Holdingprivileg

12. November 2012 12:42; Akt: 12.11.2012 15:23 Print

Steuerprofiteure fordern Ersatzmassnahmen

Der EU ist die Sonderbesteuerung von Holdings in der Schweiz ein Dorn im Auge. Weil sich die Sonderdeals nicht mehr lange halten dürften, fordert der Dachverband international kompatible Lösungen.

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Stadt und Kanton Zug sind bevorzugte Firmenstandorte für internationale Holdings. Letzter prominenter Zuzug: Coca Cola Hellenic. (Bild: Keystone)

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Falls die Sonderbesteuerung von internationalen Konzernen in der Schweiz wegfällt, braucht es Ersatzmassnahmen. Das fordert der Verband SwissHoldings. Ein «attraktives steuerliches Umfeld» sei für global tätige Unternehmen von besonderer Bedeutung.

SwissHoldings geht davon aus, dass sich die steuerliche Sonderbehandlung von internationalen Grosskonzernen in der Schweiz nicht mehr lange halten kann. «Aufgrund der Entwicklungen ist absehbar, dass Anpassungen in den heutigen kantonalen Steuerregimes nötig sein werden», teilte der Verband am Montag mit.

Der Druck kommt von der EU. Sie stört sich daran, dass internationale Grosskonzerne in der Schweiz auf Gewinne, die sie im Ausland erzielen, weniger Steuern bezahlen als auf inländische Gewinne. Verhandlungen über das sogenannte Ring-Fencing-Regime laufen zwischen der Schweiz und der EU.

Keine Änderung bei Holdingbesteuerung

Der Verband SwissHoldings drängt nun auf eine rasche Lösung. Er fordert die Bund und Kantone auf, sich «mit Dringlichkeit auf finanziell tragfähige und international kompatible Lösungen» zu einigen. Anpassungen müssten dabei aber auf die Regimes mit «klarem» Ring Fencing beschränkt bleiben.

Das bedeutet, dass die Holdingbesteuerung unangetastet bleiben soll. Diese sei - im Gegensatz zur Besteuerung von Domizilgesellschaften und Gemischten Gesellschaften - «kein Fall von Ring Fencing», sagte Christian Stiefel, Geschäftsleiter von SwissHoldings, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Das muss die EU akzeptieren.»

Tatsache sei, dass bei Erträgen von Holdings steuerlich nicht unterschieden werde, ob diese aus dem Inland oder dem Ausland stammten, sagte Stiefel. Die generell tiefe Holdingbesteuerung dürfe die EU nicht ankreiden, denn viele ihrer Mitgliedstaaten liessen Regimes zu, die im Resultat noch günstiger seien.

Mehr als Senkung der Unternehmenssteuern

Weiter fordert SwissHoldings Kompensationsmassnahmen, falls die Sonderbesteuerung fallen würde. Eine generelle Senkung der kantonalen Unternehmenssteuern, wie sie die Kantone Genf oder Zürich vorschlagen, reiche aber nicht aus. Es brauche zusätzliche Lösungen, wie etwa eine Lizenzbox, wie sie auch einige EU-Länder kennen würden. Dabei werden Erträge aus Lizenzen tiefer besteuert.

SwissHoldings weist darauf hin, dass ein «attraktives steuerliches Umfeld» für global tätige Konzerne von besonderer Bedeutung sei. Auch müssten die Grosskonzerne das Vertrauen haben, dass bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen in der Schweiz ihre Bedürfnisse berücksichtigt würden.

In SwissHoldings zusammengeschlossen sind 56 internationale Konzerne, die ihren Sitz in der Schweiz haben. Neben zugezogenen Firmen gehören vornehmlich Schweizer Konzerne wie Nestlé oder Holcim dem Verband an. Ebenfalls Mitglied sind die Schweizerische Post und Swisscom.

Nein zu Minder-Initiative

Die Minder-Initiative, welche am 3. März Abstimmung kommt, lehnt SwissHoldings ab. Die Initiative enthalte «giftige Pillen» für den Konzernstandort Schweiz. Nicht schlucken will SwissHoldings unter anderem die Bestimmung, wonach die Aktionäre bindend über die Löhne der Geschäftsleitung abstimmen. Den indirekten Gegenvorschlag des Parlamentes unterstützt der Verband.

(sda)