Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Fifa unter Beschuss
03. September 2010 10:28; Akt: 03.09.2010 14:09 Print
Verhökerte Daten, dunkle Deals
Ein Mitarbeiter der Fifa-Ticketagentur soll 250 000 geheime Kundendaten auf dem Schwarzmarkt verhökert haben - darunter auch solche von 35 723 Schweizern. Der Fifa-Vize hat angeblich auch mitgemischt.

Fifa-Präsident Sepp Blatter und sein unter Beschuss geratener Vize Jacke Warner (Bild: Keystone)
Der Fussball-Weltverband wird von einem möglichen Ticket-Skandal erschüttert: Ein Mitarbeiter der Schweizer Agentur Match soll hunderttausende Personendaten für die WM 2010 an Schwarzhändler verkauft haben, berichtet die norwegische Tageszeitung «Dagbladet». Zusätzliche Brisanz erhält der Fall, weil der Neffe von Fifa-Chef Sepp Blatter, Philippe Blatter, über die Firma Infront Miteigentümer von Match ist.
Dagbladet präsentiert einen Teil der 250 000 mutmasslich verkauften Kundendaten
Jack Warners Ticketbestellung: Stimmt 1-zu-1 mit einem Mail von einer Schwarzmarkt-Agentur überein, die an den Fifa-Vize ging.
Die Tageszeitung ist nach eigenen Angaben im Besitz einer Liste, auf der
Nationalbank-Chef und Ex-Premierminister auch betroffen
Verkauft wurden laut «Dagbladet» alle
Die Tageszeitung behauptet, Belege für den Verkauf zu haben. Sie soll im Besitz von E-Mails des Match-Agenten sein, welche den Verkauf der Daten an Schwarzmarkthändler belegen. Ein Teil der Listen von 2006 hat die «Süddeutschen Zeitung» vom «Dagbladet» erhalten. Die deutsche Tageszeitung formuliert einen weitreichenden Verdacht: «War Match, der exklusive Ticketvermarkter der Fifa 2010, über einzelne Mitarbeiter selbst im Schwarzhandel tätig?»
Agentur gehört Sepp Blatters Neffen
Die Agentur Match bestreitet die Vorwürfe: Ein Sprecher sagte gegenüber der «Süddeutschen Zeitung», dass die verkauften Listen auf Daten der WM 2006 gründen sollen. Damals habe Match die Ticketverkäufe aber gar nicht gemanagt. Die Fifa selbst wollte sich gar nicht zu den Vorwürfen äussern: «Aus Prinzip kommentiert die Fifa keine Behauptungen in den Medien», sagte die Fussballorganisation gegenüber der «Süddeutschen Zeitung».
Fifa-Vize soll Schwarzhändlern Tickets zugeschanzt haben
Dass die Fifa ein Problem hat mit ihren Spitzenvertretern und mit ihr verbundenen Agenturen, zeigt das aktuellste Beispiel, das die internationalen Medien ans Tageslicht bringen. Nachdem Fifa-Vorstand Ismael Bhamjee an der WM 2006 heim nach Botswana geschickt wurde, weil er beim Verhöckern von WM-Karten gefilmt worden war, ist nun Fifa-Vizepräsident Jack Warner in den Fokus geraten. Warner soll an der WM 2010 selbst an Schwarzmarkt-Deals beteiligt gewesen sein. Dem «Dagbladet» liegt eine E-Mail-Korrespondenz vor, die zeigt, dass Warner über den karibischen Fussballverband (CFU), dem er vorsteht, hunderte Tickets bei der Fifa bestellt hat. Die Tickets gingen allerdings nicht zu ihm, sondern via Zwischenhändler an eine grosse norwegische Schwarzmarkt-Agentur. Doch der Deal platzte: Die Agentur zahlte die Rechnung nicht und die der Fifa-Vize und die CFU standen mit offenen Beträgen da.
Vom Volksschullehrer zum Multimillionär und Minister - Fifa sei Dank
Dass dieses Malheur ihn den Kopf kosten könnte, befürchtet Warner allerdings nicht. Vielmehr sorgt er sich laut Mails an Fifa-Offizielle und die Agentur Match, die «Dagbladet» vorliegen, um die karibischen TV-Rechte an der WM. Mit diesen handelt er seit 1990 exklusiv. Er erhalte die Rechte von der Fifa teilweise zum Vorzugspreis von einem Dollar, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Über seine Firma JD International verkauft er die Fernsehrechte dann wiederum dem CFU. Alleine für die WM 2002 und 2006 brachte ihm dies über vier Millionen Dollar ein. Für 2010 und 2014 sollen ihm gar 20 Millionen zugeflossen sein.
Kein Wunder ist der Volksschullehrer aus Trinidad/Tobago zum Multimillionär und Transportminister aufgestiegen. Das Wohlwollen der Fifa verschafft er sich, indem er – wie er laut der «Süddeutschen Zeitung» selbst bekennt - die Stimmen des Kontinalverbandes Concaef (Nord- und Mittelamerika) Fifa-Boss Blatter zuführt. Über die Vorwürfe schweigen sich alle Beteiligten aus: Sowohl die CFU als auch die Fifa wollten die Medienanfragen nicht beantworten. Gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» soll Warner allgemein krumme Touren bestritten haben – immerhin, möchte man sagen.
(amc)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 20 Kommentare





























FIFA
FAIRPLAY, gemaess Blatter Sepp.
Monopol
Die FIFA ist schon seit längerem in ein Monopol verstrickt, dessen Tiefen selbst noch Pablo Escobar zum staunen bringen würden. Maulkörbe, Restriktionen, Drohungen, alles im Dienste des Sportes erlaubt. Wirklich ? ...ja, solange der naive Mensch alles abkauft...
Sportmafia
Dass in der FIFA keine Schiedsrichter beheimatet sind, ist seit den früheren Skandalen und Skandälchen bekannt.Das ganze Gefüge ist ein milliardenschweres Unternehmen und wo um solche Summen gespielt wird, macht auch die Vetternwirtschaft und Korruption nicht Halt.Da der Fussball ein tdsicheres Geschäft ist. müssen die Verantwortlichen wohl nie um Ihre Jobs bangen.Rote Karte!