Schwere Vorwürfe

16. April 2012 14:27; Akt: 16.04.2012 15:20 Print

Verdient Glencore an dieser Horror-Mine mit?

Der Zuger Rohstoffgigant weist die schweren Vorwürfe wegen Kinderarbeit und Umweltverschmutzung zurück. Bilder des Westschweizer Fernsehens und der BBC zeichnen aber ein anderes Bild.

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Die Vorwürfe sind happig: Der weltweit grösste Rohstoffhändler Glencore mit Sitz in der Schweiz soll in der Demokratischen Republik Kongo Menschenrechte und Umweltschutz missachten. Dies behaupten die Nichtregierungsorganisationen (NGO) «Brot für alle» und «Fastenopfer» in einem aktuellen Bericht. Das Westschweizer Fernsehen und die britische BBC haben die Vorwürfe gemeinsam vor Ort überprüft.

In der aktuellen Ausgabe der Sendung «Mise au Point» steht RTS-Reporter Marc Allgöwer vor dem Luilu-Fluss in der rohstoffreichen Provinz Katanga, in den die Glencore-Tochter KCC unbehandelte Schwefelsäure leitet, die sie für die Herstellung von Kupfer-Kathoden verwendet. Vor laufender Kamera lässt er eine Wasserprobe entnehmen, die später in einem Labor in Bern analysiert wurde. Resultat: Extrem tiefer PH-Wert und drei- bis viermal höhere Metallkonzentrationen als erlaubt. «In diesem Fluss gibt es keine Fische mehr», sagt Alphonse Makula von einer lokalen NGO.

«Problem gelöst», aber für wie lange?

Glencore behauptet in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme, keine Abwasser mehr in den Luilu-Fluss zu leiten. Beigelegt ist eine Aufnahme von vergangener Woche (siehe Bildstrecke oben), auf der tatsächlich nur noch ein Rinnsal zu sehen ist. Chantal Peyer von Brot für alle, die für den Bericht vor Ort recherchierte, bestätigt, dass Glencore die massive Verschmutzung des Luilu-Flusses gestoppt hat. Sie ist trotzdem skeptisch: «Glencore hätte dieser Pflicht schon vor einem Jahr nachkommen sollen», sagt sie zu 20 Minuten Online. Ausschlaggebend waren wohl die Recherche der Schweizer NGOs und die Reportage der BBC, und nicht echte Einsicht, so Peyer.

Sie zweifelt auch an der Nachhaltigkeit der Lösung: «Wir haben bisher keine technischen Spezifikationen gesehen», sagte sie. Das verschmutzte Wasser landet momentan anstatt im Fluss in einem Auffangbecken. Ob das so bleibt, wenn der Druck auf das Unternehmen nachlässt, ist unklar. Ausserdem gelte es nach wie vor, den verschmutzten Fluss zu dekontaminieren.

Kinderarbeit über sieben Ecken?

Auch dem Vorwurf der Kinderarbeit in der Kupfermine Tilwezembe, die Glencore besitzt, aber angeblich nicht ausbeutet, sind die Filmer nachgegangen – mit versteckter Kamera. Sie fanden abenteuerliche Schächte und minderjährige Arbeiter. Der 17-jährige William etwa möchte hier nach dem Tod seines Vaters genug Geld verdienen, um wieder zur Schule gehen zu können. Bei einem Lohn von vier Franken pro Tag unmöglich. Er berichtet von zahlreichen Todesfällen. In 30 bis 40 Metern Tiefe sterben die ungesicherten Teenager entweder an Sauerstoffmangel, oder sie werden bei Einstürzen erschlagen.

Glencore-Konzernchef Ivan Glasenberg verneint im Beitrag zunächst vehement, dass sein Unternehmen Kupfer aus Tilwezembe weiterverarbeitet. Doch die Filmer verfolgten die Säcke mit dem von Kinderhänden abgebauten Kupfererz während Tagen und landeten bei der libanesischen Groupe Bazano, einem Zwischenhändler. Das Schweizer Fernsehen ist offenbar im Besitz von Frachtpapieren, die zeigen, dass die Ware von dort über Umwege an die Glencore-Tochter Mopani im benachbarten Sambia gelangt. Somit würde das Zuger Unternehmen mit Kinderarbeit Geld verdienen.

Mit diesen Informationen konfrontiert, wird Glasenberg zunehmend defensiv: «Wenn das stimmt, dann profitieren wir tatsächlich von Kinderarbeit. Aber unsere Kontrollmechanismen sind so gut, dass so etwas nicht passieren kann. Ich kann mir nicht vorstellen, wie so etwas möglich wäre.» Ein überzeugtes Dementi klingt anders.

Die Kupfermine Tilwezembe:

(kri)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ob diese immer wieder gehörten und geschriebenen Vorwürfe stimmen, muss dringendst untersucht werden. Dass Glencore enorme Gewinne macht und dank der Unternehmensteuerreform Hunderte Millionen Franken Steuern spart, ist hinlänglich bekannt. Herr Glasenberg, schauen Sie bitte, dass Ihre Firma und die Arbeitsbedingungen transparent werden, ein Glashaus eben. Falls Sie nichts zu verbergen haben, so steht dem nichts im Wege. Noch eine Frage: "Schlafen Sie und Ihre Führungsetage eigentlich gut?" – Yvo Ledergerber

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.Maurer am 16.04.2012 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert

    Da sag ich nur eins "Geld regiert die Welt" da spielen Menschenleben und die Umwelt keine rolle, das ist due traurige tatsache :(

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  • Max Müller am 16.04.2012 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Populistische Momentaufnahme...

    Hauptsache Glencore bezahlt Steuern. Die Vorstellung von einer "gerechten Welt" ist so utopisch wie der Weltfrieden. Jeder einzelne ist halt ein kleiner Egoist und sich selbst am nächsten. Einige erfolgreicher als andere. Einerseits ist Kinderarbeit zwar nicht lobenswert, doch ohne dieses Einkommen könnten viele Familien gar nicht überleben. Es ist zwar hart, aber lieber Kinderarbeit als Kinderkrieg. Letzteren haben wir in Afrika häufig genug gesehen!

  • Andreas am 16.04.2012 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Das Bild verallgemeinert

    Kann ich jetzt Strafklage einreichen wegen rassismus wie bei der Weltwoche und dem Roma Junge? Das Bild entspricht vermutlich nicht der ganzen Wahrheit und ist nicht aus einer Glencore Mine. Ich bekomme auch das Gefühl, dass alle Schwarzafrikaner arm sind und Steine schleppen müssen. Das ist eine unhaltbare Verallgemeinerung die so nicht haltbar ist. Es gibt viele gut bezahlte Mitarbeiter im Kongo. Es gibt sogar eine Mittelschicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tony-Maroni am 17.04.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Happy Glasenberg und Marc Rich

    Einwohner der Gemeinde Rüeschlikon (SZ) dürfen auch gut schlafen, denn Sie wollten ja nicht, dass das Unternehmen gezwungen wird, auch die Sauerei (im Umwelt-"Kreislauf") aufzuräumen. Hauptsache der Chef verdient CHF 109 Mio. Steuerfrei pro Jahr...Schaut Eueren Kindern schön brav in die Augen, wenn Ihr sie über die Verschlutzte Umwelt anlügt...denn die Gewinne landeten nicht wo die Verschmutzung anfing-

  • Ursus Bär am 16.04.2012 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr habt alle auch blut an den Händen

    Hallo liebe leute ich finde es ein wenig scheinheilig was ihr hier so schreibt, alle die hier schreiben und sich mokieren besitzen 100%prozentig einen Computer oder ein Smart Phone was meint ihr woher die Rohstoffe für diese Produkte herkommen. 20 min hatte vor einiger zeit einen Bericht Jeder der ein Mobilphone besitz hat Blut anden Handen!

  • chris am 16.04.2012 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    kampagne vor einem jahr...

    die kampagne lief vor einem jahr... entsetzlich wie lange es in einem solchen fall geht, bis die presse reagiert... ich liebe die schweiz - aber nicht diese, oben beschriebene...

  • Adam Weishaupt am 16.04.2012 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Status Quo

    Es ist kein Novum, dass auf der ganzen Welt Menschen für den Wohlstand des Westens ausgebeutet werden! Nicht nur in Afrika, auch in Asien ist dies der Fall. Doch wenn man sich bei jedem Einkauf über die Herstellung des entsprechenden Produktes bewusst wäre und sich fragen würde, ob ein Kauf ethisch vertretbar ist, könnte man praktisch nichts mehr konsumieren. H&M, Foxconn etc. x-Mal in den Schlagzeilen aufgrund Kinderarbeit, übelste Ausbeutung... Leute, wir leben in einer Gesellschaft in der moderne Sklaverei stillschweigend hingenommen wird! Es muss sich endlich was ändern...

  • bruno Schlatter am 16.04.2012 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mörder!

    Ich verstehe nicht das solche Menschen nicht wegen fahrlässiger Tötung oder mordes angezeigt werden.