Unternehmer und Sportfan

19. April 2018 11:57; Akt: 19.04.2018 12:15 Print

So kam Andy Rihs zu seinen Milliarden

von V. Blank - Hörgeräte machten ihn reich, Sportsponsoring populär: Der verstorbene Andy Rihs hat jahrzehntelang für Schlagzeilen gesorgt – auch wegen seiner Rückschläge.

Ein kurzer Rückblick auf Andy Rihs' Leben und Karriere (Video: 20M)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Er war einer dieser Superreichen, die trotz ihres enormen Vermögens nie abgehoben wirken: Andy Rihs. Er galt als Milliardär ohne Berührungsängste, gewiefter Unternehmer und Sportverrückter. Was er tat, tat er mit Leidenschaft.

Sein enormes Vermögen verdiente Rihs mit Hörgeräten. In der Reichsten-Liste des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» gehörte er zu den Top 100 der Schweiz. Zusammen mit seinem Bruder Hansueli und seinem Geschäftspartner Beda Diethelm sass er per Ende 2017 auf einem geschätzten Vermögen von 2 bis 2,5 Milliarden Franken.

«Als Junger wollte ich lieber reisen»

Dass er jemals in solche Sphären aufsteigen würde, hätte Rihs in jungen Jahren wohl selbst nicht gedacht. «Ich wollte lieber reisen, als um jeden Preis erfolgreich zu sein», sagte er im Jahr 2013 zu 20 Minuten. Es sei eher Zufall gewesen, dass er mit Diethelm einen Partner gefunden habe, der sich für Phonak, die in Konkurs geratene Hörgerätefirma seines Vaters Ernst Rihs, interessierte.

Mit der Übernahme von Phonak begann der wirtschaftliche Aufstieg des gelernten Kaufmanns. Etwas später stiess auch sein Bruder Hansueli zur Firma, die in den nächsten Jahrzehnten zu einer der grössten Hörgerätefirmen der Welt werden sollte. «Als wir begannen, hätte ich nie gedacht, dass wir die Nummer eins werden», sagte Rihs zu 20 Minuten, «wir waren die Nummer 200.» Doch mit dem Essen sei der Appetit gekommen.

Skandal um Insidergeschäfte

Andy Rihs führte das Unternehmen lange Zeit als oberster Firmenchef und zugleich als Verwaltungsratspräsident. Seit 2007 befinden sich Phonak und andere Kernmarken unter dem Dach der Sonova Holding AG. Die Firma erzielt heute mehr als zwei Milliarden Franken Umsatz pro Jahr.

Die Sonova galt unter Rihs Führung als Vorzeigeunternehmen, doch es gab auch Rückschläge. 2011 wurde Sonova von einem Skandal um unsaubere Börsengeschäfte erschüttert. Strafrechtlich blieb dieser aber folgenlos, Rihs bezeichnete ihn im Nachhinein als «Zwischenfall».

Seine schwerste Enttäuschung

In seinen Grundfesten erschüttert hat den Unternehmer und Radsportfan jedoch die Dopingaffäre im Phonak Cycling Team, das von seiner Firma gesponsert wurde. Der damalige Team-Captain Floyd Landis wurde vier Tage nach dem Sieg der Tour de France im Jahr 2006 des Dopings überführt.

Menschlich schwer enttäuscht zog Rihs die Reissleine und löste das einzige Schweizer Elite-Rad-Team auf. Später fand er mit dem BMC Racing Team zum Profi-Radsport zurück. Das Schweizer Fussballgeschäft mischten Rihs und sein Bruder ebenfalls auf, als sie um die Jahrhundertwende Besitzer des neuen Stade de Suisse und des Fussballklubs BSC Young Boys wurden. Seine Begeisterung für YB lebte er mitunter auch in gelbschwarzen Ringelsocken aus.

«Mein Ziel ist das Leben»

Der Selfmade-Milliardär galt als stets gut gelaunt, unkompliziert und war mit vielen sofort per Du. Seit seinem Rückzug aus dem Sonova-Verwaltungsrat im Jahr 2015 kümmerte er sich unter anderem hingebungsvoll um sein Weingut in Neuseeland und um eine Rinderfirma in den USA. Auch als Besitzer der Fahrradmarke BMC machte er sich einen Namen.

Ums Materielle gehe es ihm nicht, sagte er im Jahr 2015 zur «SonntagsZeitung» anlässlich seines Rückzugs aus dem Sonova-Verwaltungsrat. «Mein Ziel ist das Leben. Ich brauche das Geld, um zu leben und Sachen zu machen.»

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.