Glencore & Xstrata

19. November 2012 23:45; Akt: 20.11.2012 08:15 Print

Tag der Wahrheit für die Megafusion

In Zug könnte heute einer der grössten Bergbaukonzern der Welt entstehen. Die Xstrata-Aktionäre entscheiden über das Übernahmeangebot von Glencore. Spielverderber sind womöglich die Wettbewerbshüter.

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Linke Aktivisten demonstrieren im Septeber 2012 in Zug gegen die Rohstoffriesen Glencore und Xstrata. (Bild: Keystone)

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Der Deal des Jahres in der Rohstoffbranche steht vor einem entscheidenden Schritt. Am Dienstag stimmen die Aktionäre des schweizerisch-britischen Bergbaukonzerns Xstrata über das rund 32 Milliarden US-Dollar schwere Übernahmeangebot des weltgrössten Rohstoffhändlers Glencore ab.

Die Spannung vor der Versammlung in Zug ist gross, da schon eine vergleichsweise kleine Zahl der Xstrata-Anteilseigner das Vorhaben scheitern lassen kann. Zudem sehen manche Beobachter im komplizierten Abstimmungssystem eine Gefahr. Doch auch wenn die Aktionäre den Deal absegnen, müssten Wettbewerbsbehörden in aller Welt noch über den Zusammenschluss entscheiden.

Durch die Fusion könnte einer der mächtigsten Megakonzerne mit Kontrolle über grosse Teile der weltweiten Förderung und Vermarktung von Bodenschätzen und Agrarerzeugnissen entstehen.

Katar hat Widerstand aufgegeben

Die Aussichten für die Zustimmung der Aktionäre gelten inzwischen als gut. Xstrata-Grossaktionär Katar hatte seine Blockadehaltung aufgegeben und will für die Übernahme stimmen, nachdem Glencore im September in letzter Minute seine Offerte erhöht hatte. Statt der ursprünglich 2,8 eigenen Aktien für ein Xstrata-Papier bietet das Unternehmen nun 3,05 eigene Aktien.

Umstritten sind üppige Halteprämien für rund 70 Top-Manager von Xstrata. Diese belaufen sich auf 144 Millionen britische Pfund (zirka 179 Millionen. Franken). Sie sollen verhindern, dass zu viele wichtige Manager das Unternehmen nach einer Übernahme durch Glencore fluchtartig verlassen könnten.

Glencore selbst besitzt zwar bereits 34 Prozent der Xstrata-Aktien, darf aber nach britischem Recht bei der Aktionärsversammlung nicht mitstimmen. Deshalb kann schon eine vergleichsweise geringe Anzahl von 16,48 Prozent der Aktionäre eine Übernahme verhindern. Viele Rohstoffverarbeiter wie die Stahlindustrie laufen gegen den Zusammenschluss Sturm und hoffen auf das Veto von Wettbewerbsbehörden.

Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung?

Dass sich in der Schweiz immer mehr Rohstofffirmen ansiedeln, ruft Kritiker auf den Plan. Im linken Lager und bei entwicklungspolitisch engagierten Organisationen wirft man den Rohstoffmultis seit langem Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in den Abbauländern vor. Hinzu kommt die Kritik an den Transferpreisen zur Steuervermeidung sowie am schädlichen Einfluss der Spekulation auf den Rohstoffmärkten.

Die Rohstofffirmen stellen nach Darstellung der Kritiker ein hohes Reputationsrisiko für die Schweiz dar. Der ehemalige Zuger Nationalrat und Vizepräsident der Grünen Josef Lang schrieb in der «WOZ» einst von einer «gigantischen Hypothek» des Rohstoffhandels.

(sas/sda)

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