Ein Monat ohne Tierprodukte

05. Januar 2018 17:39; Akt: 06.01.2018 00:18 Print

Veganer Schweiz würde es an Ersatz-Essen mangeln

Kurzfristig ist eine Umstellung von tierischen auf vegane Produkte unmöglich. Denn die Schweizer Landwirtschaft müsste sich ändern.

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Könnte die Schweiz kurzfristig komplett auf vegane Ernährung umstellen? «Ein kurzfristiger Ersatz aller Milchprodukte ist nicht möglich, denn es gibt zu wenig Rohstoffe und Verarbeiter, welche die benötigten Mengen verarbeiten könnten», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard zu 20 Minuten. Dafür rechne man bei der Migros damit, dass der Umsatz mit Gemüse, Früchten, Reis, Teigwaren, Hülsenfrüchten oder Getreide zunehmen würde. «Wir müssen keine Angst haben, dass wir im Februar verhungern», sagt Tobias Sennhauser von TIF. Der Präsident der Tierschutzorganisation geht nämlich nicht davon aus, dass die ganze Schweiz für einen Monat vegan wird. «Das ist leider nicht realistisch.» Würden alle Schweizer einen Monat lang auf jeglichen Fleischkonsum verzichten, würde dies den Konsum um knapp 240'000 Schweine ... ... senken. Um ein Schweinchen vor der Schlachtbank zu bewahren, müsste Bundesrat Ueli Maurer rund 30 Personen von einem veganen Monat überzeugen. Ein Monat Fleischverzicht in der Schweiz würde 10 Millionen Hühnern das Leben retten, rund 1,2 Güggeli pro Person, die einen Monat lang vegan lebt – zumindest statistisch gesehen. Rund 40'000 Rinder würden ebenfalls nicht verzehrt. Für ein Rind bräuchte es 200 Temporärveganer. Pro Viande weist für das Inland exakte Schlachtzahlen und Inlandanteile aus. Aufgrund dieser wurde die Gesamtzahl der für den Konsum der Schweizer geschlachteten Tiere berechnet. Wer statt Wurst und Schinken ... ... nur veganes Essen zu sich nimmt, spart auch CO2 ein. 129 Kilogramm CO2 wären es pro Person und Monat. Damit kommt man mit den Auto laut TCS rund 920 Kilometer weit. Die Vegane Gesellschaft Schweiz empfiehlt eine Tagesdosis von mindestens 25 Mikrogramm Vitamin B12. Würde die ganze Schweiz mitmachen und sich ausschliesslich auf B12-Pillen beschränken, würden wir 244'800'000 Pillen verbrauchen.

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Im Februar sollen die Schweizer ganz auf Fleisch und Milchprodukte verzichten, fordert die Organisation Tier im Fokus (TIF). Was aber, wenn tatsächlich alle mitmachen und für 28 Tage auf vegane Produkte umstellen? Gäbe es überhaupt genügend tierfreie Nahrungsmittel?

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«Ein kurzfristiger Ersatz aller Milchprodukte ist nicht möglich, denn es gibt zu wenig Rohstoffe und Verarbeiter, welche die benötigten Mengen verarbeiten könnten», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard zu 20 Minuten. Dies gilt allerdings nur für Fleischersatzprodukte wie Sojaschnitzel oder Mandelmilch. «Wir gehen aber davon aus, dass der Umsatz mit Gemüse, Früchten, Reis, Teigwaren, Hülsenfrüchten oder Getreide zunehmen würde.»

«Leider nicht realistisch»

«Wir müssen keine Angst davor haben, dass wir im Februar verhungern», sagt Tobias Sennhauser von TIF. Der Präsident der Tierschutzorganisation geht nämlich nicht davon aus, dass die ganze Schweiz für einen Monat vegan wird. «Das ist leider nicht realistisch.» Langfristig sei jedoch der Umstieg der ganzen Schweizer Bevölkerung möglich. «Dabei geht es dann nicht nur um die vegane Ernährung, sondern auch um eine vegane Landwirtschaft.»

Sennhauser kritisiert, dass die Agrarpolitik von der Tierindustrie dominiert wird. Dabei gehe es auch anders. «Statt Tiermast könnten dann Sojabohnen für Tofu angebaut werden. Statt Tierweiden wäre auf der Alp auch der Getreideanbau möglich.» Und Roggen wachse auch in einer Höhe von 2000 Metern. Doch müssten laut Sennhauser weitere Pflanzensorten gezüchtet werden.

Bei der Migros ist der Umsatz beim gesamten veganen und vegetarischen Sortiment seit 2013 um mehr als zehn Prozent gestiegen. Auch bei Coop nimmt die Nachfrage laufend zu. «Deshalb bauen wir dieses Sortiment auch stetig aus», so Sprecherin Alena Kress.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Die Wahrheit am 05.01.2018 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Kein Mensch braucht vegane Ernährung, warum kapiert das keiner?

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  • m1cw am 05.01.2018 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufschrei für nüt!

    ich bin sprachlos...wo soll dieser Aufschrei noch hinführen?! Man sollte den Leuten eher beibringen, wie man die Lebensmittel richtig einteilt, Resten verwerten kann und wann was saisonal ist und auf die Herkunft achten. Damit wäre allen mehr geholfen...

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  • Er Cla am 05.01.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich esse weiterhin fleisch und dass bis in den tod...der mensch braucht fleisch...klar bei tiermusshandlungen hört es auf aber wenn die tiere gut gehalten werden na dann gnammiiiii

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fleischloses Fleisch am 14.01.2018 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Degustation

    Gestern beim Einkaufen konnte man Tofu oder Soja-Plätzli probieren. Sie waren gut, aber ein Stück Fleisch dazu, wäre besser gewesen! Wenn ich Fleisch will, will ich Fleisch und kein Gemüsetätschli und wenn ich Gemüse will, dann solls Gemüse sein! Ich will kein "Ersatzfleisch", da es das gar nicht gibt! Laut den Tests sind Ersatzprodukte mangelhaft und somit überhaupt nicht vergleichbar mit richtigem Fleisch! Ich muss KEINE Hungersnot vortrainieren, so wie KEINE Krankheit, Armut oder sonst was, wenn es nicht sein muss! Wenn ich muss, kann ich hinter dem Gaus Chüngel züchten und Hühner halten..!

  • B.Adone am 09.01.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sobald die Veganer einen

    Fleischmonat einlegen, werde ich einen Monat vegan essen.

  • Thomas Ruckstuhl am 08.01.2018 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Zwang

    Übermässiger Konsum bin ich auch dagegen. Jedoch allen normalverbraucher wieder was aufzwingen zu wollen geht zu weit. Dann sollte man auch mal nen Monat Smartphones Autos etc verbieten. An all die Pseudogutmenschen wenn man die Umwelt so schützen will müssen wir wieder so leben wie im Mittelalter. Mal schauen wie das mit der heutigen 24h gesellschaft so klappt...

  • Roland am 08.01.2018 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgewogen

    Im Mai gibt es den Nur-Fleisch-Monat

  • Quad am 08.01.2018 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das eine

    Mir ist egal was die anderen machen oder die Milch, Fleisch und Fisch Industrie mir einreden will, seit ich komplett Vegan lebe, geht es mir hervorragend! Es ist absoluter schwachsinn dass der menschliche Körper tierische Produkte benötigt und jeder der sowas behauptet ist schlicht ungebildet. Jeder soll machen was er will, es wäre jedoch ratsam sich über eine nachhaltige Ernährung gedanken zu machen, den unsere verschwenderische Art zu leben, werden unsere Kinder ausbaden müssen.

    • Martial2 am 08.01.2018 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Quad

      Wie haben die Uhrmenschen vor ca. 3000 Jahre gelebt? Von Jagd, Fischerei und Kräuter... Das war immer so und wird zum Glück auch so bleiben. Jeder für sich und Schluss!

    • Louis le Grand am 10.01.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Vor 3000 Jahren gab es jedenfalls noch keine Uhren, ergo auch keine Uhrmenschen. Sie meinen sicher die Urmenschen.

    • Martial2 am 13.01.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Louis le Grand

      Vielen Dank, meine Vorfahren waren Uhrmacher, darum...

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