Knatsch im Bergdorf

07. Dezember 2015 19:34; Akt: 07.12.2015 22:07 Print

Valser fordern von Remo Stoffel 6 Millionen Franken

von C. Landolt - Unzufriedene Dorfbewohner haben eine Volksinitiative eingereicht. Sie wollen, dass der von Investorenseite angekündigte Bau der Mehrzweckhalle endlich beginnt.

Bildstrecke im Grossformat »
Remo Stoffel ist CEO des Projektes 7132 in Vals. Der Immobilien-Investor plant im Bündner Bergdorf Vals eine Hotelanlage, deren Kern ein 381 Meter hoher Turm ist. Der Investor Remo Stoffel und der Valser Streinbruchunternehmer Pius Truffer wollen in Vals ein Luxushotel erstellen, das 380 Meter hoch ist und zu den fünf besten Hotels der Welt gehört. So sieht die Visualisierung des Valser Turms von Architekt Thom Mayne aus, die er für den Wettbewerb im November eingereicht hat. Die definitive Version soll aber viel viel höher werden. Mit 380 Metern würde im Alpental das höchste Gebäude Europas entstehen. Eine detailiertere Sicht auf die Turm-Visualisierung. Das Hochhaus soll auf einem rutschgefährdeten Hang gleich neben der Therme in Vals erstellt werden. Wie es im Boden verankert werden soll, ist noch unklar. Tiefenbohrungen könnten die Valserquelle beeinträchtigen und wären darum nicht erlaubt. Nebst der Visualisierung von aussen findet sich im Netz auch ein Blick in die exklusive Bar des Hotels. Mayne ist nicht der Einzige, der eine Visualisierung eines Hochhauses entworfen und am Wettbewerb teilgenommen hat. Im Netz taucht auch ein Entwurf des Schweizer Stararchitekten Max Dudler auf. Dieser hat unter anderem die Pädagogische Hochschule an der Europa-Allee in Zürich entworfen. Vals soll dank der Therme von Peter Zumthor (hier im Bild) und dem neuen Hochhaus auch zum Architekturmekka werden. Das ist eine der Visionen von Stoffel und Truffer. In der Gemeinde Vals sind die Meinungen offenbar geteilt. Die einen trauen Stoffel nicht und reden von Gigantismus. Die anderen sind froh, dass investiert wird, und finden Gefallen am Luxus-Projekt. Die Zonenplanänderung könnte darum Chancen haben, vom Volk abgesegnet zu werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Bündner Dorf Vals kommt nicht zur Ruhe. Als der Bündner Bauunternehmer Remo Stoffel 2012 die dortige Therme und das dazugehörige Hotel für zehn Millionen Franken kaufte, schloss er mit der Gemeinde einen Handel ab. Er versprach, der Valser Jugend eine Mehrzweckhalle zu bauen und diese zur Hälfte zu finanzieren. Dieses Versprechen wird von vielen gar als entscheidender Coup gewertet, der ihm dazu verhalf, damals den Zuschlag zu erhalten, schreibt die Bauwelt. Es sei das schlagende Argument gewesen, weshalb er die Therme bekam und nicht sein Kontrahent Peter Zumthor.

Sechs Millionen Franken müsste Stoffel hierfür zahlen. Dieser Betrag wird erst fällig, wenn die Mehrzweckhalle gebaut wird, ursprünglich spätestens Ende März 2015. Stoffel hatte sich im Kaufvertrag ausbedungen, dass er nicht den ganzen Betrag bar bezahlen muss, sondern sich stattdessen an der geplanten Mehrzweckhalle beteiligen kann.

Wenig Geduld

Doch die Gemeinde hat noch gar nicht mit der Planung begonnen, schreibt der «Tages-Anzeiger». Laut Gemeindepräsident sei der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr realistisch, obwohl der Gemeinderat die Frist von März auf Ende September erstreckt habe. Mittlerweile ist der Kaufvertrag laut Gemeindepräsident bis 2016 gestundet, so der «Tages-Anzeiger». Die Valserinnen und Valser hätten nun eine entsprechende Volksinitiative an der Gemeindeversammlung deponiert. Sie verlangen, dass Stoffel innert eines Monats die sechs Millionen Franken inklusive Zinsen bezahlt.

Pius Truffer, Verwaltungsrat der 7132 AG, wie die Hotel und Thermalbald Vals AG neu heisst, bestätigt auf Anfrage, dass die Initiative deponiert wurde. Er betont aber, dass «nicht absichtlich eine Verzögerung herbeigeführt worden war». Dass es im Dorf eine Mehrzweckhalle brauche, sei «unumstritten». Er verstehe deshalb auch den «gewissen Unwillen» diesbezüglich. Man habe aber den Planungs- und Organisationsaufwand unterschätzt, den ein gemeinsames Projekt zwischen Gemeinde und Investoren mit sich bringe. An der nächsten Gemeindeversammlung im Januar werde darüber genau informiert, wie die künftige Zusammenarbeit und die Finanzierung aussehe.

Stoffel plant Ando-Park

Die Mehrzweckhalle solle auf dem ursprünglich geplanten Areal beim Schulhaus stehen. Stoffel plant auf dem ursprünglichen Land jedoch den Ando-Park, der vom japanischen Star-Architekten Tadao Ando konzipiert wird.

Hinter den Kulissen in Vals herrscht bei einigen noch immer Unmut über das geplante Mammut-Projekt. Pius Truffer wählt in einer Leserbrief-Replik scharfe Worte: Kolumne «Kultur entsteht aus zivilisatorischem Schaffen. Aber das Einzige, was ich als Echo hier oben höre, ist der Bier-Rülps vom Stammtisch. Wir brauchen etwas Neues. Wir brauchen diesen Turm.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruce am 07.12.2015 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Remo Stoffel, der unbekannte..

    Seit Remo Stoffel die Lehre bei der Credit Suisse in Chur absolviert hatte, war sein Pfad von leeren Versprechungen gepflastert, profitiert hat er aber immer. Offenbar scheinen die Medien dem nie nachgegangen zu sein, kleiner Tipp an die Redaktion..

  • Davoser am 07.12.2015 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Hätten die Valser...

    ...vor der Vergabe der Therme bei Google mal das Stichwort "Remo Stoffel" eingegeben, hätten sie wohl kaum für ihn gestimmt. Man sollte sich halt immer VORHER über Personen informieren, anstatt sich von (leeren) Versprechungen blenden zu lassen...

    einklappen einklappen
  • clclcl am 07.12.2015 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vertrauen

    Ich traue ihm einfach nicht!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Durrer am 09.12.2015 00:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nebenschauplatz

    Wenn es stimmt, dass die Übernachtungen bereits im ersten Jahr um 43% eingebrochen sind, dann dürfte dies ohnehin das Ende für den Qualitätstourismus in Vals sein. Als eines der ehemals grössten Schweizer Hotels war die Therme sicherlich nicht unbedeutend für die Aufrechterhaltung der touristischen Infrastruktur über die Kurtaxe. Wahrscheinlich wird der Verkaufspreis für die Therme innert weniger Jahre über die fehlenden Kurtaxen egalisiert... Selten soviel Kurzsichtigkeit eines ganzen Dorfes gesehen, wie bei den Valser in der Causa Therme... Zumthor wäre um Welten besser gewesen...

  • Davoser am 08.12.2015 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go Remo go

    Auch gut ist der RS in Vals und nicht bei uns! Obschon, nach dem Ei könnten wir ja noch einen Turm oder ein anderes Luftschloss brauchen.

  • ferdinand porsche am 08.12.2015 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geld weg

    Herr stoffel gönnte sich selber, diesen sommer einen porsche 918 spyder für über eine mio. franken

  • Linda am 08.12.2015 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vals/ Andermatt / Melchsee Frutt

    Das ganze kommt mir vor wie in Andermatt, da war einmal eine Kaserne viele Festungen und noch viel mehr Armee. Nun ist alles weg und es kommt ein Araber mit sehr viel Geld verspricht sehr viel, macht einiges! Aber was passiert wenn das ganze mal in sich zusammen fällt und der Sponsor nicht mehr wil, Melchsee Frutt mit dem Rheindard hotel Bau lässt grüssen und war Jahre lang nur eine Bauruine. Valser passt auf, könnte gleich heraus kommen, schade um dieses schöne Wander- u. Skigebiet

    • Bruno Winkler am 08.12.2015 22:29 Report Diesen Beitrag melden

      600 Millionen

      Sollte Andermatt den Bach runter gehen, zahlt die Zeche der Steuerzahler. Der Kanton hat die Garantie übernommen.

    einklappen einklappen
  • Noldi Schumacher am 08.12.2015 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo Valser....

    Ein 300m Turm? Ein Thermalbad Eintritt zu Fr. 80.- ? Meint ihr, da kommt Einer? Ich nicht und Andere die fragte, ob sie dahin gehen würden? Sie alle sagen nein! jetzt verzichte ich sogar auf das Valserwasser trinken, so unsympathisch ist mir Vals mittlerweile!