Traumjob

08. September 2017 19:05; Akt: 08.09.2017 19:05 Print

So steinig ist der Weg zum Berufspiloten

von P. Michel - Pilot gilt als Traumjob. Doch der Weg dahin ist anspruchsvoll. 20 Minuten hat junge Anwärter auf einem von Kampfjets eskortierten Flug begleitet.

57 angehende Piloten wurden in einer Swiss-Passagiermaschine von F/A-18-Jets eskortiert. (Video: Tarek El Sayed)
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Am Gate B35 des Zürcher Flughafens schart sich eine Gruppe angehender Piloten um jenen Mann, in dessen Fussstapfen sie einst treten wollen: Militärpilot Beat «Hedi» Hedinger. Die Absolventen des fliegerischen Vorkurses (Sphair) löchern ihren Ausbildner im olivgrünen Overall mit Fragen.

Kann ich beim Militär auswählen, ob ich Jet oder Helikopter fliege? Wie gross sind die Chancen, als Militär- oder Linienpilot aufgenommen zu werden? Nachdem alle Anliegen beantwortet sind, setzt ein junger Mann seine Pilotenbrille auf und fragt: «Herr Hedinger, darf ich ein Selfie mit Ihnen machen? Sie sind mein Vorbild!» Als Dank für ihre Leistungen dürfen die angehenden Piloten dann in eine von Kampfjets eskortierte Swiss Bombardier C Series 100 Richtung Emmen einsteigen.

F/A-18-Eskorte als Profilbild

Eine halbe Stunde später und in 4500 Metern Höhe ist ein Militärhelikopter-Pilot auch keine Attraktion mehr. Denn draussen drängen sich zwei F/A-18-Hornets dicht an die Swiss-Maschine. So nahe, dass man sieht, wie die Kampfjet-Piloten den Passagieren zunicken. Die 57 Sphair-Absolventen in ihren blauen Polohemden drängen sich an die Fensterplätze, zücken ihre Smartphones und Spiegelreflexkameras. «Das wird mein neues Profilbild», erklärt ein junger Mann stolz.

Das Ziel des Spektakels: Mit einer simulierten Abfangübung wollen die Schweizer Luftwaffe und die Swiss jungen Talenten «die Gelegenheit bieten, ihren Traumberuf hautnah zu erleben» – und sie nebenbei dazu motivieren, Pilot zu werden.

Zwar ist die Begeisterung für den Beruf unter den Vorkurs-Absolventen gross. Doch ebenso gross sind die Hürden, die potenzielle Piloten nehmen müssen: Von über 100 Bewerbern, die eine Empfehlung aus dem Vorkurs mitbringen und Militärpilot werden wollen, schaffen es pro Jahr nur gerade zwölf.

Was es braucht, um Pilot zu werden

Etwas vielversprechender sind die Chancen als Linienpilot: Die Swiss rekrutiert derzeit 50 bis 70 Piloten pro Jahr. Allein während der fliegerischen Berufseignungsabklärung Sphair müssen jedoch ein Computertest sowie ein zweiwöchiger Flugkurs bestanden werden. Pro Jahr absolvieren rund 350 Personen diesen ersten Test. Als Militärpilot folgen ein zweitägiger medizinischer und psychologischer Test und anschliessende Flugtests. Auch die Swiss setzt für Zivilpiloten auf einen mehrstufigen Eignungstest.

Obwohl kein Mangel an fähigen Piloten bestehe, sei es trotzdem nötig, junge Talente und zukünftige Piloten für den Beruf zu gewinnen, um die Bestände längerfristig zu sichern, erklärt Hedinger. «Gerade wegen der genau definierten Kriterien macht es natürlich einen Unterschied, ob sich etwa im Fall des Militärpilots 120 oder 100 Anwärter dem Auswahlverfahren stellen.»

«‹Top Gun›-Typen fliegen in der ersten Runde raus»

Der ideale Pilot verfügt laut Hedinger über überdurchschnittliche Fähigkeiten in Geschicklichkeit, logischem Denken, aber auch betreffend Teamgeist. «Ein Bewerber, der sich wie Tom Cruise in ‹Top Gun› aufführt, fliegt bei uns nach der ersten Auswahlrunde raus.» Man suche keine Helden, die im Cockpit rücksichtslos und egoistisch handelten. Das sei eine Gefahr für die ganze Staffel und die Passagiere eines Linienflugzeugs.

Die strengen Auswahlkriterien bekam auch Alina Schulz zu spüren. Die 21-Jährige wollte eigentlich Militärpilotin werden, scheiterte aber an den medizinischen Vorgaben: Mit einer Sehschwäche von 1,75 Dioptrien kam sie als Militärpilotin knapp nicht mehr infrage; erlaubt sind höchstens 1,5 Dioptrien. Schulz, die schon im Kindergarten mit Playmobil-Flugzeugen spielte, will ihren Traum trotzdem nicht aufgeben: Sie strebt jetzt eine Karriere als Zivilpilotin an.

«Bin jetzt noch mehr überzeugt, Pilotin zu werden»

Zweifel an ihrer Überzeugung lässt Schulz nicht aufkommen. Erst recht nicht, als sich ihr auf dem Rückflug Richtung Zürich die Möglichkeit eröffnet, sich nach der Landung für einige Minuten ins Cockpit zu setzen.

Dort sagt sie zwischen Schubhebel und Armaturen: «Ich bin jetzt noch mehr überzeugt, diesen Weg einzuschlagen – auch wenn die Hürden hoch sind.» Und auch wenn sie das Auswahlverfahren als Pilotin nicht schaffen sollte, will sie in der Fliegerei bleiben: Sie beginnt im Herbst ein Aviatik-Studium und wird sich gleichzeitig bei der Swiss für die Piloten-Ausbildung bewerben. Dann sind die drei Minuten im Cockpit um. Die Swiss-Maschine fliegt heute noch nach Paris. Dieses Mal noch ohne Schulz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mausi am 08.09.2017 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Träume

    ich wünsche den jungen Anwärtern alles Gute und drücke ihnen die Daumen, dass sie ihre Träume verwirklichen dürfen.

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  • Eri am 08.09.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    ...noch träumen so manche Pilot zu werden. Aber leider ist es heute nicht mehr unbedingt der Traumberuf. Wer von der Fliegerei aber fasziniert ist, wählt diesen Beruf noch immer. Da auch der Lohn heute teilweise nicht mehr der grossen Verantwortung die Piloten tragen entspricht, ist so manchem Mann egal; Hauptsache im Flugi - über den Wolken muss die Welt wohl grenzenlos sein.

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  • Lebensarchitekt am 08.09.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende eines Klischees

    Den Traumberuf des Dauerweltreisenden mit einem tollen wartenden Partner am jedem Zielort ist schon lange in der Realität angekommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • TripleSeven am 10.09.2017 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch einfacher...

    Lieber die 100000 aus eigener kasse bezahlen.. für das ATPL braucht es keine airline die hinter einem steht! Hats man es in der tasche ist man frei und ungebunden. Keine unmenschlichen aufnahmeprüfungen, einfach machen und voila!

  • Kein Pilot am 09.09.2017 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mein Traumberuf

    Es ist sicher faszinierend ein Flugzeug perfekt beherrschen zu können aber die Regeln in der Passagierfliegerei dazu sind derart umfangreich und restriktiv dass die Freiheit und Fehlertoleranz sehr klein sind. Piloten sind so etwas wie fehlerlose Maschinen - oder es wird von ihnen verlangt. Wirklich kreativ werden dürfen Piloten erst wenn es um Leben und Tod geht. Wenn schon würde ich segelfliegen, das ist noch wahre Freiheit und das Können zeigt sich in der Distanz oder Zeit die man in der Luft bleibt. In meinem Beruf kann ich etwas erfinden das es noch nie gab - eine ganz andere Liga.

  • Captain am 09.09.2017 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der wahre Traum

    Es geht nicht um Prestige, Lohn, grenzenlose Freiheit. Die Faszination besteht aus der Einheit Mensch, Natur, Technik, d. h. die Böe spüren, bevor sie den Flügel anhebt, der Maschine vertrauen, sich in ihr zu Hause fühlen, sie lieben, ehren, vermissen und das alles im Team. Ohne diese Passion kann der Job schnell zum Frust werden. Wer aber diese Zeilen versteht, der wird eine gute Pilotin oder ein guter Pilot. Viel Erfolg, lebt Euren Traum!

  • Die Frau eines Piloten am 09.09.2017 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allein zu zweit

    Piloten sind eine Liga für sich. Mein Mann gehört dieser Spezies an. Die wollen fliegen und technische Probleme an Bord lösen. Das Privatleben müssen wir Frauen organisieren. Sie mögen uns lieben, aber sie nutzen jede Gelegenheit, um "abzuhauen". Übernehmen jeden Trip, um fliegen zu können. Treu sind nicht alle. Auch ICH lege die Hand für meinen Mann nicht ins Feuer. Was weiss ich denn schon? Und sie sind der Boss, sind sich gewöhnt, zu entscheiden und handeln. Sie sind keine einfachen Menschen.

    • süsser am 09.09.2017 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Die Frau eines Piloten

      Dann gib mir Bescheid wenn dein Mann wieder Mal weg ist : )

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  • Mami Und Papi am 09.09.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar?

    Ja aber bitte. Ist doch normal, dass man sich anstrengen muss um etwas zu erreichen. Der Bericht verleitet zur realistischen Annahme, das bisher mit Vitamon B das Diplom gratis ear.