Holokratie

31. August 2017 10:31; Akt: 31.08.2017 15:16 Print

Swisscom will die Chefs streichen

Ist es die Arbeitsform der Zukunft oder ein verkapptes Sparprojekt? Bei der Swisscom arbeiten bereits 1500 Mitarbeiter ohne klassische Chefs. Bald sollen es mehr sein.

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Der Telekomriese Swisscom gibt gern den modernen Arbeitgeber. Das zeigen auch die vielen englischen Begriffe. Beim ehemaligen Staatsbetrieb ist beispielsweise «work anywhere» Trumpf. Das Unternehmen setzt auf Jobsharing, Homeoffice und Co-Working-Spaces. Und neuen Energien tanken die Swisscom-Angestellten im Rahmen des Programms «Move» – mit Aktivitäten von Fussball bis Yoga.

Als modern positioniert sich der Telekomkonzern auch in Sachen Mitarbeiterführung. Wie der «Blick» berichtet, arbeiten bereits 1500 von 18'000 Swisscom-Mitarbeitern in der Schweiz ohne klassische Chefs. In einigen Jahren sollen es sogar mehr als die Hälfte sein, die in «agilen Zusammenarbeitsformen» wirken. Bisher waren solche Modelle vor allem in Start-ups oder Kreativ-Firmen beliebt. Beispielsweise in der Web-Agentur LIIP in Bern, die rund 150 Mitarbeiter zählt.

Bei der Swisscom betont man, dass es auch in den neuen Organisationsformen weiterhin Chefs gebe, die etwa «Strategie festlegen, Budgets sprechen und steuern». Die klassischen Führungsaufgaben wie zum Beispiel das Rekrutieren, die Leistungsbeurteilung oder das Leiten von Meetings würden jedoch auf die mehrere Personen verteilt.

Zudem sei die «agile Organisation» kein Sparprojekt, erklärt die Swisscom. «Wir wollen und müssen schneller und flexibler werden und insgesamt kostengünstiger produzieren. Dazu tragen die neuen agilen Zusammenarbeitsformen bei», sagt Sprecherin Sabrina Hubacher.

Arbeiten ohne Chefs soll Flexibilität bringen

Das Organisationsmodell «jeder ist Chef» wird auch Holokratie genannt und zielt auf grösstmögliche Flexibilität ab. Dabei haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich in die Entscheidungen einzubringen. Die klassische Oben-wird-bestimmt-und-unten-ausgeführt-Organisation wird dabei von einem Mitarbeiterzirkel abgelöst. Das Modell wurde 2015 vom US-Unternehmer Brian Robertson entwickelt und in seiner Software-Firma erstmals eingesetzt.

Bei der Swisscom wird unter anderem das neue Modell «Scrum», was auf Deutsch Gedränge bedeutet, eingesetzt. Dabei sind die Mitarbeiter in Projektteams organisiert, die aus acht Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen bestehen, beispielsweise Design, Entwicklung und Betrieb. Bisher hatten sie kaum miteinander zu tun, weil jeder Bereich zuerst allein am Projekt arbeitete und es erst später an die nächsten Abteilung weitergab. Über den Teams steht in der Hierarchie ein sogenannter «Head of Tribe».

Auch SBB und Credit Suisse schaffen Chefs teilweise ab

Mit neuen Organisationsformen experimentieren auch andere Grosskonzerne. Die Credit Suisse beschäftigt 1500 Personen in sogenannten agilen Organisationsformen, bei der SBB sind es 1200, wie es im «Blick»-Artikel weiter heisst.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Ironiker am 31.08.2017 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wichti: CEO streichen.

    CEO's kosten unmengen an Geld. Es heisst sie tragen Verantwortung, aber in wirklichkeit haften sie weder mit ihrem Lohn noch mit ihrem Job. Die Leidtragenden sind immer die Angestellten. Deshalb: Lieber 10 Leute zu einem vernünftigen Lohn anstellen welche das Unternehmen Überwachen und organisieren und diesen Geldeinsacker-Posten streichen. Der bringt niemandem ausser sich selber etwas.

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  • Boris am 31.08.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das finde ich gut

    Wir sollten ganz oben anfangen und langsam aber sicher alle hohen Chefs langsam aber sicher abschaffen. Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Politik. Dann ersparen wir uns viel Ärger und sparen Milliarden von Franken.

  • Amina123 am 31.08.2017 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt?

    dann stellt sich mir die frage,warum swisscom immer noch am teuersten ist....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Boy George am 01.09.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Der Grosse Bruder liebt DICH!

    Hey, so wird das Arbeitsklima immer besser, alle Genossen mögen, schätzen und respektieren sich - auch Lohnneid gibts nicht mehr, verdienen dann alle gleich wenig!

  • Henä am 01.09.2017 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Interessantes Modell

    Solange ich auch meine Arbeit machen kann und weder zu Yoga noch zum Fussballspielen gezwungen werde!

  • Quasimodo am 31.08.2017 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer glaubt wird selig!!

    Darum hat man sicher auch Probleme mit den Blaulichtorganisationen auf IP umzusetzen es gibt ja keine Chefs mehr nur einer der sehr viel verdient aber wenig für den Laden macht!

  • B.Armin am 31.08.2017 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Theoretiker oder Modern gesagt:Manager..

    Ohne Chef geht's meistens besser!

  • Jonei am 31.08.2017 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der falsche Weg

    Hier werden bloss Arbeitsstellen wegrationalisiert unter dem Deckmantel einer Umstrukturierung. Am Ende arbeiten die Angestellten nur noch mehr und sind noch mehr belastet. Anstatt zu organisieren wird hiermit destrukturiert. Die Fluktuationsrate wird steigen und mehr Menschen werden psychisch erkranken, wofür wir Büezer wieder zur Kasse gebeten werden.

    • Linus am 31.08.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jonei

      Kennen Sie sich mit solchen Arbeitsformen persönlich aus oder wie kommen Sie auf diese Aussagen?

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