Tesla-Hype

18. April 2016 16:46; Akt: 18.04.2016 17:28 Print

So umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich

Mit dem Hype um Tesla stellt sich immer wieder die Frage nach der Ökobilanz von Elektroautos. Denn sie sind nicht per se sauberer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

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Vor kurzem stellte Tesla das Model 3 vor: das Elektroauto, mit dem das kalifornische Unternehmen den Massenmarkt erobern will. Obwohl das Auto wohl erst Ende 2017 in Produktion gehen wird, wurde die Firma von CEO Elon Musk mit Vorbestellungen förmlich überrannt. Gegen 400'000 sollen es inzwischen sein, wie ein Tesla-Manager diese Woche in Amsterdam erklärte.

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Auch bei den Lesern von 20 Minuten stiess das neue Tesla-Modell auf grosses Interesse, wobei sich die Diskussionen auch um die Ökobilanz von Elektroautos drehten. Während viele die Elektromobilität für die Technik der Zukunft halten, äusserten sich andere kritisch: Elektroautos seien nicht wirklich ökologischer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Stimmt das?

• Herstellung:

Um die Ökobilanz von verschiedenen Antrieben vergleichen zu können, muss auch die Produktion der Autos selbst betrachtet werden. Und hier liegen Elektroautos klar im Nachteil. Laut einer Studie des Fraunhofer-Institut für Bauphysik, die den ganzen Lebenszyklus – vom Abbau der Rohstoffe bis zum Recycling – analysierte, fallen rund 60 Prozent mehr CO2-Emissionen an als bei Autos mit Verbrennungsmotoren. Der Grund ist vor allem die Batterie. Beim Abbau von Rohstoffen wie Seltener Erde werden oft grosse Mengen an giftigen Stoffen ein- und freigesetzt. Das geschieht zudem meist in Ländern, wo der Umweltschutz keine grosse Rolle spielt.

Die heutigen Batterien bedeuten zudem viel Gewicht. Jene des Tesla Model S zum Beispiel wiegt 750 Kilogramm. Damit die Autos nicht zu schwer sind, setzen die Hersteller auf Leichtbau-Karosserien, die meist aus Aluminium bestehen. Auch die Produktion des Leichtmetalls ist in vielen Fällen problematischer für die Umwelt als beim Stahl, der für Autos mit Verbrennungsmotoren normalerweise eingesetzt wird.

• Verbrauch:

Während Elektroautos bei der Herstellung nicht mit Umweltfreundlichkeit punkten können, sieht es beim täglichen Einsatz auf den Strassen besser aus – falls das Fahrzeug mit Ökostrom betankt wird. Denn wer sein Elektroauto vollständig mit Ökostrom betreibt, hat ab 30'000 Kilometern die negative Ökobilanz der Produktion ausgeglichen. Ab diesem Zeitpunkt sind Elektroautos «sauberer». Beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien 50 Prozent am Strommix, müssen Elektroautos 100'000 Kilometer bewegt werden, um das Produktionsdefizit wettzumachen, so die Forscher des Fraunhofer-Instituts.

• Lebensdauer:

Neben Herstellung und Verbrauch spielt auch die Lebensdauer eine Rolle für die Ökobilanz. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren wird heute in der Regel von einer Lebensdauer von 150'000 Kilometern ausgegangen. Da bisher nur wenige Modelle mit Elektroantrieb auf den Strassen rollen, gibt es auch kaum Erfahrungswerte in Sachen Lebensdauer. Beträgt die Gesamtfahrleistung weniger als 150'000 Kilometer, erhöhen sich die negativen Umwelteinflüsse der Herstellung pro Fahrkilometer.

Auf der Basis von Realverbrauchsdaten berechnete das Fraunhofer-Institut, dass ein E-Kompaktauto (bei einer Gesamtfahrleistung von 150'000 Kilometer) ein Treibhauspotenzial von rund 100 Gramm C02-Äquivalenz pro Kilometer aufweist – deutlich weniger als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Dem liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass nur Ökostrom getankt wird. Je mehr Strom aus fossilen Quellen verwendet wird, desto mehr gleichen sich die Werte jenen von diesel- und benzinbetriebenen Fahrzeugen an.

(lin)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Prinz am 18.04.2016 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebensdauer

    Bei 150'000Km Laufleistung ist mein Reihensechszylinder erst richtig eingefahren ;)

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  • Marco am 18.04.2016 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Zahlen..

    150'000 km?? Mit den heutigen Fahrzeugen liegen locker Kilometerleistungen von 200'000-250'000 drin.

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  • Praktiker am 18.04.2016 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage ist schnell beantwortet

    Jedoch hinkt der Vergleich. Im Verbrennungsmotor stecken nun weit über 100 Jahre intensive Forschung drin. In Akkus und Elektromotoren für Autos ein par wenige Jahrzehnte. E-Autos werden nur dann besser, wenn darin investiert wird. Und Tesla macht dies richtig. Es werden schon bald viel mehr Marken ein E-Fahrzeug im Angebot haben und das ist auch gut so. Aber bis dahin, wird jede Automarke, die noch kein marktreifes E-Auto hat, Tesla verfluchen und dagegen hetzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jackcheker am 19.04.2016 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Motoren

    Ich Aussendienst VW Touareg bereits 273000 km! 150000?!

  • Geschichte über alles am 19.04.2016 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 100 Jahre rückwärts

    Erste E-Auto 1833; 1. Verbrennungsmotor: 1807 (Schweizer Rivaz: brennt HahneWasser + 02); 1. Porsche war E-Auto 1899 (50kmh); Nikola Tesla (das Genie, nicht das U.S. Schrottfirma) 1918: Kabelloses, Akku freies Auto. Viele Hobby-Autoingenieur haben über Jahrzehten Hahnewasser-betriebenen (Gift-Akku freies, Emissionenfreies) Autos gebaut - darf aber nicht produziert werden... weil das Banker Kartell sucht ein Monopol auf Mobilität (u. Geld, Lebensmittel, usw.) Umwelt egal.

  • Valandil am 19.04.2016 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektroautos nicht gleich Tesla

    Es ist echt mühsam immer wieder zu lesen das Elektroautos wohl doch nicht so gut sind wie teilweise angenommen. Nun jawas aber immer wieder vergessen wird das Tesla auch nicht bloss ein 08/15 Autohersteller ist. Daher bloss ein kleiner Input zum Nachdenken nicht alles was in der Zeitung steht oder irgend ein Professor schreibt stimmt automatisch und Tesla verwendet in keiner seiner Akkus Selten Erde.

    • Olaf am 19.04.2016 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      Ja genau!

      Was verwendet denn Tesla sonst in ihren Akkus? Gummibärli? Oder ist das noch zu 0815? Sie haben natürlich recht sie als dipl. Verschwörungstheoretiker wissen natürlich das Lithium-Ionen-Akkus keine seltene Erden wie Kobalt drin haben. Da sie so intelligent sind, wissen Sie das sogar besser, als die Leute dies diese Akkus herstellen.

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  • Chris am 19.04.2016 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unkaputtbar

    mein Audi 6 Zylinder Diesel hat in 8 Jahren 440000 km auf erstem Motor und Getriebe und geht noch wie neu - ob das ein E-Auto mit einer Batterie auch schafft?

  • Normalo Bürger am 19.04.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles gut und recht... aber

    1. wird es noch lange gehen bis ich mir so ein Teil leisten kann. 2. wird es bestimmt noch länger keine ordentliche Reichweite des Akku's geben. 3. Muss ich auch mal etwas größeres Laden können, dazu eignen sich kleinst Flitzer und möchte gern Sportwagen nicht. Finde es gut wird die Forschung voran getrieben, aber dies jetzt für die Zukunftsperspektive zu halten ist falsch. Den zu viele Probleme die kommen werden sind noch nicht zu Ende gedacht. Entsorgung radioaktiver Brennstäbe, effiziente Speicherung von elektrischer Energie, saubere Produktion von Strom usw. Sonst stehen wir in 40 Jahren vor den gleichen Problemen wie heute mit dem Verbrennungsmotor!