«Luxushansa»

02. April 2014 15:14; Akt: 02.04.2014 15:14 Print

Swiss-Piloten verstehen deutsche Kollegen nicht

von L. Frommberg - Mehr Gehalt, tolle Hotels, ordentliche Spesen – was will man mehr? Schweizer Piloten zeigen wenig Verständnis für ihre streikenden Berufskollegen in Deutschland. Doch die Sache ist nicht ganz so einfach.

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Pilot in einem Airbus der Swiss: Wenig Verständnis für den Streik in Deutschland. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Der Flugverkehr der Lufthansa liegt lahm. Der Grossteil der 5400 Piloten der deutschen Airline verweigert noch bis Freitag um 23:59 Uhr die Arbeit. Bei den Passagieren stösst das auf wenig Verständnis – und nicht nur das: Auch eine ganze Reihe Berufskollegen in der Schweiz regt sich darüber auf, dass die Deutschen sich «blöd anstellen».

Man nenne die Lufthansa unter sich schon länger «Luxushansa», berichtet etwa ein Swiss-Pilot, der auf der Langstrecke unterwegs ist und früher auch innereuropäisch flog. «Sie dürfen immer in den besten Fünf-Sterne-Hotels schlafen, in besseren als wir.» Die Unterkunft der Swiss-Piloten sei nicht schlecht, betont die Medienstelle der Schweizer Lufthansa-Tochter. «Wir haben hohe Standards», so eine Swiss-Sprecherin. Aber dass es bei der Lufthansa noch eine Stufe besser sei, sei allgemein bekannt.

Gutes Jahressalär

«Ich habe noch nie verstanden, warum sich die Lufthansa-Piloten beschweren», so denn auch ein anderer Pilot der Schweizer Fluglinie. «Sie haben es dort in jeder Hinsicht gut, gerade was die Bezahlung betrifft.» Das zeigt auch der Zahlenvergleich. Das Brutto-Jahressalär bei der Swiss beträgt zwischen 78'000 und 210'000 Franken. Bei der Lufthansa sind es brutto umgerechnet zwischen 89'000 und 311'000 Franken.

Bei der Swiss beeilt man sich festzuhalten: «Es ist aufgrund der vielen Bestandteile der Anstellungspakete der Piloten nicht legitim, einen direkten Vergleich der Anstellungsbedingungen anzustellen.» Unter anderem deshalb, weil man hier in der Schweiz keine vergleichbaren Rentenregelungen habe.

Alte Rentenregelung beibehalten

Und genau diese Regelungen sind neben den Gehaltsforderungen der Streitpunkt . Neben einem höheren Gehalt fordern die Piloten nämlich auch, dass ihr bisheriges Rentenmodell erhalten bleibt. Wichtig sind ihnen die so genannten Übergangsrenten. Diese Zahlungen ermöglichten es den Kapitänen bislang, bereits ab einem Alter von 55 Jahren mit bis zu 60 Prozent ihrer Grundbezüge in die gesetzliche Rente überzugehen. Das will die Lufthansa nun abschaffen und die Piloten erst später in Rente schicken. Neu dürfen sie bis zum Alter von 65 Jahren arbeiten. Das Rentenmodell bei der Swiss hingegen ist auf die Pensionierung mit 58 Jahren ausgerichtet. Wer will, kann bis 59 weiterarbeiten, im Einverständnis mit dem Arbeitgeber können die Piloten noch bis 60 fliegen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Som am 02.04.2014 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Luxusproblem

    Die Piloten der Lufthansa haben keinen Respekt vor Ethik.

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  • Swiss am 02.04.2014 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe die auch nicht!!

    Fast schon jeden gefühlten Monat wird gestreikt.. Mann will immer mehr und mehr bis alles zerbricht!

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  • ich wars am 02.04.2014 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was sagt da nur der Bauarbeiter zu.....

    58 in Rente hätte der sicher mehr verdient.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 04.04.2014 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnismässigkeit

    Der Lufthansa hat die Swissair übernommen - ohne diesen Deal wäre es der Swissair nach dem Grounding sehr schlecht gegangen. Jetzt die weniger gut bezahlten Kollegen zu kritisieren ist schon ein wenig schwach...

  • Alex Servant am 03.04.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerei!

    Die Swissair-Piloten waren damals keinen Deut besser, als man ihre fürstlichen Löhne kürzen musste. Auf keinen Rappen wollten die gierigen Grossverdiener verzichten zur Rettung der Swissair!

  • Walter Spahni am 03.04.2014 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar, dass man bei diesen Löhnen

    sich noch getraut zu streiken! Die haben wie die Bänker jede Bodenhaftung verloren. Ich werde nie mehr Lufthansa fliegen!

  • PlazeboZH am 03.04.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    neid?

    verstehe das ganze gemotze nicht. nun verdient ein lufthansa pilot eben mehr als "üblich" (evtl.).... das geht ja mal gar nicht... und dann auf der anderen seite ist es ja legitim, wenn ein coiffeur in CH mehr verdient als der gleiche in deutschland... gönnt den leuten doch einfach was... neid macht unglücklich.... und ehrlich, wer würde es gleich machen, wenn er die möglichkeit hätte? ODER: bewirbt euch einfach bei der LH... dann ist das thema vom tisch...

  • Hybrid am 02.04.2014 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung der swiss finde ich gut

    Piloten verdienen sicher gut, wobei die jungen Anfänger heute auch nicht mehr so sehr. Wie bei allen Airlines. Dass sie ihr Pensionsalter behalten wollen, verstehe ich. Piloten sind extremen körperlichen Anstrengungen ausgesetzt. Durch die ständigen Druckunterschiede, Zeitverschiebungen und Bestrahlungen werden sie mit dem Alter schon sehr anfällig. Wer kein Pilot ist kann sich fast nicht vorstellen, wie stressig die Start-, Anflug- und Landephasen sind. Ich würde verstehen, wenn sie für den Status Quo streiken würden, aber nicht für mehr Lohn UND dieselben Sozialleistungen.