Leser-Meinungen

14. Juni 2018 10:31; Akt: 14.06.2018 11:41 Print

«Schweizer Marken sind nur teurer»

Von «Manchmal verwechselt man die Herkunftsländer» bis «Ausser dem Hauptsitz ist an der Firma nichts schweizerisch». Ein Experte reagiert auf Leserkommentare zu Schweizer Marken.

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Schweizer Marken sind nicht mehr so beliebt wie auch schon. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Globeone. Für Schweizer Firmen ist Swissness aber weiterhin ein wichtiges Werbemittel, wobei dessen Wert von der Branche und der Art des Produkts abhängt, wie Markenexperte Stefan Vogler zu 20 Minuten sagt.

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Verdient die Schweiz einen besseren Ruf?

«In der Industrie ist Swissness sehr viel wert», so der Experte. Auch bei den klassischen Schweizer Konsumprodukten wie Uhren, Schokolade oder Käse sei das Herkunftsland Schweiz weiterhin eine Aufwertung.

Viele 20-Minuten-Leser sind hingegen nicht so überzeugt von den Schweizer Marken. Sie hinterfragen, was es überhaupt heisst, schweizerisch zu sein, und ob Qualität wirklich den Preis rechtfertigt. Experte Vogler gibt seine Einschätzung zu den Bedenken der Leser.


Die Leser: Schweizer Firmen verwässern ihre Marken. Längst nicht alles kommt wirklich auch aus der Schweiz.

Vogler: «Diese Vermischung von Schweiz und Ausland kann für eine Marke sehr gefährlich sein. Firmen wollen ihr Portfolio ausweiten, aber die heikle Frage ist: Wie glaubwürdig ist die Marke noch, wenn sich die Firma vom etablierten Produkt, etwa dem Schweizer Sackmesser von Victorinox, entfernt. Wenn einheimische Produktion wichtig für das Markenbild ist, ist es natürlich völlig unglaubwürdig, wenn eine Firma stattdessen Billigware aus China verkauft. Dann scheitert nicht nur das neue Produkt, sondern das etablierte Produkt der gleichen Marke leidet ebenfalls unter dem Imageverlust.»


Die Leser: Schweizer Produkte sind vor allem teuer. Qualität ist ein Ding der Vergangenheit.

Vogler: «Die Schweiz steht schon für Qualität – dadurch auch aber für einen hohen Preis. Wenn jemand die Nummer eins ist, sich aber nicht stark genug weiterentwickelt, dann können die anderen natürlich aufholen. Obwohl sich die Qualität dadurch nicht reduziert, ist das doch eine Art Rückschritt. Das zeigt sich auch daran, dass die Schweiz nicht mehr als besonders innovativ angesehen wird: Sie ist weiterhin sehr fortschrittlich, vor allem in der Industrie und in Sachen Technologie, aber andere Länder forschen auch immer mehr.»


Die Leser: Firmen werden gar nicht als Schweizer Unternehmen wahrgenommen. Manchmal, etwa im Fall Lindt, verwechselt man die Herkunftsländer sogar.

Vogler: «‹Swiss made› ist ausserordentlich wertvoll für eine Marke. Und Firmen versuchen das auch auszunutzen, indem sie die Produkte entsprechend kennzeichnen, etwa mit einem Schriftzug oder Schweizer Kreuz. Weil Swissness so ein starkes Werbemittel ist, schaltete sich hier auch der Staat ein, der definierte, was die Bedingungen sind, dass man damit werben darf.»

Lindt: «Lindt & Sprüngli ist ein Traditionsunternehmen und seit beinahe 175 Jahren fest in der Schweiz verwurzelt. Lindt & Sprüngli wird weltweit als Schweizer Unternehmen anerkannt und wahrgenommen.»


Die Leser: Manche Firmen, gerade im Finanzbereich, haben einfach den Hauptsitz in der Schweiz, aber am Unternehmen ist nichts Schweizerisches.

Vogler: «Es ist spannend, dass viele Schweizer Firmen, die international tätig sind, auch ein globales Unternehmen sein wollen. So hat etwa die Zurich-Versicherung die ü-Pünktchen aus dem Logo gestrichen, auch in der Schweiz. Firmen wollen heute beides: ein Schweizer Unternehmen sein, das aber auch sehr international ausgerichtet ist.»

Globeone: «Gerade im Finanzdienstleistungssektor kann man davon ausgehen, dass die Assoziation zu einem Land sogar noch grösser ist als in anderen Branchen. Aus Konsumentensicht kommen viele Elemente zusammen, die zum Swissness-Image führen. Viele davon sind in der Kommunikation zu finden, nicht unbedingt in den reinen Zahlen und Fakten. Die Firmen werben mit Bildern der Natur oder Geschichten von Tradition, Präzision, Neutralität, Verlässlichkeit.»

Zurich: «Zurich ist ein globales Unternehmen mit starken Schweizer Wurzeln. Auch im Ausland werden wir klar als Schweizer Unternehmen wahrgenommen. Wir exportieren zudem Schweizer Erfolgsmodelle ins Ausland. Wir haben vor kurzem als erster Versicherer in den USA ein Lehrstellenprogramm lanciert. Dort ist das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung (Betrieb und Berufsschule) wenig bekannt.»

(rkn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Will Fly am 14.06.2018 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss

    Wer vor allem mit Füssen auf der Swissness rumtrampelt ist die Swiss, eine der schlechtesten Airlines und zudem undurchsichtige Kosten (Gepäck, Kreditkartengebühren). Denen sollte man das Schweizerkreuz im Logo schon lange verbieten.

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  • Pierre Dubois am 14.06.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    schein und sein

    Es ist ja schon unglaublich, dass der Schweizer Unternehmer schlechthin, das Schweizer Vorzeigeunternehmen Victorinox, führend im Labeln von im Ausland gefertigten Produkten mit Schweizer Kreuzen ist. Sei es Victorinox, Wenger oder SwissGear, alle Marken des Hauses Victorinox tragen Schweizer Kreuze auf in China gefertigten Produkten. Victorinox fördert die unrechtmässige Verwendung des Schweizer Kreuzes nicht nur, nein es verdient auch richtig Geld damit und eröffnet für alle Nachahmer Märkte. In der Öffenlichkeit stellt sich das Unternehmen dann jeweils als Retter Schweizer Tugenden hin.

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  • Simon Olex am 14.06.2018 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgerundetes Sortiment

    Das Wertegefühl der Leute, das Verhältnis zur Arbeit und die Weltanschauung hat sich geändert. Ebenfalls haben viel realisiert, dass Markennamen (teilweise) nur heisse Luft sind. Überleben wird langfristig nur wer ein komplettes, sich ergänzendes Sortiment anbietet und die entsprechenden Dienstleistungen dazu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susanne K. am 16.06.2018 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Vater sagte immer:

    "Wir sind zu arm um uns billige Sachen kaufen zu können"!

  • M.G. am 15.06.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Lifestyle vs. Qualität

    Mit Qualität allein macht man heute keine Geschäfte mehr. Da ist die Wirtschaft in die eigene Falle gegangen. Jahrelang wurde den Konsumenten eingeredet das sie nur dann ein gewisses Sozialprestige bekommen wenn sie möglichst viel konsumieren und ihre Gebrauchsgüter möglichst schnell durch Nachfolgeprodukte ersetzen. Dafür dürfen diese Waren aber nicht zu teuer sein und Qualität spielt bei der Kurzlebigkeit keine grosse Rolle mehr. Das führt dazu das die Gewinnspanne je einzelnes Produkt sinkt und man nur noch durch Masse profitabel bleibt. Das bricht manch altem Unternehmen das Genick.

  • Uhrologe am 15.06.2018 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Wertarbeit

    Ich bin sehr zufrieden mit meiner Rolex Daytona. Sie ist jeden Tag eine Freude am Handgelenk. Und sie hat jeden Tag mehr Wert. Echte Schweizer Qualitätsarbeit.

  • Markenexperte II am 15.06.2018 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    logische Folge

    Der Identitätsverlust der Schweiz überträgt sich jetzt halt auf die Schweizer Produkte. Nichts mehr mit heiler Alpenwelt und zuverlässigen, vertrauenswürdigen, erdverbundenen, friedlichen Menschen. Alles verbaut, zugemüllt und multikultisiert. Von dieser - realen - Schweiz will keiner ein Produkt, zu den Preisen sowieso nicht.

    • Alex am 16.06.2018 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markenexperte II

      Die Welt ändert sich halt. Und auch die Kundenwünsche. Das was man vor 30 Jahren geboten hat reicht heute nicht mehr. Rolex und Victorinox reichen nicht.

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  • Brands Need Fans am 15.06.2018 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Marken sind gar keine mehr ...

    Gerade Markenfirmen, welche in der analogen Zeitepoche gross geworden sind tun sich schwer in der heutigen digitalen Zeitrechnung. Marken brauchen Fans (Kunden) und eine Story, die der Fan mittragen will. Wo diese gute Story fehlt, fehlt auch der Kunde nd somit fehlt sein Geld in der Kasse der Markenfirma. Schweizer Kreuz und teuer ist keine Story mehr. All die Firmenverkäufe oder zunehmende Insolvenzen bestätigen dieses Bild.

    • Knoebi am 15.06.2018 17:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Brands

      Erkläre mir bitte, was eine heutige digitale Zeitrechnung sein soll. Danke. Und welche Firmenverkäufe oder zunehmende Insolvenz? Habe ich da was verpasst?

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