Virtual Reality und Bier

12. September 2017 11:56; Akt: 12.09.2017 11:56 Print

So wetteifern Schweizer Firmen um Mitarbeiter

von V. Blank - Eine simple Annonce reicht meist nicht mehr, um gute Mitarbeiter zu finden. Schweizer Firmen werden bei der Rekrutierung darum kreativer.

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Mit einem trockenen Stelleninserat könnten Unternehmen bei Bewerbern meist nicht mehr punkten. Gleichzeitig ist der Pool an guten potenziellen Mitarbeitern in vielen Branchen fast leer gefischt. Das merken die Schweizer Firmen – und lassen sich ungewöhnliche Methoden einfallen, um neue Angestellte zu gewinnen.

20 Minuten hat einige davon zusammengestellt:

• Virtual-Reality-Rundgänge
Die Zurich Versicherung bietet Bewerbern seit Neustem einen virtuellen Rundgang durch den Hauptsitz in Zürich Oerlikon an. Per 360-Grad-Technik können Interessierte am Computer oder mit der VR-Brille Büroräume, Sitzungszimmer oder die Kantine besichtigen. Dazu gibts Videostatements von Angestellten oder die Möglichkeit, sich über verschiedene Arbeitsmodelle schlau zu machen.

• Castings
Die Swiss setzt bei der Rekrutierung ihres Kabinenpersonals auf Castings. Dabei tourt sie durch die Schweiz und Deutschland – und wählt auch mal spezielle Orte wie Zermatt oder den Europapark. Potenzielle Flight Attendants durchlaufen beim Casting verschiedene Assessment-Stufen. Nach jeder Stufe kommen jeweils nur die Besten weiter.

• Karriere-Dates
Anstatt am traditionellen, meist starren Bewerbungsprozess festzuhalten, setzen einige Firmen auf sogenannte Karrieredates. Dort können Job-Kandidaten Mitarbeiter treffen, die bereits im Unternehmen arbeiten – etwa zum Mittagessen, Sportevent oder Feierabendbier. Die Swisscom oder die Credit Suisse organisieren auch Hackathons, wo Angestellte und Talente aus dem Tech-Bereich zusammentreffen. Personalexperte Christoph Skrobol, der die Rekrutierungsplattform Careerdate gegründet hat, erklärt: «Wichtig bei den Karrieredates ist eine ungezwungene, authentische Atmosphäre.»

• Chats oder Telefonate mit künftigen Kollegen
Wer sich nicht gleich persönlich mit künftigen Kollegen verabreden will, kann bei einigen Arbeitgebern auch mit ihnen chatten oder telefonieren. Diesen Weg geht das Bahnunternehmen BLS seit Anfang September. Zuerst muss sich der Bewerber in einem spielerisch aufgebauten «Vorteils-Finder» dafür entscheiden, was ihm bei einem Job besonders wichtig ist – etwa Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder ein Gratis-GA. Daraufhin wird ihm ein Mitarbeiter aus dem Betrieb vorgeschlagen, der zu diesem Profil passt. Diesen kann der Bewerber daraufhin kontaktieren. Bei der Swisscom sind es Mitarbeiter aus der Personalabteilung, die Interessenten Fragen zu einer Stellenausschreibung beantworten.

«Neue Wege sind toll»

HR-Experte Jörg Buckmann steht den neuen Rekrutierungsmethoden positiv gegenüber: «Es ist toll, wenn die Schweizer Firmen neue Wege ausprobieren – denn vielerorts ist das Personalmarketing mittlerweile recht angestaubt.» Bei manchen Beispielen stelle sich einzig die Frage, ob sich die Methode auf lange Sicht bewähre. «Ob sie praktikabel ist und sich auch finanziell rechnet, zeigt sich erst, wenn man sie ausprobiert hat.»


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 12.09.2017 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslose einstellen

    Auf der anderen Seite finden Leute keine Anstellung trotz größter Bemühungen und obwohl sie eine Ausbildung haben! Man könnte die Leute ja auch einarbeiten, wenn sie die nötigen Voraussetzungen nicht ganz mitbringen.Da stimmt doch einfach etwas nicht!

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  • Kate am 12.09.2017 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ausgetrocknet?

    Wenn der Stellenmarkt so ausgetrocknet ist, wieso ist es denn so schwierig eine Anstellung zu bekommen?

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  • Stardust am 12.09.2017 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage mich

    was die denn suchen unter 45 jährige Nobelpreisträger ? Aus meinem Bekanntenkreis höre nur von Absagen bei ca 200 Bewerbungen pro Stelle... Und die sind gut ausgebildet

Die neusten Leser-Kommentare

  • Matze am 13.09.2017 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ü45 einstellen!

    Leider bin ich auch einer, die nicht verstehen, dass es schwierig sein soll, Fachkräfte zu finden. Bin selbst schon sehr lange auf der Suche nach einer Arbeit, gut ausgebildet, Facharbeiter und Ingenieur, zig Weiterbildungen, Orts - und Lohnflexibel... Zu alt, zu teuer, überqualifiziert höre ich bei Nachfrage.

  • RandyRhoads am 13.09.2017 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Unrealistische Anforderungen

    Nun gut, ein 25-jähriger Masterabsolvent mit 30 Jahren Berufserfahrung - welcher 5 Sprachen fliessend beherrscht - zum Preis eines Lehrlings findet sich halt eher schwer...

  • Sbu am 13.09.2017 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräft

    2 Erfahrungen. Ich brachte meine Bewerbungsunterlagen zu 2 temporär Firmen. Beide haben mich dankend abgelehnt. Bewerbungsabsagen lauten immer gleich: Überqualifiziert und so gedenke die Firma, dass ich sie verlasse, sobald ich eine ädequate Stelle gefunden habe. Leider kann ich zwar meinen CV frisieren jedoch die Arbeitszeugnisse nicht. Und ja ich bin ü50 und möchte einfach nur Arbeiten. Ich überlege mir bei 2 ehemaligen Arbeitgebern nur eine Arbeitsbestätigung einzuverlangen, vielleicht klappt es dann so.

    • Tommy am 13.09.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      Personalberater

      Das liegt daran, dass Mitarbeiter von temporär Firmen keine Ahnung haben. Die können nur diese Leute vermitteln, welche einfach sind und die Firmen auch selber finden würden. Nur die Faulheit der HR-Angestellten lässt die temp. Vermittler am Leben.

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  • Searcher am 13.09.2017 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die grosse Lüge

    Der Stellenmarkt ist nicht ausgetrocknet, das ist eine grosse Lüge! Es gibt fast keine jungen Leute mehr die verfügbar sind und zu sehr kleinen Löhnen arbeiten wollen, das ist die Wahrheit! Würde man wieder Leute ab 45 einstellen, hätte man wieder "Auswahl" und diese eher noch grösser als "früher"... aber eben...

  • Ozzly am 13.09.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    Niveaulose Castingsendungen kennen wir ja bereits aus dem TV. Dass Grossfirmen das nötig haben? Ich sehe was ich sehe! Billig müssen sie sein, Ausländer müssen sie sein. Dann sind die Chancen top! Kein Wunder sind die Schweizer Pfründe leergefischt. Jedes Kind weiss heute, dass bei einer Überfischung für jungen Nachwuchs gesorgt werden muss. Die Fischer weiten ihr Revier aber einfach aus und importieren ihn weil einfach, schnell und billig. Eine vordergründig krative Verpackung ändert am ganzen Trauerspiel gar nichts!