Zu wenig flexibel

14. März 2017 16:38; Akt: 14.03.2017 16:38 Print

Studenten finden keine einfachen Nebenjobs

von V. Blank - Viele Schüler und Studenten wollen mit einem Nebenjob ihr Budget aufbessern. Die offerierten Stellen seien aber oft nicht passend, klagen junge Schweizer.

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Studieren oder zur Schule gehen und daneben noch ein paar Franken verdienen – das wünschen sich viele junge Schweizer. Doch die Suche nach einem einfachen, flexiblen Nebenjob mit kleinem Arbeitspensum gestaltet sich für Studenten und Schüler zunehmend schwierig. Diese Erfahrung hat auch Pascale Illi gemacht: Die 20-Jährige schliesst derzeit die gymnasiale Matura auf dem Zweitweg ab. Die Suche nach einem kleinen Nebenerwerb fand sie frustrierend: Trotz stundenlanger Suche im Internet fand die Maturandin nichts.

Umfrage
Wie schwierig findest du es, als Student einen Nebenjob zu finden?
47 %
21 %
32 %
Insgesamt 909 Teilnehmer

«Ich habe online zwar viele Jobangebote gefunden, aber die meisten waren unbrauchbar», sagt Illi zu 20 Minuten, «ein Angebot, das ich mit dem ständig wechselnden Stundenplan und dem Samstagsunterricht hätte vereinbaren können, schien nicht zu existieren.»

Die Lage schien Illi so prekär, dass sie die Nebenjobsuche im Rahmen ihrer Matura-Arbeit unter die Lupe nahm. Sie befragte 190 Schüler und Studenten nach ihren Erfahrungen. Das Fazit: Die offerierten Stellen sind oft zu wenig flexibel und darum nur schwer vereinbar mit dem Schüler- oder Studentenleben. Das Bild bestätigte sich im Gespräch mit Klassenkameraden – viele bekundeten Mühe, einen einfachen Nebenjob zu finden. Am ehesten fündig werden junge Schweizer laut der Umfrage in der Gastronomie. Auch Vitamin B ist hilfreich. «Am erfolgreichsten ist, wer sich innerhalb des Bekanntenkreises nach einer Stelle erkundigt», so Illi.

Die Ablage macht jetzt der Computer

Die Lage auf dem Nebenjobmarkt habe sich verändert, sagt auch Michael J. Flückiger (siehe Box). Er ist Gründer des Personaldienstleisters Poolside, der sich speziell an Studierende richtet. Der Experte sagt: «Der klassische Studentenjob – sprich ein Job ohne grosse Anforderungen und mit niedrigem Pensum – wird kaum noch besetzt.» Sehr einfache Tätigkeiten, etwa Akten kopieren oder Daten eintippen, würden heute vom Computer übernommen.

Grundsätzlich seien die Anforderungen an Studierende generell eher gestiegen, so der Experte. Ein Blick in die Praxis bestätige das zu einem grossen Teil: «Viele Unternehmen schätzen die Flexibilität und dynamische Denkweise der Studierenden, fordern aber auf der anderen Seite ein höheres Pensum und eine steile Lernkurve.»

Einfache Jobs fallen weg

Ähnliche Beobachtungen hat Sebastian Henschel, Präsident des Vereins Studierende ZHAW, in der Industrie gemacht: Der Bedarf an Studierenden in spezialisierten Praktika die Nachfrage nach Working Students steige. «Die einfachen Studentenjobs, etwa am Fliessband oder im Lager, fallen derweil der Automatisierung zum Opfer – einfache, repetitive Aufgaben gibt es in der Industrie immer weniger.»

Genau solche Jobs wären aber heiss begehrt, sagt Roger Gfrörer, Leiter Career Services an der Universität Zürich. Die Marktplatz-Seite der Universität Zürich und der ETH, auf der Inserate für Studentenjobs geschaltet werden können, werde «sehr gut besucht». «Doch auch auf dem Stellenportal der Career Services wird der Trend zu 40- bis 50-Prozent-Nebenjobs sichtbar», so Gfrörer.

Neues Portal für Schüler und Studenten

Ein solches Pensum bewältigen und dazu noch den Unterricht besuchen, Arbeiten schreiben und für Prüfungen lernen – das war für Maturandin Illi und ihre Klassenkollegen zu viel. «Drei Kolleginnen haben nach den Sommerferien angefangen zu arbeiten – in den Herbstferien gaben sie frustriert auf», erzählt die 20-Jährige. Und rund ein Drittel ihrer Mitstudierenden sei immer noch auf der Suche nach einem passenden Nebenjob.

Um Schülern und Studenten zu helfen, hat Illi im Rahmen ihrer Matura-Arbeit das Onlineportal «Studentenjob-Guide» auf die Beine gestellt. Dort finden junge Schweizer Stellenangebote, die gut mit Schule oder Studium zu vereinbaren sind, sowie Links zu Arbeitgebern und Anlaufstellen. Illi selbst hat mittlerweile eine Stelle in der Event-Gastronomie gefunden – «dank dem Tipp einer Freundin».

Hast du den tollsten Studentenjob der Welt? Beschreib ihn uns!


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Keinschoggiläbe am 14.03.2017 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es halt...

    Im Studium lernen sie wie man die kleinen Jobs wegrationalisiert zur Gewinnmaximierung, im realen Leben triffts sie dann selber...das nenn ich praxisnahes Studium!

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  • Front Office am 14.03.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Als Chefin einiger Studenten hab ich eher was anderes erlebt. Keiner ist flexibel, will am Wochenende arbeiten oder zeigt wenigstens ein bisschen Motivation. Und 8 Stunden arbeiten ist natürlich auch zuviel.

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  • horst am 14.03.2017 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weshalb?

    ich bin student und habe einen gemütlich job. tipp -> zuerst mit 100 % arbeiten bis man sich etwas auskennt (semesterferien) und danach reduzieren

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Wüthrich am 18.03.2017 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Job

    Also ich persönlich ejakuliere ja in einen Becher zu japanischen Mangagirls.

  • max v. am 16.03.2017 02:42 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss differenzieren!!

    Studenten mit einer Lehre z.B, als Mechaniker und etwas Berufserfahrung, die sind in der Industrie für Studentenjobs sehr gesucht. Was hingegen nicht gesucht ist in der Industrie, sind Studenten, welche eine KV-Lehre haben( wenn überhaupt!), etwas Soziales studieren und nun an ein Fliessband wollen, die haben mühe!!

  • ANZ am 15.03.2017 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ohne den anderen

    Interessant, wie sich in der Diskussion wieder die üblichen zwei Lager bilden, Büezer gegen Akademiker. Wir scheinen alle zu vergessen, dass wir ohne einander gar nichts Wert wären. Der Bauarbeiter kann sein Haus nicht bauen, wenn es der Architekt nicht zeichnet - und der Architekt muss sein Haus nicht zeichnen, wenn es der Bauarbeiter dann nicht baut.

    • Nachdenker am 16.03.2017 08:10 Report Diesen Beitrag melden

      @ANZ

      Grundsätzlich haben Sie recht... aber warum verdient dann der Architekt doppelt so viel? Vor allem wenn man bedenkt, dass der Handwerker auch ein einfaches Haus bauen kann ohne Architekten... umgekehrt funktioniert das nicht... welcher Job ist nun wichtiger? ;-)

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  • Zürcher Ex=Pat am 15.03.2017 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nachwächter als Student

    Als Student arbeitet ich als Nachtwächter. War ideal, da ich oft stundenlang nur da sitzen musste um sicherzustellen dass keine Unbefugten reinkommen. Perfekt um zu lernen, da sehr wenige Leute vorbeikamen. Ich verdiente gutes Geld, 1989 bis zu 5000 CHF im Monat. Aber eben ich musste mich anpassen und manchmal waren die Nächte sehr kurz. Zu dieser Problematik, sage ich nur Eines, Jungs und Mädels seit flexibler und seit euch nicht zu Schade auch solche Arbeit anzunehmen, die nicht sehr "prestigträchtig" ist, dann findet ihr Arbeit.

  • RaGe am 15.03.2017 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir passt es

    Ich habe nach einigem Suchen zum Glück einen tollen Job als Student Assistant Project Management bei einer Beratungsfirma gefunden. Während des Semesters arbeite ich dort bis zu 20 Stunden pro Woche, während der Semesterferien fast Vollzeit. Seit über 2 Jahren klappt das ganz gut, und die Chance, dass ich nach dem Studium sogar einen attraktiven Job angeboten kriege, stehen nicht schlecht.