Superfood

14. Juni 2018 18:51; Akt: 14.06.2018 18:51 Print

Wie die Avocados in die Schweiz kommen

von Vanessa Sadecky - Der Hunger auf Avocados ist gross wie nie. Weil sie niemand kauft, wenn sie steinhart sind, brauchen sie eine Spezialbehandlung.

So sieht es im Inneren einer Schweizer Avocado-Reiferei aus. (Video: vay/20M)
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Sie ist nicht länger nur des Hipsters liebste Frucht: die Avocado, wegen ihrer rauen Schale und dem weichen Fleisch auch Alligatorbirne oder Butterfrucht genannt.

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In den letzten sieben Jahren haben sich die Avocado-Einfuhren in der Schweiz verdoppelt. Die Exotin ist nicht länger eine saisonale Frucht, sondern das ganze Jahr über erhältlich: 2017 wurden laut der Eidgenössischen Zollverwaltung über 14'000 Tonnen importiert. Das sind schätzungsweise 58 Millionen Avocados.

Kunden wollen reife Früchte in den Läden

Ein schnelles Ende des Avocado-Booms ist laut Romeo Giovanelli, Co-Geschäftsführer von Giovanelli, einem der grössten Avocado-Importeure der Schweiz, nicht zu erwarten. Die steigende Nachfrage und die Erwartung der Kunden, nur reife Früchte in der Obstabteilung zu finden, haben neue Lager mit Reifungskammern nötig gemacht.

Avocados müssen in der Schweiz nachreifen

In der Frauenfelder Reifungskammer von Giovanelli werden pro Tag mehrere Tausend Avocados gereift. In ihrem Innern ist es heiss und feucht, von der Decke tropft Wasser. Das tropische Klima beschleunigt die Reifung. Je nach Reife der Avocados bleiben die Früchte etwa vier Tage in der Kammer, bis sich ihre grüne Schale braun verfärbt hat. Danach werden sie in LKWs geladen und auf Supermärkte im ganzen Land verteilt.

Über die Schattenseite des globalen Avocado-Handels spricht man in Frauenfeld offen. Der Anbau von Avocados braucht enorm viel Wasser, und da sich viele Anbaugebiete gerade in von Dürren betroffenen Ländern wie Chile und Peru befinden, wird dies zum Problem. «Wir importieren wegen der Wasserknappheit keine Avocados mehr aus kritischen Gebieten wie Petorca in Chile. Wir setzen auf neue Anbaugebiete wie Südafrika», sagt Romeo Giovanelli zu 20 Minuten.

Wasserknappheit je nach Region unterschiedlich

Laut Umweltforscherin Franziska Stössel von der ETH Zürich ist es schwer zu beurteilen, ob dieser Entscheid per se nachhaltiger ist. «Gerade in Südafrika ist die Verfügbarkeit von Wasser je nach Region verschieden und kann sich unterschiedlich stark auf die Ökobilanz auswirken.»

Dass die Avocados von Giovanelli zum grössten Teil mit dem Schiff und LKW ihren Weg aus Südafrika in die Schweiz finden, beurteilt Franziska Stössel positiv. «Im Vergleich zum Flugweg dürften mit dieser Mischform rund 13-mal weniger Co2 ausgestossen werden.»

Avocados sind nicht die einzigen Exoten, deren Nachfrage in den letzten Jahren hochgeschnellt ist. Auch die Einfuhren von anderen Exoten wie Mangos, Granatäpfeln und Ingwer zeigen nach oben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G-Zero am 14.06.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    food trends

    Vergisst diese food trends. Lieber regional und möglichst saisonal. Dafür sprechen: - bessere CO2 Bilanz - gesünder da schweizer Standarts hoch sind somit weniger pestizide - weniger Wasserverbrau - besser für unsere Wirtschaft - usw. Schönen Abend

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  • Gasa am 14.06.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trendy

    Superfood ist nur solange gut wie es nicht Trend ist. Danach beginnt die ökologische Katastrophe. Sie Cia-Samen etc.

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  • Sarah am 14.06.2018 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mexiko geht vor die Hunde

    Mexiko und Chile gehen gerade vor die Hunde wegen dem Verschleiss von Avocados in der Schweiz. Wer sich die noch kauft man sich direkt und mit Vorsatz schuldig, dass kaum noch genügend Trinkwasser zur Verfügung steht und die Natur kaputt geht, weil eine einzige Avocadopflanze rund 1000 Liter Wasser benötigt. Ein Kilo Tomaten braucht keine 20% davon.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • müsst ihr wegen mir nicht importieren am 15.06.2018 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag

    Avocados gar nicht. 2x Probiert, langt fürs Leben

  • A. Schwab am 15.06.2018 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wasserverbrauch enorm

    Um ein Kilo Avocados zur Reife zu bringen, braucht es zirka tausend Liter Wasser. Den gewaltigen Durst dieses sogenannten Superfoods können manche Farmer nur decken, indem sie illegal Flüsse anzapfen. Ist gleich etwas weniger super!

  • Syb am 15.06.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserknappheit

    Wenn man bedenkt, wieviel kostbares Wasser für den Anbau nötig ist, finde ich es schlimm, dass Avocado das ganze Jahr über in solchen Mengen bei uns verkauft werden! Und dann steht im Artikel, dass diese aus Südafrika importiert werden! Es ist doch kein Geheimnis, dass dort Wasserknappheit herrscht, oder? Ich weiß nicht, wo das endet . Die Regale in unseren Supermärkten sind übervoll, und alles das ganze Jahr über... bedenklich!

  • Pius K. am 15.06.2018 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    keine Avocado

    ich bin allergisch gegen Avocado, somit erübrigt sich bei mir die Frage.

    • Man lernt nie aus. am 15.06.2018 21:07 Report Diesen Beitrag melden

      Danke für diesen Beitrag.

      Man kann also auch allergisch auf den Verzehr von Avocados reagieren. Werde in Zukunft aufpassen müssen, sie weder mit Schale zu essen (die allergischen Reaktionen fallen dann vermutlich recht brutal aus) noch von einer oder gar von mehreren gestochen zu werden. So was kann wohl tödlich enden. Ich werde von nun an auf der Hut sein!!

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  • Innerschweizer am 15.06.2018 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Representative

    Bei den Kommentaren zeigen sich die meisten kritisch gegenüber Avocados, bei der Umfrage finden sie 90% gut. Das ist genau gleich wie bei den Abstimmungen.