Ferien trotz Terror

24. April 2016 22:47; Akt: 24.04.2016 22:47 Print

Türkei zahlt Reisebüros Prämie für Touristen

von K. Wolfensberger - Viele Touristen bleiben der Türkei derzeit fern. Der Staat zahlt Reiseanbietern deshalb neu eine Belohnung aus, wenn sie Gäste bringen.

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Derzeit denken die meisten wohl an Jan Böhmermann, wenn das Stichwort Türkei fällt. Der deutsche Satiriker zog Präsident Recep Tayyip Erdogans Zorn mit einem Schmähgedicht auf sich, nun will der Staatschef Böhmermann verklagen. Dabei geht in der Debatte um die Türkei ein anderes wichtiges Thema unter: der Tourismus. Denn dieser ist für die Wirtschaft des Landes von grosser Bedeutung. Und wegen der Kapriolen um Erdogan und der Diskussion um Flüchtlinge und Terror bleiben europäische Touristen der Türkei derzeit lieber fern.

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Das möchte die türkische Regierung nun ändern. Sie will ihre Strände in Bodrum, Side und Belek wieder bevölkern und startet daher eine grosse Subventionsaktion. Diese gilt bis Ende September und belohnt Reiseveranstalter, die viele Touristen ins Land am Bosporus bringen. Konkret sollen die Firmen pro Ferien-Charterflugzeug, in dem mindestens 100 Passagiere sitzen, 6000 Dollar an Subventionen erhalten. Laut der Zeitschrift «Travel Inside» rechnet Deniz Ugur von Bentour-Reisen damit, dass rund 80 Prozent der über Veranstalter gebuchten Türkei-Reisen subventionsberechtigt sein werden.

TUI und Kuoni freuen sich

Bei den grossen Schweizer Reiseveranstaltern freut man sich über die Subventionen aus der Türkei. Die Firma Kuoni Schweiz, die neu zu Rewe gehört, berechnet laut Sprecher Marcel Schlatter derzeit, auf wie viele Subventionen sie genau Anspruch haben wird. Das Problem sei aber, dass das Prozedere zum Erhalt der Gelder relativ aufwändig sei; die genauen Abläufe seien noch nicht klar. «Preisvorteile würden wir aber selbstverständlich an die Kunden weitergegeben», sagt Schlatter zu 20 Minuten.

Bianca Schmidt von TUI Suisse sagt auf Anfrage ebenfalls, dass man mit den türkischen Behörden bezüglich der Subventionen in Kontakt stehe. Sie erklärt, dass das Vorgehen der türkischen Regierung gar nicht so unüblich sei und andere Feriendestinationen oft zu ähnlichen Mitteln greifen würden.

32 Milliarden Franken jährlich

Trotzdem übertrifft die Subventionsmassnahme der türkischen Regierung wohl die üblichen Bemühungen anderer Reisedestinationen. Bedenkt man allerdings, dass der Fremdenverkehr rund 6,2 Prozent der Wirtschaftskraft der Türkei ausmacht und acht Prozent der Jobs betrifft, so verwundert das kaum. Laut der «Wirtschaftswoche» verdienten die Türken mit Hotel- und Flugbuchungen sowie Ausflugsprogrammen und weiteren Leistungen umgerechnet bis zu 32 Milliarden Franken jährlich.

Die Situation in der Türkei ist derzeit besonders angespannt, da aufgrund von Attacken militanter kurdischer Gruppen oder der Terrorgruppe IS einerseits westliche Touristen fernbleiben. Andererseits ist der politische Streit zwischen Russland und der Türkei um den Abschuss eines russischen Kampfjets im November noch immer nicht gelöst. Deshalb fehlen zurzeit auch die russischen Touristen. Diese machen traditionell einen grossen Anteil der Badegäste in der Türkei aus, da sie andere Länder wegen Visumsproblemen nur schwer bereisen können.

Regierung interveniert

Die Regierung unter Präsident Erdogan und Premier Ahmet Davutoglu versucht, den wirtschaftlichen Folgen nicht nur in Form von Subventionen für ausländische Anbieter entgegenzutreten. Banken zum Beispiel dürfen laut eines neuen Beschlusses Kredite an Tourismusunternehmer im Wert von umgerechnet 17 Milliarden US-Dollar stunden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kri Tiker am 24.04.2016 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt erst recht!

    Türkei boykottieren bis Erdogan weg ist! Und mit weg meine ich weg!

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  • Erdo am 24.04.2016 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie

    War letztes Jahr in der Türkei. Trotz der eigentlich schönen Ferien wird es das letzte Mal geweswn sein.

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  • Erin am 24.04.2016 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    ...jedem das seine. Aber wer jetzt nur wegen eines Schnäppchens in der Türkei Ferien macht, dem ist nicht mehr zu helfen. Vorher nehme ich eine Revolver und spiele Russisches Roulette....;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 25.04.2016 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf keinen Fall Türkei

    Ja nicht dieses Land nich mit Feriengeld unterstützen. Komme erst wieder wenn Erdogan verschwunden ist. Unterstütze eher Griechenland als die Türkei.

  • Gret Biner am 25.04.2016 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Gesinnung und unser Geld

    Die einzelnen Türken können ja wenig dafür, ausser sie stehen hinter seiner Gesinnung. Damit sollen jene auf Erdokrats Linie nicht auch noch Geld bekommen. Zudem ist es lästig, dauernd angequatscht und in irgendwelche Geschäfte geschleppt zu werden. Die normalen Türken tun mir leid, aber irgendwer hat den Erdo ja gewählt. Viele Türken teilen zb in Sachen Frauenrechte Erdos Haltung und halten wenig von einem säkularen Staat.

  • joerckel am 25.04.2016 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fernbleiben

    Trotz"Belohnung" bleibt man der Türkei fern, so lange der Sultan und seine Gesellen am Ruder sind.

  • Bruder Motzi am 25.04.2016 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei war noch nie meine

    Destination. Jetzt erst recht nicht mehr, weil mir das pol. Leben dort zu schaffen macht. Dann nochwas: Die Reiseanbieter garnieren Prämien????? die gehört ja wohl den Reisenden, den DIE gehen die Risiken ein (Absolute Frechheit!!!).

  • Felix am 25.04.2016 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    Ich war am Silvester und Neujahr an der türkischen Riviera in Belek. Das Hotel war voll, auch jede Menge russische Turisten .. Offenbar nehmen nicht alle Russen Verbote von Putin ernst