Weltweite Zölle

01. Juli 2017 09:51; Akt: 01.07.2017 09:51 Print

So hart träfen Handelskriege die Schweiz

von F. Lindegger - Verschiedene Staaten liebäugeln wieder mit stärkerer Abschottung und Strafzöllen. Berechnungen zeigen die Auswirkungen eines weltweiten Handelskriegs auf die Schweiz.

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Spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA wird wieder intensiv über den internationalen Handel und Abschottung diskutiert. Trump droht Staaten, mit denen die USA eine negative Handelsbilanz haben, immer wieder mit Strafzöllen. Für die Schweiz als kleines Land mit einem Handelsüberschuss ist das Thema besonders relevant. 2016 beispielsweise wurden in die USA Güter im Wert von rund 31 Milliarden Franken exportiert. Die Importe aus den USA beliefen sich dagegen nur auf etwa 14 Milliarden Franken.

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Doch welche Auswirkungen hätten Handelskriege konkret auf die Schweiz? Diese Frage versuchte der Ökonom Ralph Ossa, der an der Uni Zürich lehrt, anhand verschiedener Modelle zu beantworten. Würden die weltweiten Zölle – ähnlich wie teilweise in den 1930er-Jahren – auf 60 Prozent erhöht, gingen die Schweizer Exporte um rund die Hälfte zurück.

Zwar wären diese Einbussen in China, der EU oder den USA noch höher. Doch da der Binnenmarkt dort viel grösser ist, würde sich das kaum auf den jeweiligen Wohlstand auswirken. Anders in der Schweiz: Hierzulande sieht das Modell für diesen Fall einen Wohlstandsverlust von 14 Prozent vor.

EU für Schweiz entscheidend

Am heftigsten schoss Trump bisher gegen die chinesische Handelspolitik und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA. Sollte es zwischen den USA und China beziehungsweise zwischen den USA sowie den übrigen NAFTA-Staaten Kanada und Mexiko zu massiven Erhöhungen der Zölle kommen, wären die Auswirkungen auf die Schweizer Exporte minim.

Bei einem Handelskrieg zwischen den USA und der EU sowie der Schweiz ergeben die Berechnungen einen Rückgang von etwa einem Prozent für das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP). Belegen sich die USA, die EU und die Schweiz gegenseitig mit Zöllen in der Höhe von 60 Prozent, droht der Schweiz gar ein Wohlstandsverlust von etwa zehn Prozent. Für die USA und die EU betrügen die Einbussen beim BIP dagegen weniger als ein Prozent. Wobei es sich bei sämtlichen Zahlen um grobe Schätzungen handelt.

Handel trägt viel zu Wohlstand bei

Die Untersuchungen von Ossa zeigen auch, wie stark die Schweiz vom weltweiten Handel profitiert. Insgesamt machen die Handelsgewinne hierzulande rund die Hälfte des BIP aus. Das ist deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt: Rund ein Viertel des globalen BIP geht auf Handelsgewinne zurück. Grundlage der Berechnungen ist die Analyse von 250 Industrien der 47 grössten Volkswirtschaften. Rund 10 Prozent der Handelsgüter sind dabei für 90 Prozent der Handelsgewinne verantwortlich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • von dort am 01.07.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    schlechter Bericht

    Sehr schlecht recherchiert. Mit den schlechtest möglichen Annahmen und was wäre wenn Szenarien sind noch nie verlässliche Prognosen erstellt worden. Was genau wird mit diesem Bericht eigentlich bezweckt und woher kommt der?

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  • Sara am 01.07.2017 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht abwärts

    Warum schon wieder diese Angstmacherei? Für den normalenBürger kann es eh nicht mehr schlimmer kommen, Angst vor Jobverlust, steigende Preise bei gleichem Lohn usw

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  • Simba74 am 01.07.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hab ich keine Angst

    wenn die Leute die Schweizer Produkte wollen dann zahlen sie es auch. Siehe Exportwirtschaft, Uhren Maschinen Stadler Ruag etc. Dieser Bericht ist unnötig...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A werd am 01.07.2017 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz ist nichts.

    Dieser Bericht geht schon viel zu zu sehr ins Detail: Es ist ganz einfach: Gemessen an der Weltwirtschaft ist rein basiert auf Zahlen die Schweiz ganz einfach: so ziemlich gar nichts. Niemand würde die Schweiz vermissen, wenn sie weg wäre. Wir haben also realistisch gesehen eine - global gesehen - sehr schwache Verhandlungsposition. Statt Abschottung gar noch vom Inland voranzutreiben sollten wir uns überlegen, ob sinnvolle Partnerschaften, insbesondere mit unseren Nachbarn für unser Land letztendlich eben nicht enorm wichtig sind.

  • qwertz am 01.07.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei unterschiedliche Massstäbe

    Finde ich seltsam. Seit Jahren hat die EU Sanktionen gegen Russland. Da wird nicht von Handelskrieg und Verarmung geschrieben sondern von Gerechtigkeit...

  • wetter macher am 01.07.2017 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zölle sind kein handelskrieg

    was reden hier alle von handelskriegen? es geht rein um importstrafzölle, das ist noch lange kein handelskrieg. das macht die schweiz seit langer zeit tagtäglich! zölle gab es schon immer, für steuereinnahmen und um die inländische wirtschaft zu schützen. zudem bin ich überzeugt, dass china ihre wirtschaft subventioniert und zwar massiv. chinesische firmen bieten produkte weit unter dem einkaufspreis für das material hierzulande (und eu!) an. ihr werdet staunen, wieviele produzierende firmen in naher zukunft ihre tore schliessen werden, weil von den grosskonzernen alles in billigstländern eingekauft wird. im patriotischen sinne ist somit trumps ansage völlig ok. aber den globalisierungsfreunden passt das natürlich gar nicht in den kram. überlegt euch einfach mal ein wenig, was uns denn die offenen grenzen gebracht haben. meiner meinung nach sind offene grenzen ohne zölle volkswirtschaftlicher suizid.

  • Anoninus am 01.07.2017 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit

    Viele junge (aber anscheinend auch ältere) Schweizer wissen wohl gar nicht, dass die Schweiz früher ein bettelarmes Land war und die Leute gezungen waren auszuwandern. Viele gingen als Söldner für ein fremdes Land kämpfen. Daraus ist übrigens die Schw. Garde entstanden. Eine traurige Geschichte ist das mit den armen Tessinerkinder welche nach Mailand geschikt wurden um dort für einen Hungerlohn die Kamine zu reinigen. War eine höchst gefährliche und ungesunde Arbeit. Nur weil es uns heute gut geht heisst das noch lange nicht dass das nimmer so bleibt. Ein bisschen Bescheidenheit statt Hochmut würde uns allen gut tun. Sicher ist, dass Handelhemmnisse uns schaden wird. Und wie sagt man? "Hochmut kommt vor dem Fall".

  • Noch Schweizer am 01.07.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flächendenkend gleiche Konditionen

    oder halt eben Landesgrenzen mit eigenständiger Entscheidungsgewalt. Der Begriff "Abschottung" kann auch durch den Begriff "Selbstregulierung" ersetzt werden. Die fehlende Selbstregulierung in der Schweiz z.B die PFZ und in Griechenland z.B die Abwertung der eigenen Währung sind existenzielle Instrumente für den Wohlstandserhalt in einem Land. Werden diese Instrumente durch Sanktionen blockiert, wie heute üblich, ist das Resultat welches heute ersichtlich ist sehr logisch. Das Problem ist nur, dass durch zunehmende Verschuldung nur das reichste % gewinnt und der Rest der Welt im Zins verkommt