Leistungsschutzrecht

04. Dezember 2012 13:17; Akt: 04.12.2012 13:29 Print

Verleger kritisieren Google - könnten aber aussteigen

von Lukas Mäder - Die Verleger wollen Google für seinen News-Dienst zur Kasse bitten. Doch Google hat die besseren Argumente: Der Service ist werbefrei und für die Medienhäuser freiwillig.

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Google nutze mit dem News-Dienst journalistische Leistungen, ohne dafür zu bezahlen, beklagen die Verleger - doch aus dem Service austragen wollen sie sich nicht. (Bild: Keystone)

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Ende Woche beraten die Verleger über allfällige Forderungen nach einem Leistungsschutzrecht für journalistische Inhalte. Noch hat das Präsidium des Branchenverbands Schweizer Medien nichts entschieden, aber im Zentrum der Diskussion steht der Dienst Google News, der Anrisse journalistischer Texte zusammenstellt. Die Verleger befürchten, dass die Leser gar nicht mehr auf ihre Online-Plattformen kommen, wenn sie die Zusammenfassung der Meldung bereits auf Google News gelesen haben, wie Urs F. Meyer von Verlegerverband sagt. «Diese fehlenden Klicks bedeuten für die Verlage einen entgangenen Gewinn.»

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Anstelle der Zeitungsherausgeber könne Google die Zugriffe kommerziell verwerten, kritisiert Meyer. Derzeit ist dies jedoch nicht der Fall. Im Unterschied zur eigentlichen Google-Suche ist Google News werbefrei, wie auch Meyer eingesteht. Und laut Google soll dies auch so bleiben. An der Google-Suche wiederum haben die Verleger nichts auszusetzen, wie Meyer sagt. «Die kurzen Ausschnitte sind für uns kein Problem, da man so nicht Zeitung lesen kann.»

Sperrung von Google News möglich

Die Klagen der Verleger über Google News erscheinen noch aus einem weiteren Grund seltsam. Die Suchmaschine stellt die Möglichkeit zur Verfügung, genau zu steuern, welche journalistischen Inhalte auf dem News-Dienst erscheinen sollen - bis hin zur Sperrung einer gesamten News-Site. Dies bestätigt Google: «Jeder Verlag kann schon heute selbst entscheiden, ob seine Seiten von Google gefunden werden sollen.»

Die Verleger wollen also offensichtlich die Nutzung ihrer journalistischen Leistungen nicht unterbinden, obwohl sie dies könnten. Über die Gründe dafür kann Meyer nichts sagen: «Der Entscheid dazu liegt bei jedem einzelnen Unternehmen.» Ein gemeinsamer Boykott von Google News würde gegen das Kartellrecht verstossen. Zudem gebe es im Verband verschiedene Meinungen dazu.

Illegales Filesharing mit E-Paper

Doch die Verleger treibt im Zusammenhang mit einem Leistungsschutzrecht nicht nur Google News um. Sie fürchten sich laut Meyer auch vor illegalem Filesharing - wenn die Verlage ihre Bezahlschranken im Internet herunterlassen. Zwar sei das Problem derzeit noch marginal. Doch bei der kostenpflichtigen E-Paper-Ausgabe der NZZ und im Ausland sei dieses Phänomen bereits zu beobachten. Und mit der heutigen Urheberrechtsregelung lohnt sich laut Meyer die juristische Verfolgung nicht.

Die Verleger wollen ihre Forderungen in die Arbeitsgruppe einbringen, die Justizministerin Simonetta Sommaruga im Sommer einberufen hat. Zur Diskussion steht laut Meyer, journalistische Erzeugnisse mit anderen Medien wie Musik, Film und Bücher urheberrechtlich gleichzusetzen. Google hingegen lehnt ein Leistungsschutzrecht klar ab, wie es auf Anfrage schreibt: «Ein Leistungsschutzrecht bedeutet weniger Informationen für Bürger und höhere Kosten für Unternehmen.» Nutzer könnten im Netz nicht mehr jederzeit finden, was sie suchen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel Bauma am 04.12.2012 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    habs gegooglet :-)

    was für ein Zwickmühle, wenn die grösste Suchmaschine auch der grösste Werbepartner im Inet ist :-) Ich schätze Google wird bald mit dem Kartellrecht bekanntschaft machen. Dann heisst es Suchergebnisse und Werbeinblendungen zu trennen. Ehrlich gesagt kann ich es auch nicht verstehen? Wieso sollte man noch auf Werbe-Ads klicken, wenn das Suchergebnis viel aufschlussreicher und eindeutiger ist.

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  • Globetrotter am 05.12.2012 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Deeplinks

    Die Welt dreht sich weiter und die alten Monopolisten Filmindustrie, die Musikindustrie und die Verlage haben keine Eigeninteresse an einer digitalen Technologie und hinken nun immer mehr hinterher. Komisch alle Verlage sind mit Deeplinks auf den Sozialen Medien unterwegs, verbieten diese Deeplinks dem Rest der Welt? Warum? Allen gehört die Autobahn (Internet) Auto fahren (Links) will ich nur alleine? Diese Einstellung sollte man verbieten.

  • Der Denker am 04.12.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lichterlöschen in den Redaktionen

    Dier Verleger machen den gleichen Fehler, wie damals die Musikindustrie. Sie versuchen etwas zu retten, das es in Zukunft so nicht mehr gibt. Nämlich das Abonnement. Gratiszeitungen werden die schnelle News übernehmen, Wochenzeitungen die regionalen Nachrichten. Beide sind heute erfolgreich unterwegs. Das wird sich nicht ändern. Also bleiben noch Hintergrund- und Exklusivberichte sowie Recherchen und Reportagen. Echtes journalistisches Handwerk. Dieser Kuchenteil ist und bleibt klein in einem Land mit 8 Mio. Einwohner. Lichterlöschen in Redaktionen ist angesagt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manuel Oder am 05.12.2012 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Lügen bis die Balken biegen

    Leider haben die Verleger, gestützt durch die "Diskussion" in Deutschland, nun auch hier begonnen zu Lügen bis die Balken biegen. Das sogenannte Leistungsschutzrecht ist nichts anderes als Fischen für Subventionen. JEDER könnte mit nur einer Codezeile Google News aussperren - aber keiner tut es, denn in Wahrheit erhalten die Portale einen Grossteil ihrer Besucher über eben jenen Service, den sie jetzt anprangern. Es ist erbärmlich und traurig, dass die Verleger heute noch so einfältig (oder dreist?) sind, dass diese Diskussion überhaupt nötig ist.

  • Globetrotter am 05.12.2012 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Deeplinks

    Die Welt dreht sich weiter und die alten Monopolisten Filmindustrie, die Musikindustrie und die Verlage haben keine Eigeninteresse an einer digitalen Technologie und hinken nun immer mehr hinterher. Komisch alle Verlage sind mit Deeplinks auf den Sozialen Medien unterwegs, verbieten diese Deeplinks dem Rest der Welt? Warum? Allen gehört die Autobahn (Internet) Auto fahren (Links) will ich nur alleine? Diese Einstellung sollte man verbieten.

  • Ewald am 04.12.2012 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das 

    Wenn ich es richtig verstanden habe Posten die Verleger die News, google stellt nur die Plattform. Also was soll das Theater? Google könnte auch etwas für die Plattform verlangen

  • Der Denker am 04.12.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lichterlöschen in den Redaktionen

    Dier Verleger machen den gleichen Fehler, wie damals die Musikindustrie. Sie versuchen etwas zu retten, das es in Zukunft so nicht mehr gibt. Nämlich das Abonnement. Gratiszeitungen werden die schnelle News übernehmen, Wochenzeitungen die regionalen Nachrichten. Beide sind heute erfolgreich unterwegs. Das wird sich nicht ändern. Also bleiben noch Hintergrund- und Exklusivberichte sowie Recherchen und Reportagen. Echtes journalistisches Handwerk. Dieser Kuchenteil ist und bleibt klein in einem Land mit 8 Mio. Einwohner. Lichterlöschen in Redaktionen ist angesagt.

  • Werde Reich am 04.12.2012 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Bin dafür

    Wenn schon, denn schon sollte eine generelle Gebührenerhebungsstelle geschaffen werden. Ich werde mich dann auch bei diesem Verwerter anmelden und für meine journalistischen Inhalt Geld beziehen. Denn meine Texte in Blogs, Publikationen auf Facebook, die Leserbriefe und Co. sind urheberrechlich geschützt.