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Rückkehr der Tobin-Steuer
30. September 2011 13:07; Akt: 30.09.2011 14:16 Print
Und ewig zockt der Spekulant
von Sandro Spaeth - Die EU braucht Geld – und stabilere Finanzmärkte. Um Spekulation einzudämmen, wärmt sie die alte Idee der Transaktionssteuer wieder auf. Doch die Zocker dürften einfach weiterziehen.

Die EU-Finanztransaktionssteuer schlägt zwei Fliegen auf eine Klappe: Finanzmärkte stabilisieren und Milliarden einnehmen. (Bild: Keystone)
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«Es ist Zeit, dass der Finanzsektor der Gesellschaft etwas zurückzahlt», sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso diese Woche in Strassburg und erinnerte daran, dass die EU-Staaten der Finanzindustrie in den letzen drei Jahren mit 4,6 Billionen Euro aus der Patsche geholfen hatten. Um die leeren Kassen zu füllen, sollen die 27 EU-Länder bis 2014 eine Finanztransaktionssteuer einführen, die jährlich 57 Milliarden Euro einbringt. Zudem beabsichtigt die Politik mit der Abgabe der Spekulation zu Leibe zu rücken.
Video
«Spekulation generiert keinen Wert»
Die Abgabe im Detail
Die EU-Kommission schlägt vor, dass alle 27 Mitgliedstaaten ab 2014 ein Abgabe auf Finanztransaktionen von mindestens 0,1 Prozent des Aktienpreises und mindestens 0,01 Prozent des Nennwerts von Terminkontrakten erheben. James Tobin hatte 1972 einen Steuersatz für grenzüberschreitende Geldtransfers zwischen 0,1 und 1 Prozent vorgeschlagen.
Vor allem Globalisierungskritiker fordern die Steuer seit Jahren, der Finanzindustrie ist sie hingegen ein Dorn im Auge. Spekulanten, die mittels Computerprogrammen in Sekundenschnelle kleinste Kursdifferenzen zwischen einzelnen Währungen oder Rohstoffhandelsplätzen ausnützen, hätten das Nachsehen. Die Abgaben pro Transaktion – wovon im Hochfrequenzhandel tausende getätigt werden – würden die Gewinne eliminieren. Zocken auf kleinste Schwankungen würde uninteressant.
Spekulation in dunklen Kanälen
Die Wirkung einer Finanztransaktionssteuer, die der US-Ökonom James Tobin bereits 1972 vorschlug, aber nie eingeführt wurde, ist umstritten: «Einerseits würde die Spekulation eingedämmt, andererseits dürfte sie aber in dunklere Kanäle abwandern», sagt Felix Brill, Ökonom bei der Beratungsfirma Wellershoff & Partners. Will heissen: Spekulative Tätigkeiten würden einfach auf nicht von der Abgabe erfasste Finanzplätze verschoben; die Tobin-Steuer sozusagen als Geschenk für die USA, Cayman Islands, Singapur oder die Schweiz. Zudem gilt die Finanzindustrie als äusserst innovativ: «Es würden relativ rasch Produkte entwickelt, die nicht unter die gesamteuropäische Regulation fallen», vermutet Brill.
Internationale Umsetzung
Um eine hohe Wirksamkeit der Steuer zu erreichen, müsste sie möglichst weltweit umgesetzt werden. Doch bereits innerhalb Europas dürfte die Vorlage auf grossen Widerstand stossen. Die EU-Schwergewichte Deutschland und Frankreich sind zwar dafür, England hingegen dagegen. Zudem müssten noch 24 weitere EU-Regierungen das Vorhaben absegnen, denn in Steuersachen braucht die EU Einstimmigkeit.
Aus dem britischen Finanzministerium verlautete, dass man nicht grundsätzlich dagegen sei. Bei der Tobin-Steuer mitmachen will London aber nur, wenn sie global eingeführt würde. Die Briten befürchten, dass sie 90 Prozent des Derivatehandels verlieren könnten, zu einem grossen Teil an die USA. Bisher hatten die Vereinigten Staaten eine Transaktionssteuer im Rahmen der G20-Treffen aber immer abgelehnt – und dürften es auch weiterhin tun.
Zeitpunkt verschlafen?
Ökonom Felix Brill glaubt denn auch nicht an eine Umsetzung der Steuer bis 2014. «Es dürfte zum grossen Verhandlungsspiel werden, wobei sich die Chancen auf eine Einigung erhöhen, wenn die aktuelle Krise zum Dauerzustand wird.»
Womöglich hat man in Brüssel das ideale Zeitfenster für die Regulierungen verpasst. 2009 – im Jahr eins nach der Lehmanpleite und dem Fastzusammenbruch des Finanzsystems, als alle nach Regulierungen schrien und die Banken Mässigung versprachen – wären die Chancen auf Einigung wohl höher gewesen.
«Eine Finanztransaktionssteuer wäre aber nicht die Lösung aller Probleme», sagt Experte Brill. Die EU hätte zwar wieder mehr Geld in der Kasse, an die 57 Milliarden jährlich glaubt er aber nicht, da sich viele Transaktionen auf andere Finanzplätze verschieben würden. Zudem ist davon auszugehen, dass die Banken die Steuer auf die Kunden übertragen. Also müssten am Ende nicht nur Spekulanten, sondern auch Pensionskassen – und damit Sparer – bluten.
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Alle 40 Kommentare































Ja der böse Spekulat
ja ja der spekulant ist wieder schuld.. wer hat schulden bis zur hutkrampe gemacht? wer druckt die ganze zeit auf meine kosten geld? wer hat die spielregeln gemacht? wer ist für das schuldsystem verantwortlich? sicher nicht der spekulant (ein kaufmann) sondern unsere föhigen regierungen und zentralbanken! die weit und breit auch die einzigen sind die nichts reales schaffen und ihr geld 100% auf kosten anderer machen
Umdenken ist gefragt
Beim Wort "Produkt" wird mir speiübel! Wo bitteschön ist etwas hergestellt worden, ein Produkt/Wert entstanden? Wie kann es sein, das eine Firma 5000 Leute entlässt und diese Firma hat dann mehr Wert? Sind diese Jobs alle unproduktiv gewesen? Dann feuert den CEO das dies zuliess! Spekulationen mit Bauland verhindert man mit Steuern - so sollte es auch hier sein. Weg vom zocken und dem schnellen Geld-wieder hin zum investieren und aufbauen. Langfristiges Denken und Handeln (Aufbau) und nicht Quartalsgewinne. Wenn der Finanzsektor so weitermacht fliesst bald Blut auf den Strassen-auch bei uns!
@Peter
Die Banken - mein Lieber - machen genau das was der Markt zulässt. Drum nützt es einen müden Furz wenn du gegen die wetterst. Verursacht wurde, was du anprangerst, von der Politik. Globalisierung, Liberalisierung sind die Schlagworte. Was du schlecht findest sind nun mal die Schattenseiten; entweder du kannst damit leben oder nicht. Meinst du im Ernst ich findes es toll wenn ein CEO einer Gesellschaft 10, 20 oder noch mehr Mio abkassiert? Im Ernst und ehrlich, würdest du dir selber nicht auch einen möglichst hohen Lohn zubilligen?
@Supermario
Und genau darum muss man von aussen eingreifen und sie auf den boden holen. anderswo wird auch eingegriffen wenn etwas aus dem ruder läuft. warum also im finanzmarkt nicht. Hätte ich das sagen - würden die geschäfte an der börse eh verboten werden und krass bestraft. geschäfte wie leerverkäufte, warrants (sogenannte WETTEN) und und und - wir wissen ja nicht mal was die da alles handeln. Zocken die reichen mit Lebensmitteln - verhungern anderswo leute - oder haben mängel - sowas ist versuchter mord - wo bleibt der Anstand
Die Gegner verraten sich
Die Tatsache dass die Briten sich wehren und die Banken behaupten es würde der Wirtschaft schaden ist ein Indiz dass der Vorschlag gut ist. Wenn die Briten dann mal begriffen haben dass der Hochfrequenzhandel auch ihnen schadet werden sie mitmachen. Auch die ganze Welt warten wollen immer die Gegner, denn sie wissen das dies nie eintrifft und sie müssen nicht offen zur Gegnerschaft stehen. Es ist der Hochfrequenzhandel der der Wirtschaft schadet, nicht die Steuer.
Falsch
Die Briten wehren sich weil sie bereits seit geraumer Zeit eine solche Steuer (Stempel) haben und es damit für den Otto-Normalo nahezu uninteressant geworden ist, in Aktien zu investieren. Nur haben die findigen Banken dies einfach mit CFD umgangen, wo eben dieser Stempel nicht zur Anwendung kommt. Warum soll der HF-Handel eigentlich schaden; der bringt höchstens mehr Liquidität in den Markt?
Falsch die 2.
Was soll schlecht sein am Hochfrequenzhandel? Die Transaktionskosten und Spreads haben sich in den letzten 10 Jahren drastisch verringert, das ist zum Vorteil aller außer der Market Maker.