«Private Banking» im Realitätscheck

15. Dezember 2017 11:40; Akt: 15.12.2017 23:05 Print

So sieht ein Ex-Bankchef das SRF-Finanzdrama

von S. Spaeth - Gierige Banker, unversteuerte Vermögen, Geldwäscherei: «Private Banking» ist auch eine Abrechnung mit dem Finanzplatz. Was sagt ein Insider zum SRF-Film?

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Der Finanzwelt-Zweiteiler «Private Banking» läuft am 17. und 18. Dezember um 20.05 Uhr auf SRF1. Regie geführt hat Bettina Oberli, die unter anderem durch den Film «Die Herbstzeitlosen» bekannt geworden ist. Ein Gong pro Million: Für jede neu akquirierte Million läutet Bankchefin Caroline Pfister (Stephanie Japp) die Glocke. Ein Bankier von altem Schrot und Korn: Leopold Weyer (Christian Kohlund). Nach einem Schicksalsschlag muss plötzlich die Tochter das Lebenswerk ihres Vaters retten. Banking-Superstar Marco Antonelli (Marc Benjamin, r.) bezirzt einen neuen Kunden, den Dänen Asmund Birger (Peter Mygind). Tun Privatbanker wirklich alles fürs Geld? Handelseinig werden sie sich Asmund Birger (Peter Mygind) und Marco Antonelli (Marc Benjamin) beim Pissoir: «Versprichst du mir, dass du mein Geld beschützt wie dein eigenes?», fragt Birger. Kunden zügeln bei der Privatbank Weyer ihr Geld ab. Caroline Weyer versuchte den Kunden Heinrich Bodmer (Michael Gempart) bei der Stange zu halten. Banking-Superstar Marco Antonelli (Marc Benjamin) und Caroline Pfister treffen sich in der Bar des Zürcher Hotels Dolder. Schwarzgeld? Geldwäscherei? Compliance-Officer Stefanie (Anna Schinz, l.) zeigt der Bankchefin ein Problem bei den Kundendaten. Auditor Adrian Wyss (Joel Basman) droht die Bank Weyer zu überführen. Erstes Gastspiel einem TV-Film: Tami Glauser (l.) und Dominique Rinderknecht (M.) haben einen Kurzauftritt als DJs. Die Bank Weyer befindet sich in der Nähe das Bahnhofs Enge in Zürich.

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Total übertrieben – oder entspricht das im SRF-Zweiteiler «Private Banking» Dargestellte den Tatsachen auf dem Finanzplatz Zürich? 20 Minuten hat sich den Film (Ausstrahlung 17. und 18. Dezember, 20.05 Uhr) vorab angeschaut und mit einem ehemaligen Privatbank-CEO* anhand von fünf Szenen den Realitätscheck gemacht.

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Eigentlich geht es in «Private Banking» um zwei grosse Fragen: Kommt zuerst das Fressen oder die Moral? Und tragen wir eine Verantwortung für das, was die Eltern aufgebaut haben?

Plötzlich Bankenchefin

Erzählt wird im SRF-Zweiteiler die Geschichte von Caroline Weyer, die zur Chefin einer Zürcher Privatbank wird und das Lebenswerk ihres Vaters zu retten versucht.

Die Regulatoren drohen Machenschaften der Bank auf die Schliche zu kommen, und weil das Schweizer Bankgeheimnis unter Druck gerät, wandern Kunden ab. Gegen den Willen ihres Bruders versucht Caroline Weyer, das Ruder herumzureissen, und enthüllt nicht nur die Geheimnisse der Bank, sondern auch jene der eigenen Familie.

Szene 1: Wie fängt ein Privatbanker Kunden?
Kundenberater Marco Antonelli (Marc Benjamin) muss Neugelder akquirieren: Den reichen Dänen Asmund Birger (Peter Mygind) passt Antonelli vor einer Bijouterie ab und folgt ihm durch die Stadt. Das Ziel: mit dem Dänen in Kontakt zu kommen. In einer Bar trifft Antonelli scheinbar zufällig auf Birger und kommt dank eines Kompliments für seine Luxusuhr mit ihm ins Gespräch.

Das sagt der Ex-CEO: «Die Szene ist etwas überzeichnet, aber nicht total unrealistisch. Auch die Uhrenmasche ist denkbar, denn die Privatbanker mussten ja irgendwie mit den Leuten ins Gespräch kommen. Die Methoden der Kaltakquise waren sehr aggressiv. Typen wie Antonelli wollen weiterkommen, koste es, was es wolle.» Schnellcheck-Urteil: Realitätsnah.

Szene 2: Für Geld tut der Banker einfach alles
Antonelli und der reiche Däne betrinken sich in einer Bar. Handelseinig werden sie sich beim Pissoir: «Versprichst du mir, dass du mein Geld beschützt wie dein eigenes?», fragt Birger. Weil der Däne zu besoffen ist, um die Hose zu öffnen, geht Antonelli ihm zur Hand. «Und jetzt schüttle», verlangt Birger von Antonelli. Tut der Privatbanker einfach alles fürs Geld der Kunden?

Das sagt der Ex-CEO: «Diese Pissoirszene ist masslos übertrieben. Auch ein Privatbanker hat seine Grenzen. Realistischer wäre es gewesen, Antonelli hätte seinem reichen Kunden Callgirls bestellt. Vor allem Russen und Araber standen darauf. Aber jetzt ist das vorbei, da die Rechtsabteilungen genauer hinschauen.» Schnellcheck-Urteil: Eher unrealistisch.

Szene 3: Ein Gong pro Million Franken
Obwohl wichtige Kunden abspringen, ist es der neuen Bankchefin Caroline Weyer gelungen, einen alten Kunden ihres Vaters zu halten. Zu ihrer Überraschung erhöht er den bei der Bank Weyer angelegten Betrag um etliche Millionen. In der Bank Weyer gilt das Ritual: Für jede neu akquirierte Million läutet die Glocke.

Das sagt der Ex-CEO: «Diese Art von Ritual fürs Neugeld ist realistisch. Je nach Bank sind das Glocken, Alarm-Lampen oder grosse Tafeln, worauf die Neugelder und die dafür verantwortlichen Mitarbeiter aufgelistet werden. Wer am meisten Geld reinholt, auf den wird am meisten gehört. Das ist die wahre Hierarchie.» Schnellcheck-Urteil: So war es!

Szene 4: Die Juristen sind dem Geschäft im Weg
«Du sollst uns helfen und nicht das Business verhindern», giftelt ein wütender Antonelli die Compliance-Verantwortliche Stefanie Pfenninger (Anna Schinz) an. Die junge Juristin müsste vor der Kontoeröffnung die Herkunft des Geldes sowie Angaben zur Person überprüfen. Antonelli denkt nicht daran, die Dokumente zu liefern.

Das sagt der Ex-CEO: «Diesen Kampf zwischen Bankern und Juristen gibt es. Bis vor fünf Jahren war das extrem stark, zumal ein Nein der Compliance kein richtiges Nein war. Die Banken hielten die Compliance bis vor fünf Jahren bewusst knapp, zumal Juristen Kosten bedeuten.» Schnellcheck-Urteil: So war es!

Szene 5: Bei Geldwäscherei schauen alle weg
Plötzlich kommt Caroline Weyer dahinter, dass über eine Stiftung, die Kindern Ferien in der Schweiz ermöglicht, Geld gewaschen wird. Aufgesetzt hat dieses System ihr Vater. Als die Bankchefin an einer Party ausrastet, erklärt ihr ein Bankpartner, ihr Vater sei auch mal Idealist gewesen. Aber damit lasse sich einfach kein Geld verdienen.

Das sagt der Ex-CEO: «Jede Schweizer Privatbank stiess auf klare Fälle von Geldwäscherei. Dabei geht es um kriminelle Gelder. In der Realität hätte die Bank, ohne zu zögern, die Bundesanwaltschaft informiert und den politisch exponierten Kunden aus Südafrika auffliegen lassen. Doch im Film schauen die Verantwortlichen weg.» Schnellcheck-Urteil: Eher unrealistisch!

Welches Gesamtfazit zieht der Ex-Privatbank-CEO?
«Der Banking-Film ist gut gemacht und dramaturgisch attraktiv erzählt. Die finanztechnischen Details sind realistisch dargestellt. Störend, ist, dass der Film an gewissen Stellen sehr tendenziös und klischeehaft ist. Die Banker werden allesamt als geldgierige Gauner dargestellt. Enttäuschend ist der Schluss des Films: Dieser ist politisch gewollt. Die Autoren wollte zeigen, dass die Banken Leichen im Keller haben.»

*Name der Redaktion bekannt: Der Banker konnte nur anonym so offen über seine Branche sprechen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NoName am 15.12.2017 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Abrechnung

    Es wird auch bald mit dem SRG-Finanzdrama abgerechnet. Dann machen die Banker einen Film über die SRF? #nobillag

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  • Alexandra am 15.12.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Billag für solche Filme?

    Solche belanglose Filme, in dem diverse bekannte Schweizer Persönlichkeiten mitspielen dürfen, wie offenbar Taminique, Laeri, usw., werden mit Billag Gelder bezahlt. Keine Billag, keine solchen Filme, ein guter Deal.

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  • Lolita am 15.12.2017 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gier auch bei SRF

    Nicht nur die Banker sind geldgierig. Auch die Angestellten von SRF. Angefangen bei Deweck. Es wird sehr viel verdient und wenig gearbeitet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario Super am 18.12.2017 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Bin kein Banker, aber es kommt schon als SP gesponserten Film rüber...die böse Banker...die Schweizer Bankwelt ist heute total durchreguliert und SP-SRG ist stehen geblieben...JA zu NO-Billag!

  • leser24min am 18.12.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Realitätscheck?

    Wieso Realitätscheck? Das war keine Reportage, sondern Unterhaltung! Wer glaubt denn, dass immer sonntags die Leichen auftauchen und die Kripo die Fälle so schnell löst? Oder dass es soviel Schnulze wie bei Pilcher wirklich gibt? Oder Musiker und Künstler wirklich so leben, wie es ihre Viedos und Auftritte vorgauckeln. Auch Natur- & Tierreportagen sind Zusammenschnitte von einzelnen kurzen Szenen. Illusion und Entertainment, nichts weiter.

  • Netfix Fan am 16.12.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mögen

    Ich schaue liebber Netfix als dieses komische SRF Fernsehen. Komische Serien.. und diese Serie ist ganz komisch aus diversen Gründen. Gefällt mir nicht.

  • Investmentbanker am 16.12.2017 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut icht

    Entspricht überhaupt nicht der Realität. 99,9 % der Banker machen ihren Job um die Gesellschaft weiterzubringen und setzen sich für den Staat ein. Immer werden Banker als gierig dargestellt, was absolut nicht der Realität entspricht.

    • Thomas Stähli am 16.12.2017 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      @ Investmentbanker

      Und ich bin der Samichlaus

    • Dr. Logos am 17.12.2017 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Investmentbanker

      Die Gesellschaft weiterbringen hiesse sie von der Arbeit zu befreien. Liegt das im Sinne der Investment Banker? Nein? Dann tun sie nichts für die Gesellschaft, sondern nur für die Wirtschaft, sprich für sich selbst.

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  • Remo am 16.12.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Diese Branche hat sich leider die Freiheit genommen, in dem sie das Recht wie folgt interpretierte: "Banker und Hedgefonds-Managern dürfen Unsummen verdienen, ohne darauf Rücksicht nehmen zu müssen, ob ihre Investitionen Existenzen zerstören oder die Umwelt verpesten"