Ökostadt Masdar City

16. Februar 2012 17:44; Akt: 17.02.2012 13:50 Print

Unser Dorf in Abu Dhabi wird zur Swiss MiniaturUnser Dorf in Abu Dhabi wird zur Swiss Miniatur

von S. Spaeth - Masdar City ist das Öko-Vorzeigeprojekt schlechthin. Auch Schweizer Firmen wollten sich im Schweizer Teil der Ökostadt ansiedeln. Vom Dörfli bleibt wohl nur ein Gebäude übrig.

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Die Ökostadt in der Wüste hat Sand im Getriebe: Ursprünglich hatten die Scheichs im Emirat Abu Dhabi damit gerechnet, ihre emissionsfreie Retortenstadt 2012 oder 2013 eröffnen zu können. Zwar sind die Bagger aufgefahren, der Zeitplan hat sich aber verändert. Wegen der Immobilienkrise in der Golfregion gab es Geldprobleme und Baustopps. Das Projekt wurde abgespeckt und soll nun 2025 eröffnet werden.

Auf dem sechs Quadratkilometer grossen Gelände nahe dem Abu Dhabi International Airport stehen statt einer kompletten Stadt erst einige Blocks. Auf den Animationen des Star-Architekten sieht die auf Baukosten von 22 Milliarden Dollar veranschlagte Stadt Masdar (arabisch für «Quelle») anders aus. Dort verkehren anstelle von Autos Gondeln. Die Energie für die 50 000 Bewohner stammt ausschliesslich von der Sonne.

Redimensioniertes Schweizer Dorf?

Vom Ökoboom und dem vielen Geld der Scheichs wollten auch Schweizer Firmen profitieren. So wurde in Masdar ein Schweizer Dorf geplant. Noch im Sommer 2009 hatte die Exportförderungsorganisation des Bundes Osec vollmundig angekündigt: «Wir verhelfen dem Projekt Swiss Village zum Durchbruch». Osec leistete eine Anschubfinanzierung von insgesamt rund einer halben Million Franken. Der Plan: Im Zentrum von Masdar hätten 250 000 Quadratmeter Nutzfläche für Schweizer Unternehmen entstehen sollen. In der Euphorie hatte der Verein Swiss Village Assosiation (SVA) bald einmal 170 Mitglieder. Nun sind es laut Präsident Nick Beglinger noch rund 80.

Mit dem schleppenden Bauverlauf ist Ernüchterung eingekehrt: Firmen, die einst begeistert von Masdar schwärmten, gehen nun auf Distanz. Weder der Baukonzern Implenia noch die Credit Suisse oder die Solartech-Firma 3S wollen sich im Swiss Village einmieten. «Das Projekt ist nicht gescheitert», bekräftigt hingegen Beglinger im Gespräch mit 20 Minuten Online. Er räumt aber ein, dass es womöglich bei einem kleinen Swiss-Sprinter-Building bleibe. Seine Nutzfläche wäre noch 14 000 Quadratmeter gross.

Es fehlen die Mieter

Das Swiss-Sprinter-Building wäre somit rund 20-mal kleiner als das ursprünglich geplante «helvetische Dorf» – sozusagen eine Swiss Miniatur. Für Beglinger ist dies aber nicht entscheidend: «Ob ein einziges Gebäude oder ein ganzes Village ist sekundär.» Wichtig sei, dass beim Masdar-City-Projekt Schweizer Technologie zum Einsatz komme.

Trotz der Verzögerungen bleibt SVA-Präsident Beglinger Optimist und betont, dass in Masdar bereits eine Milliarde Dollar verbaut wurde. Die fehlenden Schweizer Mieter erklärt er so: «Die Projektverantwortlichen in Masdar verlangen schon jetzt Absichtserklärungen für Mietverträge. Doch Schweizer Firmen unterschreiben nicht, wenn das Projekt nicht definitiv steht.» Gebaut wird im Wüstensand erst, wenn für 40 Prozent der Nutzflächen Mietzusagen vorliegen.

Was geschieht mit der Schweizer Botschaft?

Eine der wenigen definitiven Zusagen fürs Swiss Village kommt von der Schweizer Botschaft. Sie möchte 2014 von Abu Dhabi in die Ökostadt umsiedeln. Am Mittwoch fand laut der «Handelszeitung» eine Krisensitzung zwischen Vertretern der Schweiz und Abu Dhabis statt. Swiss-Village-Boss Beglinger war nicht dabei. Das Resultat der Gespräche dürfte für ihn aber wenig erfreulich sein. Laut Osec-Sprecher Patrick Djizmedjian sind die Voraussetzungen für den Bau des «Swiss Sprinter Building» noch nicht gegeben. Daher sei beschlossen worden, die Frist für den Umzugs-Entscheid der Schweizer Botschaft bis Ende März zu verlängern.

Nach dem ursprünglichen Plan hätte das Swiss Village bereits eröffnet werden sollen. Im Sommer 2009 rechnete die Osec mit einer Einweihung im Jahr 2011 und beschrieb das Projekt als Schweizer Business Hub mit Büros, Forschungsanlagen und einer Schweizer Privatschule. «Aus dem Bau des Swiss Village dürfte für die Schweizer Industrie ein Auftragsvolumen in Höhe von mehreren hundert Millionen Franken resultieren», sagte einst Osec-Chef Daniel Küng. Es tönte nach «Swiss Made» im grossen Stil.

Mittlerweile scheint auch die Osec etwas von ihrer Begeisterung verloren zu haben. Nachdem man das Projekt 2009 mit 150 000 und im Jahr 2010 mit 267 000 Franken unterstützt hatte, gab es 2011 kein Geld mehr. Das Gesamtprojekt werde von Abu Dhabi als strategisch wichtig beurteilt und deshalb weiter vorangetrieben, so Osec-Spercher Djizmedjian. Trotz der abgespeckten Version sieht der Exportförderer im Projekt noch Potenzial, Vorbild für den nachhaltigen Bau von Städten zu sein. Ist das nun eine Durchhalteparole oder die Resignation?

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  • Lindo Anjo am 17.02.2012 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schizophren

    Im Inland wird auf alles Fremde verbal eingeschlagen und im Ausland will man immer in der ersten Reihe stehen und den Pfau machen. Das ist Schizophrenie in Reinkultur!

  • M.R. am 17.02.2012 05:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ölgeld

    Eine Ökostadt das mit Ölgelder gebaut wird! ahahaha

    • amatiz am 17.02.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      Tatsache

      wie wahr! aber immerhin wird mit dem Ölgeld mal was sinnvolles gemacht...

    • Eva S am 17.02.2012 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      Logisch

      Wir sollten den Reichtum und die Energie, welche wir aus vergänglichen Ressourcen gewonnen haben und noch immer gewinnen, dazu nutzen zukünftige nichtvergägliche Technologien zu fördern!

    einklappen einklappen
  • Ökofan am 17.02.2012 01:41 Report Diesen Beitrag melden

    Window to the future?

    Einfach toll :)

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