US-Steuerreform

21. Dezember 2017 12:16; Akt: 21.12.2017 12:16 Print

Was bringt der Steuerdeal Apple und Nike?

Die gigantische Steuerreform von US-Präsident Donald Trump ist so gut wie Gesetz: Was sind ihre Folgen für die USA und auch für die Schweiz?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

US-Präsident Donald Trump hat kein Jahr gebraucht, um sein grösstes und folgenreichstes Politikprojekt durchzusetzen: Steuererleichterungen von insgesamt 1,5 Billionen Dollar. Es ist der massivste Einschnitt seit Ronald Reagans Reform von 1986.

Umfrage
Finden Sie, dass Trump mit der Steuerreform politisch an Gewicht gewonnen hat?

Wird Trump nun zum Triumphator?
Noch diese Woche, nach einer zweiten formellen Abstimmung im Kongress, dürfte Trump die Steuerreform unterschreiben und wird damit seine politische Durchsetzungskraft markieren. Er möchte dank ihr als Job-Präsident in die US-Geschichte eingehen. Die Reform hatte ursprünglich den Titel «Steuerkürzungs- und Arbeitsplatzgesetz». Die Idee: Weil die Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent sinken und Firmen neu durch Abzüge auch auf einen deutlich tieferen effektiven Steuersatz kommen können, kommt es zum Wirtschaftsboom. US-Firmen holen die ins Ausland verlagerten Arbeitsplätze wieder ins Land.

Treibt die Reform tatsächlich die US-Wirtschaft an und schafft neue Jobs?
Klar ist, dass vor allem für die Finanz- und Immobilienbranche
die effektiven Steuern sinken. Und damit profitieren auch Trump selbst sowie sein Schwiegersohn Jordan Kushner, der bei einer Immobiliengesellschaft arbeitet. Allein die Banken sparen in den nächsten zehn Jahren dank Sonderregelungen ein Drittel oder 250 Milliarden Dollar an Steuern, so Berechnungen der Ökonomen der University of Pennslyvania. Für die Industrie und ihre klassischen Produktions-Arbeitsplätze dagegen reduzieren sich die Steuern nur um ein Viertel. Von diesem Ungleichgewicht abgesehen ist auch die Investmentbank Goldman Sachs nicht überzeugt, dass Trumps Reform zum Jobmotor wird: Die gigantischen Steuersenkungen bringe der US-Wirtschaft nur zwischen 0,1 und 0,2 Prozent zusätzliches Wachstum über die kommenden Jahre. Schon jetzt – auch ohne Steuerreform – wird laut Experten die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 2,2 Prozent wachsen.

Gibt es Verlierer?
Schon jetzt geht die Reform zu Lasten derjenigen, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Um die Steuerkürzungen zumindest ein wenig zu finanzieren, soll hier bei den staatlichen Subventionen gespart werden. Damit gelingt es Trump, Obamacare teilweise zu schleifen. In Zukunft dürfte auch bei weiteren Sozialleistungen wie auch bei Schulen gespart werden, um die Steuerausfälle auszugleichen.

Steigen nun die US-Schulden?
Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Reform das Loch im US-Haushalt drastisch vergrössern wird. Das Joint Committee on Taxation, ein Ausschuss des US-Kongresses, schätzt, dass sich das Defizit zwischen 2018 und 2027 um 1,45 Billionen Dollar ausweiten wird.

Was bringt der Deal globalen US-Konzernen wie Apple?
US-Firmen wie Apple, aber auch Nike oder Coca-Cola, haben Milliarden etwa auf den Kaimainseln geparkt. Dort sind die Steuern bei null Prozent. Die US-Reform könnte nun dazu führen, dass sie die Gewinne in die Heimat bringen. Denn künftig sollen US-Unternehmen nur noch dort Steuern zahlen, wo die Gewinne gemacht werden. Das heisst im Fachjargon «territoriales Steuersystem». Bei der Rückführung der Gewinne in die USA müssen die Konzerne nun eine einmalige Zahlung leisten. Martina Walt, Steuerexpertin beim Wirtschaftsprüfer PWC, sagt zu 20 Minuten: «Die USA wollen mit einem territorialen Steuersystem den Anreiz für die Konzerne schaffen, die im Ausland angefallenen Gewinne in die USA zurückzubringen.» Das solle für mehr Investitionen und Jobs in der Heimat sorgen. «Global aufgestellte Firmen werden jedoch schauen, wo sich Investitionen lohnen werden», sagt Walt.

Was bedeutet die Reform für Schweizer Firmen in den USA?
Schweizer Konzerne wie Nestlé oder Novartis sind auch in den USA tätig. Auch sie profitieren von den tieferen Steuern. Sebastian Maury, Steuerexperte von KPMG, nennt die Reform «ein Erdbeben». Wie sich das auf die einzelnen Branchen und Unternehmen auswirke, sei noch unklar. «Es wird jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich sein, ob sich verstärkte Investitionen von Schweizer Firmen in den USA lohnen», sagt Maury zu 20 Minuten. Martina Walt von PWC meint: «Mit der Reform steigt der Druck, die globale Wertschöpfungskette genau zu analysieren.»

Geraten die Schweizer Steuersätze unter Druck?
Die USA werden nun zu einem Industriestaat mit eher niedrigen Steuern für Unternehmen. Der Chefökonom des Basler Forschungsinstituts BAK Economics Basel, Martin Eichler, warnt: «Das zeigt uns, dass der weltweite Steuerwettbewerb um die Unternehmen weitergeht.» Die Schweiz müsse nun mit der Unternehmenssteuerreform zügig vorangehen. «Vor allem muss wieder Rechtssicherheit geschaffen werden», so Eichler. Die Steuersätze an sich seien je nach Kanton bereits heute attraktiv. In Basel Stadt liegt laut BAK Taxation Index die effektive Steuerlast für ordentlich besteuerte Unternehmen im Schnitt bei 19,6 Prozent, und für die derzeit privilegierten Holdings sind effektive Belastungen von 10–12 Prozent möglich.

(ish)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fazit am 21.12.2017 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überspitzt ausgedrückt

    -weniger steuereinnahmen-weniger sozialleistungen für den bürger-viel mehr gewinn für eine handvoll milliardäre

    einklappen einklappen
  • Reto am 21.12.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungslos

    Wunderbar Unternehmen bezahlen teilweise 10-12 % Gewinnsteuern. Private bezahlen aber ca. 20 % Einkommenssteuern. Aktienwertgewinne sind zudem Einkommenssteuerfrei. Der Abzockerwildwuchs geht ungebremst in die nächste Runde und schafft wenige Gewinner und viele Verlierer.

    einklappen einklappen
  • John am 21.12.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtmissbrauch

    Vergleiche USA mit der Schweiz. Gibt man den Rechten Macht, politisieren sie eher für die Reichen, damit diese reicher werden. Die Armen wählen Sie, weil Die Volksparteien mit Polemik die Minderheiten für alles schlechte verantwortlich machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 22.12.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... da werden .... und auch !!

    .... da werden die Superreichen noch reicher!!!! und auch die Trump-Familie !!!

  • Verfasser am 22.12.2017 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden immer mehr egoistisch erzogen

    Die Globalisierung nützt einzig den weltweit tätigen Konzernen und schädigen die Staaten, welche immer weniger Mittel zur Verfügung haben um ihren Aufgaben gerecht zu werden. Was das für den Bürger heisst, sieht man schon in der Schweiz, wo die Sozialleistungen unter Druck stehen und Steuererhöhungen ins Haus flattern. Ich glaube nicht, dass dadurch der Zusammenhalt der Gesellschaft dienlich ist.

  • JeffR am 22.12.2017 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle profitieren

    Es gibt viele reiche in einigen Bundesstaaten denen die Steuern nun erhöht wurde (bspw new york). Die Vorteile immer mit nur zu betiteln wirkt sehr pessimistisch. Ist doch alles besser als keine Steuersenkung. Ausserdem profitieren die Arbeiter von mehr Arbeitsstellen sowie höheren Löhnen und Boni. AT&T hat bereits einen 1000 $ Bonus für 200000 US Mitarbeiter angekündigt.

  • Bürger MM am 22.12.2017 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übetspitzt geantwortet

    Firmen sind dazu da, um dem Staat Steuern zu zahlen, sondern um die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätue zu schaffen. Die Steuern sollen von den Arbeitern entrichtet wetden. Reicht das nicht, dann muss drr Staat abbauen...

  • Broetli am 22.12.2017 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Amerikaner wollen das

    Sie haben eine republikanische Mehrheit ins Parlament gewählt und auch Trump fast 50% der Stimmen gegeben. Natürlich, gerrymandering etc., aber schlussendlich bekommen sie alles, was sie sich gewünscht haben.