Psychische Belastung

24. April 2018 05:48; Akt: 24.04.2018 05:48 Print

Darum sind wir im Job so gestresst

von Dominic Benz - Ob fordernder Chef oder permanente Mail-Flut – Gründe für Stress im Job gibt es viele. 20 Minuten nennt die wichtigsten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Depressionen und Burn-outs sind im Büro auf dem Vormarsch. Innerhalb von fünf Jahren sind die Arbeits-Absenzen aufgrund psychischer Erkrankungen um über ein Drittel gestiegen. Doch warum stehen die Angestellten so unter Strom? 20 Minuten hat die grössten Stress-Auslöser im Büro aufgelistet:

Umfrage
Haben Sie schon einmal wegen einer psychischen Erkrankung bei der Arbeit gefehlt?

• Unterbrechungen
Eines der grössten Übel sind Unterbrechungen. Sie stören den Arbeitsfluss und sorgen dafür, dass die Arbeit auf dem Tisch liegen bleibt. So können permanente Telefonanrufe, die ständige Mail-Flut oder auch ein Schwatz zwischen Kollegen stressen. «Im Grossraumbüro ohne Arbeitszonen gibt es kaum Möglichkeiten, um sich mal zurückzuziehen», sagt Arbeitspsychologe Hartmut Schulze von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Das Homeoffice könne dabei als Stress-Puffer dienen. «Zurück im Büro ist man dann wieder besser gewappnet gegen Ablenkungen», so Schulze.

• Stressender Vorgesetzter
Chefs verlangen viel und machen Druck. Dabei könnten sie stressmindernd wirken. «Der Vorgesetzte hat eine sehr zentrale Funktion in der Gestaltung der Arbeit,» sagt Georg Bauer von der Universität Zürich. Er sei Vermittler zwischen Unternehmen und den individuellen Kompetenzen der Angestellten. Unrealistische Ziele, fehlende Unterstützung oder geringe Wertschätzung sorgten für eine hohe Belastung. «Vor allem Kontrollfreaks können stressen», so Bauer.

• Flexibles Arbeiten
Keine feste Arbeitszeit, kein fixer Büroplatz – für viele klingt das verlockend. Doch es hat auch Nachteile. «Die Flexibilisierung von Ort und Zeit stellt hohe Anforderungen an die Arbeitsgestaltung», sagt Georg Bauer. So müsse man immer überlegen, ob man jetzt im Zug, zu Hause oder im Büro arbeiten möchte. Die Angestellten müssten daher dauernd Entscheidungen treffen. «Je mehr Freiheiten man hat, desto komplizierter kann das Arbeiten werden», so Bauer.

• Monotone Tätigkeiten
Auch Langeweile kann Stress verursachen. Wer über lange Zeit und immer das Gleiche tut, ist Boreout-gefährdet. Zwar sehe die Arbeit von aussen einfach und anspruchslos aus, sagt Arbeitspsychologe Silvan Winkler. «Doch monotone Tätigkeiten sind eine grosse Belastung.» Die Arbeitstage würden dann kaum mehr enden wollen, so Winkler.

• Zeitdruck
Für die Erledigung der Arbeit steht kaum mehr Zeit zur Verfügung. Schuld ist nicht zuletzt der Computer. «Durch neue Technologien nimmt die Arbeitsmenge und die Geschwindigkeit immer mehr zu. Bei den Mails etwa wird erwartet, dass sie sofort beantwortet werden», sagt Bauer. Die Arbeitsabläufe werden durch den Computer sehr schnell getaktet. So bringe die Digitalisierung permanent neue Herausforderungen.

• Smartphone
SMS, Newsmeldungen oder Anrufe – wer sein Handy im Büro immer griffbereit hat, tappt zwangsläufig in die Stress-Falle: Die Konzentration ist gestört, die Arbeit bleibt liegen, der Zeitdruck wird grösser. Ebenfalls führt das Smartphone zu einer dauernden Erreichbarkeit. So ruft der Chef am Feierabend nochmals an, und der Kunde will in der Mittagspause den Vertrag durchgehen.

• Eigenverantwortung
In vielen Jobs hat der Chef nur indirekt das Sagen. Kontrolle übernehmen Zielvereinbarungen und Resultate. Der Angestellte arbeitet wie ein Selbständiger. Gearbeitet wird dann überall und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. «Um abschalten und sich abgrenzen zu können, braucht es Selbstmanagement-Kompetenzen», so Hartmut Schulze.

• Falsche Emotionen
Angestellte am Bankschalter oder in der Pflege müssen immer freundlich und zuvorkommend sein. Auf die Dauer kann das zermürbend sein. «Vor allem dann, wenn man Emotionen vorgeben muss, die man gar nicht hat», sagt Silvan Winkler.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.V. am 24.04.2018 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es muss sich etwas ändern!

    Alle schauen nur wie Depressionen, Burnouts und Angststörungen stetig zunehmen, während die Arbeitgeber immer mehr verlangen. Immer mehr Leute haben gar keine Freizeit mehr, und haben gar nie Zeit für sich selber! In unserer Zeit scheint das etwas vergessen zu gehen! Es muss sich unbedingt etwas ändern.

    einklappen einklappen
  • Miriam am 24.04.2018 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflegende

    In der Pflege katastrofe.Keine Zeit für Patienten immer weniher Personal die Verantwortung riesen gross.

    einklappen einklappen
  • Sehnsucht 6 7 am 24.04.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich finden

    Also falsche Emotionen gehören doch zum Job dazu. Man weiss im vornherein das Freundlichkeit gefragt wird. Wenn ich ein Frust habe kann ich nicht den Kunden dafür verantwortlich machen. Man sollte ein Ausgleich für sich selber finden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • WorkerBee am 24.04.2018 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht der Job ist schuld

    Sondern das überfüllte Privatleben. Fitness, weg mit Kollegen, Serienmarathon, Social Media und Gamen, andere Hobbies die dank dem Aktivitätswahn ein soziales Muss sind. Vom Wochenende ganz zu schweigen. Oder wann habt ihr Heulsuusen das letzte Mal um 10 Nachtruhe gemacht um am nächsten Tag fit zu sein? Oder ein Wochenende zu Hause auf der Couch entspannt? Eben..!! Früher war die Arbeit um einiges anstrengender, aber die Leute haben halt realisiert dass Arbeit der Dreh- und Angelpunkt für ein erfolgreiches und dadurch glückliches und Leben ist und demensprechend das Privatleben organisiert

  • Flo am 24.04.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf nichts verzichten

    Der Druck setzt man sich selbst auf, indem man auf nichts verzichten möchte. Handy, Ferien, Wohnung, Kleider, Auto. Somit steigen automatisch die Kosten und diese müssen mit viel Arbeit fleiss erfüllt werden.

  • tobias m. am 24.04.2018 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    21-jährig

    Ich bin 21-jährig und hatte vor 1 Jahr mein erstes Burnout wegen eines neuen, branchenfremden Chefs, respektive wegen seines Verhaltens. Seit über einem Jahr bin ich in einer sehr teuren Behandlung und in einem noch viel teureren Rechtsstreit. Danke Ex-Chef. Ich glaube die Probleme bringen oft die Chefs/Führungsetage und nicht die krampfenden Arbeitnehmer.

  • Michi am 24.04.2018 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sozialkompetenz...

    .. der Mensch muss bei Führungspersonen unbedingt zum wichtigsten Punkt werden. Das dauernde "gegeneinander arbeiten" und "ich bin besser und der macht alles falsch" -Mentalität muss unbedingt reduziert werden. Gemeinsam zum Ziel kommen. Das arbeitende Volk setzt +/- 33.3% der Lebenszeit dafür ein. Da sollte der Job doch auch ein bisschen Freude machen können. Dann wäre die Qualität der Arbeit auch viel höher. Aber für die gierige Führung zählt ja nur sehr hohe performance für wenig Kosten.

  • Sepp Trub am 24.04.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frueher genau so

    Damals arbeiteten wir auch locker 12-14 Stunden pro Tag. Dafuer geniessen Frauchen und ich jetzt unsere Rente. Im jetzigen Arbeitsprozess muss man in der heutigen Zeit nicht mehr leisten als frueher. Trotzdem allen Arbeitnehmern alles Gute und gute Gesundheit. Sepp und Trudi Trub