei grundsätzlich sinnvoll, so der Experte.


• Kontrollfreak
Alle zwei Minuten kommt eine neue Anweisung, oder der Chef will zumindest wissen, wie weit der Angestellte schon ist. Mitarbeiter spüren seinen kontrollierenden Blick permanent im Rücken. Angestellte sollten sich laut Mölleney fragen, ob sie dem Chef nicht selbst manchmal Anlass geben, ihre Arbeit zu kontrollieren. Spricht man das Problem an, gilt es, aufzuzeigen, wie der Vorgesetzte auch mit weniger Eingriffen einen guten und aktuellen Überblick über den Fortschritt der Arbeit behält.

Hast du auch einen schwierigen Chef oder hattest du mal einen? Was ist das Problem und wie gehst du damit um?


• Ewiger Delegierer
Man hat das Gefühl, der Chef selbst mache gar nichts selber – neue Aufgaben landen immer direkt auf dem Tisch eines Untergebenen. Hier könnten Mitarbeiter argumentieren, dass sie ihre anderen Aufgaben noch besser erledigen könnten, wenn sie nicht dauernd noch mehr aufgedrückt bekämen. Der Fokus solcher Gespräche muss laut Mölleney möglichst darauf liegen, was man erreichen könnte, nicht darauf, was alles schlecht ist.


• Unklare Anweisungen
Wenn der Chef jemandem eine Aufgabe zuteilt, weiss derjenige danach immer noch nicht, was genau der Vorgesetzte will. Immerhin wird dieses Problem oft kleiner, je länger man für den gleichen Chef arbeitet. Bis dann gilt aber auch hier: das Gespräch suchen. Bestimmt merkt der Chef auch selbst, dass er etwas präziser sein sollte, wenn die Angestellten jedesmal nachfragen.


• Passive Aggression
Er sagt, es sei schon alles gut so – aber es ist klar, dass er überhaupt nicht zufrieden ist. Ein passiv-aggressiver Chef übt Kritik nie direkt aus. Die Mitarbeiter können den Vorgesetzten aber fragen, ob oder wie sie es in Zukunft anders machen sollten. So liegt der Fokus erneut auf der Zukunft und man hat damit bessere Chancen auf ein konstruktives Gespräch.


• Keine Diskussion
Egal wie seltsam der Befehl des Chefs scheint, Mitarbeiter müssen gar nicht erst versuchen, ihn darauf anzusprechen. Er erwartet, dass das, was er verlangt, genau so gemacht wird. Wenn ein Chef nicht mit sich diskutieren lässt oder wenn es sogar schädlich sein könnte, komme eventuell ein Gespräch mit dem übernächsten Vorgesetzten infrage – sofern es einen gebe, dem man vertraue, sagt Mölleney. Sonst bleibe einem nur, sich mit der Art des Chefs abzufinden oder nach einer anderen Stelle zu suchen.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gusti am 10.07.2018 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nichtssagend

    Die Ratschläge sind so was von nichtssagend! Ein Gespräch suchen....wenn das immer so einfach wäre.

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  • Walter Portmann am 10.07.2018 06:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sklaventum 21. Jahrhundert

    Das heutige Sklaventum ist kein Deut besser als früher, heute wird einfach psychisch brutal fertig gemacht. Viel zu viele Chefs haben von Führung, Empathie und Sozialkompetenz zu wenig Kenntnis. Den Job wechseln zu müssen, obwohl man ihn liebt, kann keine Lösung sein !

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  • Wer Auch Immer am 10.07.2018 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Verzweifeln

    Leider treffen alle diese schlechten Eigenschaften auf meinen Chef zu. Damit abfinden kann ich mich nur schlecht, ihn zu ändern ist nicht möglich und den Job wechseln ist auch schwierig. Viele Leute stecken in solchen verfahrenen Situationen. Die Personalabteilungen geben oft auch zu wenig Unterstützung. Chefs sind nun mal Chefs.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Renz am 10.07.2018 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ist so

    Es ist einfach und an der tagesordnung den chef für alles verantwortlich zu machen und ihn schlecht zu reden. Aber keiner hinterfragt, wieso denn der chef den angestellten zurecht weisen musste. Es gibt immer zwei bei konflikten.

  • Peter Winter am 10.07.2018 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nichtssagend

    Welche Praxis aus der normalen Arbeitswelt hat dieser Herr Mölleney wohl auszuweisen? Die Tips sind sowas von nichtssagend.

  • Mitarbeiter am 10.07.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    in ruhe gelassen

    meiner lässt mich zumeist in ruhe arbeiten. aber wenn ich mal eine Auswertung oder sonstige daten aufbereiten muss, dann weiss ich schon im vornherein, dass ich es ein zweites mal mache. er erklärt mir, wie er es gerne hätte und ich mache es genau so. beim vorlegen kommt ihm dann noch dies und jenes in den sinn was ergänzt werden könnte. manchmal ist das etwas mühsam.

  • huschmie am 10.07.2018 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sprüche klopfen ist nicht alles

    Die Chefs sind vor allem zi denen gemein, die es sich nicht leisten können, einfach den Bettel hinzuschmeissen. Darum ist der Spruch von Herrn Mölleney auch nur bedingt anwendbar.

  • S. Bucher am 10.07.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Chef sein bräuchte ein Ausbildung

    Ich hatte einen Chef der offenbar mehr Zeit im Büro als Zuhause oder sonst wo verbringt. Zunehmend hat er dies auch von mir verlangt. Wenn ich ferien eingeben wollte musste ich kämpfen, dass ich 2 wochen am Stück nehmen konnte. Im Verlauf der Zeit habe ich immer mehr Verantwortung übernehmen können ohne jedoch auch mehr Lohn zu erhalten. Als ich nun endlich gekündigt habe wollte er mir auch noch die Schuld daran geben, dass ich nicht mehr verdiene. Beim Abschlussgespräch hat er mir auch noch 1/3 der Überstunden gekürzt und meine Arbeit nicht geschätzt. Ich bin froh nun nich mehr da zu sein...