Öko-Trugschluss

26. Dezember 2017 09:02; Akt: 26.12.2017 14:57 Print

Teurer Leichtbau macht E-Autos kaum sauberer

Der Tesla S ist viel schwerer als der BMW i3. Auf den Energieverbrauch der beiden Elektroautos hat das Gewicht aber wenig Einfluss.

Beschleunigungswettkampf zwischen einem Tesla S und dem E-Boliden von Faradey Future.
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In der Autobranche gilt: Je leichter das Elektroauto, desto weniger Energie verbraucht es. Viele Hersteller setzen daher bei der Entwicklung ihrer Fahrzeuge auf teure und leichte Materialien wie Karbon.

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Eine aktuelle Studie stellt dieses Dogma nun infrage. Wie Forscher des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen in einem Test herausgefunden haben, hat das Gewicht von Elektroautos kaum einen Einfluss auf die Reichweite. Im Gegenteil: Teilweise verbrauchen die Autos mit zusätzlichem Transportgewicht sogar leicht weniger Energie.

«Leichtbau spielt keine Rolle»

Beim Test auf einer 100 Kilometer langen Strecke kamen je ein Schwergewicht und ein Leichtgewicht zum Einsatz: Zum einen ein Tesla S mit einem Gewicht von 2155 Kilogramm, zum anderen der mit einem Karbon-Chassis ausgestattete BMW i3 mit 1440 Kilogramm. Der Test sollte zeigen, wie sich die zusätzliche Transportlast auf den Energieverbrauch des jeweiligen Autos auswirkte.

Der Tesla S verbrauchte ohne Zuladung 17,77 Kilowattstunden (kWh). Mit 100 Kilogramm zusätzlichem Gewicht sank der Stromverbrauch auf 17,67 kWh. Mit 200 Kilogramm Zuladung war der Verbrauch wie im leeren Zustand und bei 300 Kilogramm Zusatzlast benötigte das Auto der US-Firma 17,87 kWh. Die maximale Differenz mit 0,6 Prozent sei so klein, dass sie vernachlässigt werden könne, so die Forscher. Sie kommen zum Schluss: «Leichtbau spielt beim Fahrzeug so gut wie keine Rolle.»

Energiegewinn beim Bremsen

Ähnliche Resultate ergaben sich beim BMW i3: Auch wenn das Auto mit zusätzlichem Gewicht gefüllt wurde, verbrauchte das Karbon-Modell nur leicht mehr Energie. Mit einem maximalen Unterschied von 4,4 Prozent war dieser sogar leicht grösser als beim Tesla. Eine grössere und schwerere Batterie würde daher den Kunden einen grösseren Nutzen bringen als ein sehr teures Karbon-Chassis, so die Studie.

Die Testresultate erklären sich die Forscher mit der Energierückgewinnung beim Bremsen, der sogenannten Rekuperation. Das heisst gemäss den Wissenschaftlern: Je schwerer das Auto, desto mehr Bremsenergie wird als Strom zurückgewonnen.

Klimanlage ist schlimmer

Die Forscher fordern daher die Autobauer zum Umdenken auf. Nicht der teure Leichtbau, sondern beispielsweise die Klimaanlage oder andere wichtige elektrische Stromfresser hätten grossen Einfluss auf den Energieverbrauch von Elektroautos. «Leichtbau ist eben nicht mehr das Mass aller Dinge, sondern etwa intelligentes Strom- und Energiemanagement», so die Forscher.

Teurer Leichtbau macht E-Autos kaum sauberer

(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ed am 26.12.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masse mal Beschleunigung

    Im stop-and-go verkehr in den städten spielt es eine massive rolle, ob du jedesmal 1 tonne oder 2 tonnen in bewegung setzen musst. Die praxis ist halt kein rundkurs ohne stau und ampeln..

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  • N. Tesla am 26.12.2017 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    10 Tonnen

    Das heisst dann wohl wenn man so 10 Tonnen mitführt verbrauchen die E-Autos gar keine Energie mehr! ;-)

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  • Mac Gäufer am 26.12.2017 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lademöglichkeit

    Das 800 Km lange Verlängerungskabel um vernünftig weit zu kommen macht das Auto noch ein bisschen schwerer. Grins

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dä Jesus am 05.01.2018 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist halt so.

    Was alle vergessen zu scheinen, ist die Tatsache, dass Elektroautos rekuperieren können. Wärend ein Verbrenner beim ausrollen bestenfalls kein Kraftstoff benötigt, kann ein Elektroauto durch talfahrt und ausrollen, Energie zurück gewinnen und je schwerer ein Fahrzeug ist, desto stärker kann gebremst werden und desto mehr Energie wird zurückgewonnen. Weiter kommt dazu, dass Elektromotoren durchs Band eine hohe Effizienz und unten rum immer genug Drehmoment haben. Wenn man aus dem Stand 1000+Nm zur Verfügung hat, wirkt sich das Fahrzeiggewicht in diesen Masstäben nur noch geringfügig auf den Energieverbrauch aus. Elektromotoren funktionieren halt etwas anders als Verbrennungsmotoren.

  • Urs R. am 29.12.2017 03:29 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann alles verdrehen ....

    Also, man kann ja auch die trivialsten Grundgesetze der Physik als Lügen benennen, das macht diese trotzdem nicht falsch. Im Gegensatz zu Duisburg haben wir hier ja auch ein paar Hügel und Berge und spätestens bei der Überwindung dieser fällt diese These kläglich ins Wasser. Die Frage des Energieverbrauchs würde in diesem Artikel etwas zu oberflächlich bearbeitet ...

    • Dä Jesus am 05.01.2018 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Urs R.

      Wo es rauf geht, gehts auch wieder runter, und je schwerer das Fahrzeug, desto mehr kann rekuperiert werden. Bei Bergfahrt braucht ein schwereres EV zwar mehr Energie, aber wenn es dann wieder abwärts geht, wird auch mehr zurückgewonnen, am ende gleicht sich das wieder aus. Das ist eben der feine unterschied zwischen Elektro und Verbrenner, denn ein Verbrennungsmotor braucjt bestenfalls lein Kraftsoff beim bergab fahren, ist aber nicjt in der lage Kraftstoff zu produzieren.

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  • Cavi33 am 28.12.2017 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelweg gesucht

    Ist doch klar wenn der Akku schon die Hälfte des Fahrzeuggewichts ausmacht. Im Bereich Stromspeicherung sind wir noch im Mittelalter. Es wäre besser wenn der Ottomotor endlich nochmals optimiert würde um den Wirkungsgrad zu verbessern.

    • Mike am 28.12.2017 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cavi33

      ....der ist ausgereizt und wird immer 2-3x geringerer wirkunhgsgrad als ein eMotor haben. 75% der im treibstoff enthaltene energie verpufft nutzlos in wärme...

    • leser79 am 28.12.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      es ist sofar noch mehr.

    • Dä Jesus am 05.01.2018 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cavi33

      Der Verbrennungsmotor ist ausgereizt und die Utopischen Wirkungsgrade von 40%, die VW angibt, sind auch nur Prüfstandwerte unter Laborbedingungen, welche im Strassengebrauch nicht mal annähernd möglich sind. Elektromotoren hingegen haben einen Wirkungsgrad von über 90% gesetzlich vorgeschrieben.

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  • Homo S. am 28.12.2017 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung fehlt im Artikel

    Bremsenergie-Rückgewinnung ist bei höherem Fahrzeuggewicht effizienter. Beim E-Velo z.b. lohnt sich der Aufwand kaum. Der Nutzen der superteuren CFK-Chassis bei den BMW iModellen ist nicht vorhanden. Darum macht BMW mit dem Konzept nicht weiter.

  • beni am 28.12.2017 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    wer hat den bericht finanziert?

    grottenschwache darstellung mit der suggerierung, dass e-autos zu schädlich sind. doch fehlen nicht-manipulierte nachweise, welche die gekauften statistiken unterstüzen würden. und niemand erwähnt, dass in 30 jahren der verbrennungsmotor verschwinden wird und mit ihm millionen arbeitsplätze, weil all die nicht benötigten teile auch zulieferer bachab schicken werden. dank berichten wie dieser wird man darauf nicht reagieren können, wegen polemischem einheitsbrei. danke, politik...

    • Illumination am 28.12.2017 07:46 Report Diesen Beitrag melden

      @beni

      Verbrennungsmotor in 30 Jahren verschwinden? Global gesehen wohl kaum - nicht in grossen Teilen Afrikas, Süd-Amerikas, Asiens, in der "Pampa" in Europa.. ;-)

    • Dä Jesus am 05.01.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Solange es Deutschland gibt, gibt es auch Verbrennungsmotoren in Autos.

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