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UBS-Boni
21. Oktober 2008 06:57; Akt: 21.10.2008 08:14 Print
Stich: «Irgendwann ist einfach genug»
von Lukas Mäder - Boni seien eine zusätzliche Gewinnausschüttung für einzelne Leute, sagt alt Bundesrat Otto Stich zur aktuellen Diskussion. Warum es der Bundesrat in der Hand hatte, der UBS Boni zu untersagen, erklärt der frühere Finanzminister im Interview mit 20 Minuten Online.
Finden Sie es richtig, dass der Bund der UBS mit einem Rettungspaket hilft?
Der ehemalige Finanzminister, alt Bundesrat Otto Stich, am ausserordentlichen Parteitag der SP am 1. März 2008 in Basel.(Bild: Keystone/Alessandro della Valle)
Otto Stich war von 1984 bis 1995 Bundesrat und war die ganzen knapp elf Jahre Vorsteher des Finanzdepartements. Der streitbare Sozialdemokrat wird im nächsten Januar 82 Jahre alt und lebt in Dornach (SO). Während seiner Zeit als Bundesrat sorgte er sich oft auch gegen die Meinung seiner Partei um ein ausgeglichenes Bundesbudget. Er war zudem Gegenspieler von SVP-Bundesrat Adolf Ogi bei der Neat. Stich lehnte aus finanziellen Gründen den Lötschberg-Basistunnel ab. Seit seinem Rücktritt im Oktober 1995 meldet sich alt Bundesrat Stich immer wieder zu tagespolitischen Themen. (mdr)
Otto Stich: Ganz einfach gesagt: Es ist dem Bund nichts anderes übrig geblieben. Wäre es zur UBS-Katastrophe gekommen, hätte es noch viel mehr Leidtragende gegeben.
Der Bund sagt, er könne mit der Rettungsaktion vielleicht noch einen Gewinn machen. Glauben Sie das?
Stich: (lacht) Ich würde nicht darauf wetten. Wenn man die ganze Mentalität der Banken mit den Boni kennt, darf man nicht zu viel erwarten.
Die UBS will im nächsten Frühling trotz Staatshilfe Boni bezahlen. Finden Sie das richtig?
Stich: Das ist für einen Durchschnittsbürger absolut nicht verständlich. Für die UBS gibt es nun wirklich keinen Grund, Boni auszuzahlen. Man muss eines sehen: Diejenigen, die die Boni beschliessen, bekommen selbst auch Boni. Deshalb können sie nicht genug hoch sein.
Die Bevölkerung versteht Boni und die hohen Managerlöhne schon lange nicht. Warum unternimmt die Politik nichts?
Stich: Vermutlich ist es kein dringender Wunsch der Politiker, sonst wäre er schon längst erfüllt worden. Zudem profitieren viele einflussreiche Leute von den Boni. Aber es wäre dringend nötig, dass sich die Politik mit dem Thema beschäftigt.
Wie könnte eine mögliche Regelung zu Boni aussehen?
Stich: Ich habe grundsätzlich Schwierigkeiten, überhaupt einen Grund zu finden, warum Boni ausbezahlt werden müssen. Boni sind eine zusätzliche Gewinnausschüttung für einzelne Leute. Wenn man sieht, welche Saläre bezahlt werden, kommt man zum Schluss, dass diese Leute nicht zu kurz kommen. Ich finde Boni grundsätzlich nicht angemessen.
In Deutschland müssen nun Banken ihre Löhne beschränken, wenn sie Staatshilfe bekommen.
Stich: Das finde ich richtig. Wenn jemand Staatshilfe in Anspruch nimmt, sollte er sich auch selbst beschränken.
Der Bundesrat hat von der UBS keine solche Beschränkung verlangt. Ein Fehler?
Stich: Der Bundesrat hat die Gelegenheit verpasst. Er hätte einfach die Bedingung stellen können, dass die UBS keine Boni mehr auszahlt. Das wäre für mich das Selbstverständlichste der Welt gewesen. Aber der Bundesrat denkt, die Steuerzahler bezahlen die Steuern sowieso.
Derzeit sind Boni ein grosses Thema. Aber droht eine Neuregelung nicht in einigen Monaten wieder zu versanden?
Stich: Diese Gefahr besteht in der Politik immer. Aber irgendwann ist einfach genug. Die SP muss sich vehement dahinter machen, eine Regelung durchzusetzen. Von den anderen Parteien kann man das ja nicht erwarten.
Wie gross sehen Sie die Chancen für die sogenannte Abzocker-Initiative, die eine Regelung verlangt?
Stich: Die Frage ist, was bis zur Abstimmung noch geht, um die heutige Regelung zu entschärfen. Es wäre natürlich möglich, dass ein Gegenvorschlag angenommen wird, und die Initiative nicht. Aber gut an der Initiative ist ja bereits, dass sie eine Diskussion in Gang gebracht hat.





























